Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Oscar Marin (Cavaradossi) © Reinhard Podolsky

TOSCA Sex & Crime in der Garser Engelsburg

Lada Kyssy (Tosca), Oscar Marin (Cavaradossi) © Reinhard Podolsky

„E lucevan le stelle“ am Waldviertler Nachthimmel

Wo sonst kann man bei der Arie „E lucevan le stelle“ gen Himmel blicken und tatsächlich Sternderl schau´n? Wenn das nicht Romantik pur ist, was Oper Burg Gars heuer mit Tosca bietet!? Man vergisst bei dem Schmelz von Oscar Marin, der den Cavaradossi singt, ganz darauf, dass es sich um eine tiefe Klage handelt, um die Sehnsucht nach Leben, das ihm bei der bevorstehenden Hinrichtung herausgeschossen werden soll. Die Sängerin Tosca, seine Geliebte taucht kurz danach auf und versucht ihm Hoffnung zu machen. Lada Kyssy ist eine beinahe schon kitschig ideale Verkörperung der Kollegin aus Rom um 1800. Kyssy ist eine schöne Frau, füllt mit ihrem Sopran spielend die doch akustisch schwierige Szene und beweist sich nebenbei noch als tolle Schauspielerin, wenn sie am Anfang Mario eine Eifersuchtsszene hinlegt, die sich gewaschen hat, aber gleichzeitig mit ihrem geliebten Maler auf Teufel komm raus flirtet, damit er die Augen der Schönen auf dem Marienbild schwarz wie die ihren malt, und keinen Zweifel daran offen lässt, dass sie mit ihm die Nacht im Bett seiner Villa verbringen will.

Lada Kyssy (Tosca) © Reinahrd Podolsky

Man spürt die Leidenschaft, wozu nicht unwesentlich das Orchester unter Johannes Wildner beiträgt. Er setzt Giacomo Puccinis Klangwelt mit den jungen Musikern der Klangvereinigung Wien als Orchester der Oper Burg Gars in beeindruckender Weise um. Der Dirigent entfacht Stürme geradeso wie Liebesschmerz und verrät mit mächtig tiefem Blech die verhängnisvollen Absichten der nicht wenigen finsteren Gestalten, die dem Glück von Tosca und Cavaradossi im Wege stehen.

Michele Kalmandy (Scarpia) © Reinhard Podolsky

Schuld an der Misere ist sicher in erster Linie der tyrannische Polizeichef Scarpia, dem als Einspringer Michele Kalmandy alle Bösartigkeit der Welt mitgibt. Mit kraftvollem Bariton outet er sich als Freund erotischer Gewalttaten. Er kann weder Gitarre spielen, noch mag er das Licht des aufgehenden Mondes und kann sich mit Blumenorakel nichts anfangen. Erst wenn es weiblichen Widerstand zu brechen gilt, dann ist er erregt und muss damit an Tosca scheitern, da sie ihn vor der Vergewaltigung ersticht.

Nicht ohne ihm ein „Questo è il bacio di Tosca“ in den Tod mitzugeben und dem Dahingeschiedenen mit einem verächtlichen „E avanti lui tremava tutta Roma“ – „Und vor ihm zitterte ganz Rom“ ein Kreuz auf die Brust zu legen. Das Ende des zweiten Aktes erhebt ein Regieeinfall zum Erlebnis. Ein riesiges Leichentuch, von den Garser Bürgern mit roter Farbe blutig gefärbt, wird über ihn gebreitet. Wolfgang Gratschmaier hat in seiner Inszenierung keinerlei Experimente angestellt, sondern diese Oper ganz einfach in das alte stimmungsvolle Gemäuer gestellt, das mit wenig Aufwand das Publikum in die Kirche Sant´Andrea, in den Gerichtssaal Scarpias und in die römische Engelsburg mit dem hübsch singendem Pastorello Katharina Tschakert als bewaffneten Engel führt.

 

In die wahre Bredouille bringt Cavaradossi sein Freund Angelotti (Vasile Chișiu), der zuerst durch die Zuschauerreihen hetzend zum Maler in die Kirche flüchtet. Als politischer Gefangener ist er aus der Engelburg ausgebrochen und versteckt sich auf Anraten Cavaradossis bei dessen Villa.

Er ist der erste von den vier Toten, die dieses nach historischen Begebenheiten von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica geschriebene Libretto als eine rechte Raubersg´schicht enden lassen. Wie Wildner bei einer kurzen Einführung schon sagte, handelt es sich um Sex & Crime, das mit wunderschöner Musik, mit bestens geführten Massenszenen von Klosterschwestern, Bischöfen und Fußball spielenden Ministranten auch heuer beweist, warum es angeraten ist, in der Burg Gars jedes Jahr erfolgreich Oper zu spielen.

Tosca mit MIinistranten, die Fußball spielen © Reinhard Podolsky
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