Kultur und Weindas beschauliche MagazinSimon Stockinger, Clara Mills-Karzel, Dennis Hupka, Veronika Hörmann, Fabian Kaiser, Ballett und Chor © Werner Kmetitsch, Oper Graz ON THE TOWN Liebe für einen Tag in New York City
1944 fand die Uraufführung von „On the Town“ in New York statt. Der Weltkrieg war auch in den USA zu spüren, deren Jungs in Europa gegen die Deutsche Wehrmacht kämpften. Die Menschen hatte Sehnsucht nach leichtem Amüsement, nach Ablenkung von den täglichen Frontberichten in den News. Was lag näher, als diese Helden weit ab vom martialischen Geschehen vor den Vorhang zu holen? Das Autorenduo Betty Comden und Adolph Green entschied sich für drei Matrosen der US-Navy, die einen Tag Urlaub bekommen, um durch New York zu streifen. Wenn junge Männer nach Wochen auf hoher See auf Land treffen, müssen Mädchen her. Erstaunlicherweise finden sich willige junge Damen, von denen eine sogar die regierende „Miss Underground“ für den Monat Juni ist. Es entwickeln sich turbulente Liebesgeschichten mit allem Drum und Dran an durchaus unernsten Problemen, die jedoch abrubt ihr Ende finden, als die unternehmungslustigen Eintagsfliegen wieder an Bord zurückkehren müssen.
Wäre da nicht ein genialer Komponist, der sich dieses Stoffes angenommen hat, würde kein Hahn mehr nach diesem Stück krähen. Doch Leonard Bernstein hat in seiner typischen Mischung aus symphonisch und jazzig ein faszinierendes musikalisches Gemälde des Big Apple geschaffen, mit Songs, deren lockerer Inhalt nur schwer mit der ernsthaften Orchesterbegleitung mithalten kann. Was aber unerheblich ist, wenn man von den Grazer Philharmonikern unter Stefan Birnhuber mit einem stimmkräftigen und spielfreudigen Solistenensemble und einer mitreißenden Tanzperformance (Ballett Graz, Choreographie: Danny Costello) in das New York der 1940er-Jahre entführt wird. In der Oper Graz wurde diese „Musicalkomödie in zwei Akten“ von Felix Seiler mit dem Bühnenbild von Darko Petrovic höchst anschaulich und vor allem mit einer dicken Portion Humor inszeniert. Man ist begeistert mit dabei, wenn sich das Treiben von der U-Bahn durch die Schluchten zwischen den Wolkenkratzern Manhattans bis zu den angesagtesten Tanzclubs bewegt. Sogar die Carnegie Hall und das Natural History Museum werden besucht; wobei man sich allerdings fragt, was drei auf Aufriss befindliche Seeleute in solch heil´gen Hallen zu suchen haben.
Gabey (Simon Stockinger), Chip (Dennis Hupka) und Ozzie (Fabian Kaiser) treten um sechs Uhr morgens ihren Landgang an. Gabey verliebt sich auf der Stelle in die Miss U-Bahn, besser gesagt in das Plakat, das Ivy Smith (Maria Joachimstaller) zeigt. Die drei machen sich in ihren schmucken Matrosenanügen (Kostüme: Sarah Rolke) auf die Suche nach der Schönen; mit unterschiedlichem Erfolg. Chip wird von der eben gefeuerten Taxifahrerin Hildy Esterhazy (Clara Mills-Karzel) in deren WG mit der verschnupften Lucy Schmeeler (Dominika Błażek) abgeschleppt.
Anna Brull, Matthias Koziorowski, Petr Sokolov, Mareike Jankowski, Peter Oh in Venedig © Werner Kmetitsch LES CONTES D´HOFFMANN Vier Regie-Ideen für einen Poeten
E. T. A. Hoffmann hat uns den Weg in eine abseitige Welt aufgetan, die man mit wohligen Gruseln allzu gerne betritt. Der Dichter, an sich der Deutschen Romantik zugeordnet, hatte viele Talente. So war er u. a. Jurist, Komponist, Kapellmeister und Karikaturist. Aber als Genie war er auch ein Geplagter, der seine schrägsten Ideen angeblich dem Vollrausch verdankte. Er lehnte sich gegen Obrigkeiten auf und er, so will es die Fama, war stets auf der vergeblichen Suche nach der idealen Liebe. Drei seiner literarischen Werke (Der Sandmann, Rat Krespel, Die Abenteuer der Sylvesternacht) fanden schließlich Eingang in ein französisches Bühnenstück, das dem kongenialen Jacques Offenbach in die Augen gestochen ist und zu einer der populärsten Opern der Musikgeschichte inspiriert hat, deren Erfolg der Komponist leider nicht mehr erleben durfte. Es sind stets Begegnungen mit Frauen (Künstlerin, das junge Mädchen, die Kurtisane), die Hoffmann an den Rand des Irrsinns bringen. Vor dem jeweils darin lauernden Verhängnis rettet ihn verlässlich die Muse, für den Dichter ein Neutrum, die aber in treuer Liebe zu ihm hält.
Im Opernhaus der Stadt an der Mur hat man in Koproduktion mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf eine reizvolle Herausforderung für das Publikum auf die Bühne gestellt. Mit Vorspiel und Epilog sind es fünf Akte, die jeweils ein anderes Regiekonzept aufweisen. Nach den ersten Takten des Orchesters unter der Leitung von Johannes Braun setzt sich Hoffmann an ein Schreibpult, trinkt einen kräftigen Schluck Wein, während La Muse (Andżelika Wiśniewska) mit leiser Eifersucht ihre Gedanken zu dessen neuen Schwarm, der Sängerin Stella (Ann-Kathrin Adam), mit ergreifendem Sopran kundtut. Das Volk will die Geschichte von Klein Zack hören, während der alte Lindorf (in mehreren Rollen überzeugend: Bariton Petr Sokolov) seine Ansprüche auf die Primadonna äußert. Regisseur Tobias Ribitzki belässt diese Szene vor dem Vorhang, der sich erst zur Begegnung mit Olympia öffnet. Die britische Theatergruppe 1927 hat für den grandiosen Koloratursopran Tetiana Zhuravel eine überwältigende Videokulisse geschaffen, in der gekonnt zwischen realen Menschen und Projektionen geswitcht wird. Coppélius hat für Hoffmann eine Art VR-Brille geschaffen, die diesem die mechanische Frau lebendig erscheinen lässt. Gastgeber dieses Festes ist der Physiker Spalanzani (Mario Lerchenberger), der jedoch hinnehmen muss, dass der betrogene Coppélius sein Wunderwerk in die Luft sprengt und Hoffmann um seine Geliebte bringt.
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