Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


„Freude, schöner Götterfunken“ aus dem Finalsatz der 9. Sinfonie, © bpk/Staatsbibliothek zu Berlin

BEETHOVEN Ein Titan der Musik aufs Papier gebracht

Beethoven, an der „Missa solemnis“ schreibend © Österreichische Nationalbibliothek (Detail)

Ambitionierter Versuch, einen Götterfunken mit dem Archiv zu entzünden

Der heimliche Star unter den Objekten der Ausstellung „Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken“ (bis 19. April 2020 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek) ist wohl das Titelblatt der „Sinfonia eroica“, mit der Widmung „per festeggiare il sovvenire di un grand´Uomo“ (1806). Ursprünglich hätte dort der Name Buonaparte stehen sollen. Als sich derselbe aber zum Kaiser krönte, hat Ludwig van Beethoven auf der Abschrift von 1804 bei deren Überprüfung diesen zornig weggekratzt und durch einen bedeutenden Mann ersetzt. Damit kam Fürst Joseph Lobkowitz unerwartet zur Ehre der alleinigen Widmung und überdies in den Genuss, das Werk in seinem Wiener Palais erstmals hören zu dürfen. Daraus geht nicht nur das überschäumende Temperament Beethovens hervor, sondern auch seine ausgezeichnete Vernetzung in allerhöchsten Kreisen seiner Wahlheimat Wien. Seinen Freunden und Verehrern ist demnach auch viel Raum gegeben worden. Briefe, wenn sie vom Meister selbst geschrieben wurden, sind zwar kaum lesbar, dankenswerter Weise aber gedruckt beigefügt.

Beethoven-Inszenierung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek © ONB

So darf man sich amüsieren, wenn sich Beethoven an den Gönner Nikolaus Zmeskall wendet: „übrigens bin ich in Verzweiflung, durch meinen Gehörzustand verdammt zu seyn, mit dieser verworfensten Menschenklasse mein Leben größtenteils zubringen zu dürfen.“ Wenn er genau damit gemeint haben könnte, geht nicht daraus hervor. Wie verzweifelt er aber über die Beeinträchtigung seines Gehörs gewesen ist, fühlt man aus den ersten Worten des Heiligenstädter Testament, das allerdings nur im Faksimile zu sehen ist. „Oh ihr Menschen die ihr mich für Feindselig störisch oder Misantropisch haltet oder erkläret, wie unrecht thut ihr mir...

Kirche St. Michael in Heiligenstadt  © Österreichische Nationalbibliothek

Seine Kompositionen sprechen aber eine vollkommen andere Sprache. Eine Reihe von Autographen zeugt von seiner impulsiven Arbeitsweise mit harschen Korrekturen, aber auch von der Geschwindigkeit, mit der seine Feder die in seinem Kopf klingende Musik in Noten festgehalten hat. Wenn´s auch nur Papier ist, das diese Ausstellung bietet, so kann doch durch tiefe Blicke in Partituren oder geduldiges Lesen zumindest ein Hauch von Musik erspürt werden oder wie im Fall der Sonate für Klavier und Violine op. 24 „Frühlingssonate“ ein Schmunzeln hervorgerufen werden.

Seitlich am Notenblatt ist eine Bemerkung Beethovens zu sehen, die er bei der Überprüfung dem eigenmächtigen Abschreiber zugedacht hat: „Der Copist der die 3 und 6 hier hinein gemacht hat war ein Esel.“ Es darf ruhig als Sensation bezeichnet werden, dass zumindest für wenige Wochen zwei Blätter aus der Originalhandschrift des Finalsatzes der 9. Sinfonie op. 125 mit „Freude, schöner Götterfunken“ und „Seid umschlungen, Millionen“ zu erleben sind.

 

Neben zahlreichen männlichen Persönlichkeiten aus seinem Umfeld werden auch die Frauen thematisiert, aus deren Flor die eine, unbekannte „Unsterbliche Geliebte“ herausragt, der Beethoven einen mit „zwar mit Bleystift“, aber mit spürbar großer Innigkeit formulierten Brief geschrieben hat. Eine besondere Beziehung verband ihn auch mit seinem Neffen Karl, um dessen Vormundschaft Beethoven vergeblich kämpfte und diese Niederlage mit bitteren Worten kommentierte:

...da aber dies der Letzte Versuch, meinen Neffen zu retten, ist, so lasse ich mir um dessentwillen diese Demütigung gefallen...“ All das zeigt einen Menschen, der zwischen seiner Berufung zu gewaltigem Schaffen und widrigen Lebensumständen im Laufe seines Lebens mehr und mehr zerrissen wurde. Das konnte auch Graf Ferdinand Waldstein nicht ahnen, als er dem jungen Komponisten Ludwig van Beethoven anlässlich seiner Abreise von Bonn nach Wien im Stammbuch aufmunternd vermerkt hat: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart´s Geist aus Haydns Händen.

„Die Intimen bei Beethoven“: Anton Schindler usw. © Österreichische Nationalbibliothek
Nationalbibliothek Logo 250

Statistik