Kultur und Weindas beschauliche MagazinWeltmacht Liebe, Ausstellungsansicht WELTMACHT LIEBE Gebannt auf Papier und Pergament
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, befand Gott der Herr am sechsten Tag der Schöpfung. Adam und Eva waren somit das erste Paar einer von oben arrangierten Ehe. Wie es dabei um die Zuneigung gestanden ist, verrät die Bibel nicht; nur so viel: Sie erkannten erst, dass sie nackt waren, als sie von der Frucht des Erkenntnisbaumes genascht hatten. Das war der Moment, in dem Liebe und Sex aufgeflammt sind; als Mitgift bei der Vertreibung aus dem Paradies und damit gleichzeitig Beginn einer von den zahllosen Varianten des das Dasein beherrschenden Phänomens. Es findet sich auch in Begriffen, die auf den ersten Blick das Gegenteil bedeuten: Hass, Eifersucht, Wahn oder Mord, von der Gardinenpredigt nach dem Seitensprung bis zum Krieg zwischen ganzen Völkern. Gleichzeitig oszilliert die Liebe zwischen tiefen, warmen Gefühlen, vibrierender Erotik und harter Pornographie. Die Griechen haben drei ihrer positiven Möglichkeiten benannt. Sie unterschieden den sinnlichen Eros von der geistigen Philia, die u. a. im Philosophen überlebt hat, und der selbstlosen Agape, die von Institutionen wie der Caritas verwirklicht wird. Dieses Programm aus der Antike hat seine Gültigkeit also bis heute bewahrt und darf als Wegweiser durch ein weites Feld bedeutungsvoller Begriffe dienen.
Nichts anderes wurde so oft besungen, beschrieben, gemalt und gezeichnet wie die Liebe. Das Kuratorenduo Katharina Kaska und Bernhard Fetz stand damit vor einem Problem. Nahezu jeder Griff in eines der in der ÖNB verwahrten Bücher bot einschlägiges Material für die Ausstellung „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ (bis 1. November 2026 im Prunksaal). Sie entschieden sich für einen wahrhaft weiten Bogen von den Schöpfungsmythen bis zur Gegenwart. So wird gleich zu Beginn mit der sogenannten „Lilienfelder Bibel“, einer Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, eine Sensation geboten, neben dem Beginn von Platons Symposion aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. Von Michel de Marolles wird auf einem Druck aus 1655 im nächsten Kapitel erzählt, wie Narziss seine eigene Schönheit entdeckt, was Anfang des 20. Jahrhunderts Sigmund Freud „Zur Einführung des Narzißmus“ und damit zur Untermauerung seiner psychoanalytischen Theorie angeregt hat. (Titelblatt der Ausgabe im International Psychoanalytischen Verlag).
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