Kultur und Wein

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CArmen, das Musical Ensembel © P. Bernhard

CARMEN Das Musical Ein spanischer Zirkus gastiert im Steinbruch

Lucius Wolter, Oliver Arno, Ensemble © P. Bernhard

Warmherzige Verführerin rettet geliebten Polizeioffizier

Die Musicalmacher Frank Wildhorn (Musik), Jack Murphy (Text), Norman Allen (Libretto) und Kim Scharnberg (original Orchestration) haben sich gründlich vom Original gelöst. Sie haben eine Carmen erschaffen, die so ganz anders handelt und denkt als wir sie von Georges Bizet und der Novelle von Prosper Mérimée her kennen. Aus der kaltherzigen Verführerin, die den Sergeanten Don José für ihre Machenschaften ausnützt, wird eine Frau, die letztlich für diesen im wahrsten Sinn des Wortes sogar ins Messer rennt. Ein solcher Sinneswandel braucht selbstverständlich ein anderes Personal, egal ob gut oder böse. So wird aus dem Bauernmädchen Micaëla eine Katarina, die als Tochter des Bürgermeisters den feschen José heiraten soll. Sowohl ihr Vater als auch Josés Vorgesetzter Zuniga sind recht zwielichtige Typen, die den jungen Neuen in ihre Machenschaften einführen wollen. Im Zuge der Hochzeitsvorbereitungen kommt es zur verhängnisvollen Begegnung mit der Tänzerin, bei der sich der Bräutigam Knall auf Fall in die frei und wild agierende Frau verliebt.

Oliver Arno, Sarah Zippusch © P. Bernhard

Deren Zuhälter Garcia ist darob verständlicherweise wenig erfreut. So kommt es zum tödlichen Schuss auf den Polizeichef, der José in die Schuhe geschoben wird. Orte der Handlung sind das Haus des Bürgermeisters, die wilde Gegend um die Stadt Sevilla und ein Zirkus als Bühne für den Showdown dieses Spiels aus Leidenschaft, Liebe und Bösartigkeiten. Über dem Ganzen liegt eine wohlige Wolke aus Klängen und Melodien, die im zweiten Teil mit durchaus spanischer Rasanz dem tödlichen Finale zustreben.

Ana Milva Gomes © P. Bernhard

Beim Premierenpublikum ist diese Version ausgesprochen gut angekommen. Der Steinbruch von Winzendorf hat das Seine zu diesem Erfolg beigetragen. Felsen sind einfach romantisch und halten gewagte Feuerspiele ebenso aus wie den Auftritt von ungemein gut dressierten Pferden, die an solchem Orte einfach dazugehören. Das Ensemble wird zu einer Truppe von singenden Artisten, die ihre Nummern in Vertikalakrobatik oder mutigem Jonglieren mit brennenden Fackeln abwickeln. Regisseur Erik Peterson hat also jede Möglichkeit genutzt, den Genius loci für seine Ideen einzuspannen. Als Solisten stehen ihm dabei stimmgewaltige Sänger zur Verfügung, die vom Orchester des Musicalsommer Winzendorf unter Lior Kretzer mit mächtigem Sound begleitet wurden. Als Carmen wäre Ana Milva Gomes vorgesehen gewesen, die aber im letzten Moment krankheitsbedingt absagen musste. An ihrer Stelle tanzte und liebte sich Sarah Zippusch durch die Handlung und war beeindruckend als das Zigeunermädchen, das berühmt wird, weil es sich mit einem Messer gegen Männer wehrt.

Die für sie vorgesehene Rolle der Katarina übernahm Kathrin Schreier, die für die brave Bürgermeistertochter ohnehin die Idealbesetzung ist. Sandra Pírez ist die Wahrsagerin, die es dem Zuhörer kalt über den Rücken laufen lässt, wenn sie ihre dunklen Ahnungen in den Raum schmettert. Gleichzeitig ist sie aber auch die lustige Tante Inéz, die ihrer Nichte, der überanständigen Katarina, Sex und Sinnlichkeit schmackhaft machen will. Mit Zickigkeit würde sie ihren Verlobten José kaum halten können, zumal dieser eben in die Fänge von Carmen geraten ist. Oliver Arno ist ein netter, freundlicher Bursch, der den verbrecherischen Umtrieben seines Schwiegervaters in spe (Nik Raspotnik als mit allen Wassern der Korruption gewaschener Bürgermeister) und seines geilen Chefs, des Capitan Zuniga (Martin Pasching) keineswegs gewachsen ist.

Zum Glück hat er einen rettenden Freund wie den Kollegen Inmar (Kilian Berger). Ein weiterer Bösewicht ist Garcia, der Carmen brutal für sich beansprucht. Mit Lucius Wolter sollte man sich nicht anlegen. Er gibt einen zornigen Messerwerfer, der kein Hehl daraus macht, bei dieser Vorführung sein Opfer auch einmal zu ermorden. Es ist also spannend, den äußeren und inneren Kämpfen eines José, einer Katarina und einer Carmen mit ungewöhnlichem Seelenleben zuzuschauen und zuzuhören.

Sandra Pírez, Nik Raspotnik © P. Bernhard
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