Kultur und Weindas beschauliche MagazinOpulente Bühne (Kirche Sant´Andrea della Valle) © wearegiving TOSCA Herrliche Musik zu politischen Wirren
Napoleon hatte Ende des 18. Jahrhunderts Europa bereits mit seinen Eroberungskriegen blutig überzogen. Auch der Kirchenstaat und damit Rom waren in seine Hände gefallen. Interessanterweise war damit eine eher positive Wendung eingetreten. In der Stadt wurde eine Republik errichtet. Sie hielt aber nur, bis eine verlorene Schlacht der Franzosen wieder monarchistische Zustände erlaubte. In diesem engen Zeitfenster bis zum nächsten Sieg Napoleons und der damit verbundenen Unsicherheit haben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica die Handlung der Oper „Tosca“ angesetzt. Gut 100 Jahre später, am 14. Jänner 1900, feierte Giacomo Puccini im Teatro dell´Opera di Roma einen seiner bis heute anhaltenden Erfolge, mit einer wahrhaft gewaltigen Komposition, die mächtige Emotionen und das politische Treiben in Rom gleichermaßen genial beschreibt. Der ehemalige Römersteinbruch in St. Margarethen ist eine natürliche Kulisse, die dank opulenter Ausstattung bereits seit Jahren Opernfreunde und solche, die es dort werden könnten, in Scharen anzieht. Für „Tosca“ wurde der erfahrene Regisseur Thaddeus Strassberger engagiert. Er setzte auf die Kirche Sant´Andrea della Valle als den geeigneten Ort, um mit einigen wenigen Requisiten wie einen Billardtisch für den Palazzo Farnese, zerbrochenen Bilderrahmen als Zeichen der kriegsbedingten Zerstörungen oder einen von der am Felsen postierten Kanone abgeschossenen Engel das dramatische Geschehen sichtbar zu machen. Seltsam ist die Überfrachtung mit religiös-katholischen Andeutungen, die als solche von weniger kirchennahen Personen erst erkannt werden wollen. Wenn durch Öffnen der Kirchentür am Ende die helle Pracht des Himmels die Augen blendet, wird sogar Florias üblicher Sturz von der Engelsburg in eine Apotheose der Sängerin umgedeutet. Dass damit ein eigenwilliges Finale geschaffen wird, liegt in der Tradition des Steinbruchs. Schon bei Aida sterben die Protagonisten in grellem Licht statt in einer finsteren Grabkammer, während ein Seiltänzer mit goldener Flatulenz die Aufmerksamkeit auf sich zieht, und beim Fliegenden Holländer eilt Senta seitwärts aus der Szene und überlässt den vom Fluch erlösten Kapitän seinem Schicksal. Der Begeisterung des Publikums können derlei Eigenmächtigkeiten keinen Abbruch tun. Es feierte wie auch in den vergangenen Jahren die Produktion mit Jubel und Standing Ovations. Immerhin steht mit Valerio Galli ein Italiener und Spezialist für Puccini am Pult des Residenzorchesters, dem er einen möglichst authentischen Klang entlockt und die Solopartien entsprechend gefühlvoll begleitet. Die Dimensionen dieser Bühne können freilich nur mit einer guten Tonanlage bewältigt werden, weshalb es schwierig ist, die einzelnen Stimmen kritisch zu beurteilen. Gut gemacht haben ihre Auftritte jedenfalls der von Walter Zeh hervorragend einstudierte Philharmonia Chor und die erstmals eingesetzten Gumpoldskirchner Spatzen als reizender Kinderchor im Te Deum.
Die Kulisse im romantischen Abendlicht am Beginn der Vorstellung DER FLIEGENDE HOLLÄNDER Mega Show des nautischen Geisterfahrers
Die Geschichte des verdammten Kapitäns, den nur die Liebe einer Frau vor ewigem Herumirren auf den sieben Weltmeeren retten kann, ist eine der populärsten Opern von Richard Wagner. Allein das verwunschene Schiff mit blutroten Segeln, schwarzen Masten und einer toten Mannschaft bringt Schaudern ins Publikum. Dazu kommt eine bitter süße Love Story mit einem verschmähten Bräutigam und dem dramatischen Tod der beiden Protagonisten. Die Handlung ist feinstes Seemannsgarn, das in vollen Chören von Matrosen und auf deren heile Heimkehr wartenden Jungfrauen erzählt wird. Eingepackt ist das Ganze in eine für Wagnerische Verhältnisse ungemein zugängliche Musik, die allein in den orchestralen Teilen gewaltige Spannung erzeugt, abgesehen vom Gesang, der ein Solistenensemble zwischen stimmlicher Wucht und romantischen Kantilenen sein ganzes Können ausspielen lässt. All das waren gute Gründe für Intendant Daniel Serafin, sich heuer über dieses Stück zu wagen. Für einen Regisseur wie Philipp M. Krenn muss eine solche Inszenierung ein Traum sein, zumal der Schauplatz höchst außergewöhnlich ist. Der Römersteinbruch von St. Margarethen im Burgenland birgt von sich aus genügend Möglichkeiten, diese Oper gemeinsam mit Bühnenbildner Momme Hinrichs als gewaltiges Spektakel umzusetzen. Ein norwegisches Dorf ist recht einfach in die felsigen Wände zu bauen. Darunter tobt das Meer in hohen statischen Wellen, die mittels Projektionen von der Flaute bis zum Sturm bewegt werden können. Seitlich taucht aus den Wasserbergen bald schon das Geisterschiff auf, allerdings etwas schüchtern. Seine Segel sind zerrissen und mit einem Loch im Rumpf erscheint es mehr als ramponiert. Vielleicht hält es sich deswegen ganze Zeit bis zur Hälfte versteckt. Bei der makabren Show der toten Matrosen, einem der Höhepunkte dieser Oper, versinkt damit einiges an Wirkung in der Brandung. Seltsam umgesetzt ist auch die Erlösung des Holländers. Er befindet sich am Bug des zur Abfahrt bereiten Wracks. Im Wasser stehend versucht Senta an einem Seil mit eindringlichem Gesang dem Kapitän ihre Liebe bis zum Tod klar zu machen. Aber anstelle sich zwecks gemeinsamen Sterbens ins Meer zu stürzen, läuft sie in die andere Richtung davon. Während sie zwischen den Wellen verschwindet, stürzt vom Leuchtturm ein brennender Stuntman herab und lässt die gesamte Szenerie, einschließlich des Meeres, in einem Großbrand entflammen. Der fliegende Holländer, Szenenfoto aus dem dramatischen Finale © wearegiving Soweit die Tonanlage eine Beurteilung zulässt, leistet Dirigent Patrick Lange mit dem Piedra Festivalorchester solide Arbeit. Gut, in den ersten Takten der Ouvertüre vermeint man in einem Schnellboot durch die Brandung zu sausen, was sich aber bereits in der Sentaballade zu einem gemächlichem Tempo ändert und mit dem Thema des Matrosenchores seine Richtigkeit gefunden hat. Die Premierenbesetzung: Liang Li verkauft als Daland mit schönem Bass und leichtem Herzen seine Tochter; kein Wunder angesichts der Schätze, die aus dem Loch des Geisterschiffes schimmern. AJ Glueckert rennt mit einem Blumenstrauß vergeblich seiner Braut nach.
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