Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Weltkarte mit der Küste Brasiliens, Geographia, Claudius Ptolemäus (Detail) © ONB

KAISER MAXIMILIAN I. Entdecker der Macht einer Druckerpresse

Maximilian diktiert seinem Sekretär Marx Treizsauerwein (Detail) © ONB

Eine große Persönlichkeit strahlt aus Büchern und zeitgenössischen Druckwerken

Kaiser Maximilian I. ist nicht selten gescheitert, war im Zuge des Burgundischen Erbfolgekriegs sogar schmählich inhaftiert gewesen und ständig in Geldnöten, dennoch ist er einer der bedeutendsten Habsburger, die je auf dem deutschen Kaiserthron gesessen sind. Er gilt als „letzter Ritter“ und „erster Kanonier“ und trug nicht unwesentlich zum Motto der österreichischen Herrscher bei, das da lautet: Bella gerant alii, tu felix Austria nube.“ Dass damit sehr wohl Kriege verbunden waren, verschweigt man lieber nobel. Aber mit der von ihm eingeleiteten Heiratspolitik entstand immerhin ein Reich, in dem die Sonne nie unterging. Was ihn aber im Besonderen auszeichnet, ist die Entdeckung der Macht, die vom damals neu erfundenen Buchdruck ausging. Er setzte ihn umgehend für seine Zwecke ein und beherrschte damit ein Medium, das es ihm nicht nur erlaubte, seine eigenes Image entsprechend zu gestalten, sondern auch die Gelehrten seiner Zeit um sich zu versammeln.

Wiese bei Stift Stams (u. a. Osmane auf der Jagd), Tiroler Fischereibuch © ONB

Dank dieser modernen vorausblickenden Einstellung ist uns ein Schatz an Büchern und Druckwerken erhalten geblieben, der uns ein ungewöhnlich detailliertes Bild der Zeit von Maximilian I. ermöglicht, die man gemeinhin als den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance bezeichnet und die mit diesem Regenten untrennbar verknüpft ist.

Die griechische, lateinische und hebräische Abstammungslinie in Maximilians Stammbaum © ONB

Am 12. Jänner dieses Jahres jährte sich zum 500. Mal der Todestag von Kaiser Maximilian I., dem aus diesem Anlass die Österreichische Nationalbibliothek unter dem Titel „Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger“ (bis 3. November 2019) eine Sonderausstellung in dem ihm gebührenden Rahmen des Prunksaals widmet. Vorbei an über 90 wertvollen Objekten wandelt man durch eine Zeit, die in den ausgestellten Druckwerken erstaunlich lebendig wird. Vor dem Porträtholzschnitt Albrecht Dürers ist die erste Verbeugung angebracht. Der große Meister hat den großen Politiker dagestellt, mit allen den nicht immer vorteilhaften Zügen, die sein Bild prägen. Die große hervorspringende Nase, der skeptische Blick in einem nicht unsympathischen Gesicht, so hat sich Maximilan I. in der Geschichte verewigt. Das reich verzierte ABC-Buch, eine Handschrift, mit dem der sechsjährige Thronfolger Leben und Schreiben lernen sollte, ist ebenso zu sehen wie das von ihm selbst beauftragte Lehrbuch „Gedechtnus-Werken“, in dem seine Ausbildung zum Teil sehr verklärt gezeichnet ist.

Man trifft auf Originale, die man bisher nur vom Hörensagen, also vom Lesen seiner Biographie gekannt hat. Dazu zählen Darstellungen des Triumphzuges, dessen Gestaltung Maximilian seinem Sekretär Marx Treizsauerwein diktieret hat, und ein Teil der „Tabula Peutingeriana“, einer Karte des römischen Straßennetzes, die im 12. Jahrhundert angefertigt wurde, wohl basierend auf einer karolingischen Vorlage, die wiederum auf das spätantike Original zurück geht. Benannt ist sie nach dem Humanisten Konrad Peutinger, einem Berater von Maximilian. Am Stammbaum, den der Bregenzer Jurist Jakob Mennel für den Kaiser konstruierte, darf man ruhig schmunzeln. Aufgrund des Mangels an großen bekannten Ahnen wurden diese über die Merowinger bis zum trojanischen Helden Hektor und einer ganzen Reihe von Heiligen einfach erfunden. Seine außenpolitischen Aktivitäten waren von Spannungen mit dem andrängenden Osmanischen Reich geprägt. Wie auch heutzutage wurden um des lieben Friedens willen Abgesandte zur Jagd eingeladen, in diesem Fall nach Tirol, was eine Abbildung im Tiroler Fischereibuch belegt.

 

Dank der dieser Familie immanenten Sammelleidenschaft dieses Habsburgers verfügt die Österreichische Nationalbibliothek über einen stattlichen Bestand an Werken dieser Zeit.

Den Anfang macht das berühmte Stundenbuch der Maria von Burgund, ein Gebetbuch mit goldenen Buchstaben und reichem Bilderschmuck. Durch Maximilians zweite Frau Bianca Maria Sforza wurde die Sammlung um weitere wertvolle Handschriften erweitert. Eine Inventarliste aus den 1520er-Jahren liefert einen beeindruckenden Überblick zum Buchbesitz des Kaisers. Die Werke gelangten später nach Schloss Ambras und werden heute als sogenannte Ambraser Sammlung in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt und stehen seit 2018 auf der „Memory of Austria“-Liste der UNESCO. Sie alle sind Ausdruck des Mottos von Maximilian I., der dieses im autobiographischen „Weißkunig“ formuliert hat: „Wer ime (=sich) im leben kain gedechtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedechtnus, und demselben menschen wird mit dem glockenton vergessen.

Titelseite des sog. Prunk ABC-Buchs Maximilians © Österreichische Nationalbibliothek
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