Kultur und Wein

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Weltmacht Liebe, Ausstellungsansicht

Weltmacht Liebe, Ausstellungsansicht

WELTMACHT LIEBE Gebannt auf Papier und Pergament

Krumauer Bilderkodex, Armenbibel, Handschrift, Pergament

Krumauer Bilderkodex, Armenbibel, Handschrift, Pergament

Die in Vitrinen geordnete Übersicht über die Nr. 1 der zwischenmenschlichen Beziehungen

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, befand Gott der Herr am sechsten Tag der Schöpfung. Adam und Eva waren somit das erste Paar einer von oben arrangierten Ehe. Wie es dabei um die Zuneigung gestanden ist, verrät die Bibel nicht; nur so viel: Sie erkannten erst, dass sie nackt waren, als sie von der Frucht des Erkenntnisbaumes genascht hatten. Das war der Moment, in dem Liebe und Sex aufgeflammt sind; als Mitgift bei der Vertreibung aus dem Paradies und damit gleichzeitig Beginn einer von den zahllosen Varianten des das Dasein beherrschenden Phänomens. Es findet sich auch in Begriffen, die auf den ersten Blick das Gegenteil bedeuten: Hass, Eifersucht, Wahn oder Mord, von der Gardinenpredigt nach dem Seitensprung bis zum Krieg zwischen ganzen Völkern. Gleichzeitig oszilliert die Liebe zwischen tiefen, warmen Gefühlen, vibrierender Erotik und harter Pornographie. Die Griechen haben drei ihrer positiven Möglichkeiten benannt. Sie unterschieden den sinnlichen Eros von der geistigen Philia, die u. a. im Philosophen überlebt hat, und der selbstlosen Agape, die von Institutionen wie der Caritas verwirklicht wird. Dieses Programm aus der Antike hat seine Gültigkeit also bis heute bewahrt und darf als Wegweiser durch ein weites Feld bedeutungsvoller Begriffe dienen.

Wolfgang Amadeus Mozart, „Don Giovanni“ Klavierauszug Hamburg, 1801–1803

Wolfgang Amadeus Mozart, „Don Giovanni“ Klavierauszug Hamburg, 1801–1803 © Österreichische Nationalbibliothek

Weltmacht Liebe, Ausstellungsansicht

Weltmacht Liebe, Ausstellungsansicht

Nichts anderes wurde so oft besungen, beschrieben, gemalt und gezeichnet wie die Liebe. Das Kuratorenduo Katharina Kaska und Bernhard Fetz stand damit vor einem Problem. Nahezu jeder Griff in eines der in der ÖNB verwahrten Bücher bot einschlägiges Material für die Ausstellung „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ (bis 1. November 2026 im Prunksaal). Sie entschieden sich für einen wahrhaft weiten Bogen von den Schöpfungsmythen bis zur Gegenwart. So wird gleich zu Beginn mit der sogenannten „Lilienfelder Bibel“, einer Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, eine Sensation geboten, neben dem Beginn von Platons Symposion aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. Von Michel de Marolles wird auf einem Druck aus 1655 im nächsten Kapitel erzählt, wie Narziss seine eigene Schönheit entdeckt, was Anfang des 20. Jahrhunderts Sigmund Freud „Zur Einführung des Narzißmus“ und damit zur Untermauerung seiner psychoanalytischen Theorie angeregt hat. (Titelblatt der Ausgabe im International Psychoanalytischen Verlag).

Kein Happy End gibt es für Tristan, der in einer Handschrift aus Pergament von Gottfried von Straßburg aus dem Beginn des 14. Jh. ebenso von Liebesleid betroffen ist wie die Königin Dido, die sich nach der Zurückweisung durch Äneas auf dem Gemälde von Andreas Geiger im Liebeswahn das Schwert in die Brust stößt. Ebenfalls letal enden „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe, vertreten mit dem Titelblatt aus 1774. Der Vertreter für Liebe und Verführung schlechthin ist Don Juan, oder Don Giovanni, dem Wolfgang Amadé Mozart und Lorenzo das Ponte das wohl bekannteste Denkmal gesetzt haben. Im Sinne christlicher Nächstenliebe bettelt ein Plakat der Caritas-Haussammlung um Spenden, bis sich schließlich in einem der Schaukästen mit der Erstausgabe von „Liebelei Walzer“ Arthur Schnitzlers ambivalente Auffassung von Liebe zeigt. Für das Publikum gibt es zusätzlich Hörstationen in einer ansprechenden Auswahl von Tonaufnahmen (z. B. Christoph Willibald Gluck mit „Orfeo ed Euridice“, Franz Schuberts Winterreise, Gedichte von Ernst Jandl oder Friederike Mayröcker), die es zu diesem unerschöpflichen Thema nachhören kann.

Orpheus und Eurydike in: Boethius, De consolatione philosophiae Westfrankreich, 3. Viertel 15. Jh.

Orpheus und Eurydike in: Boethius, De consolatione philosophiae Westfrankreich, 3. Viertel 15. Jh. © Österreichische Nationalbibliothek

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