Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Bühnenbild zur Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 © Claudia Prieler

FIDELIO Beethoven pur mit seinen hehren Botschaften

Herbert Lippert (Florestan), Magdalena Renwart (Leonore) © Claudia Prieler

Die schönste Hymne auf Gattenliebe, Menschlichkeit und Freiheit

Wer je in der Burg Gars eine Oper erlebt hat, den plagen, wenn es um Fidelio geht, bereits vorher die wildesten Vorstellungen. Das alte Gemäuer bietet sich naturgemäß als düsteres Gefängnis an. Dass in der Inszenierung von Stephan Bruckmeier die Gefangenen nicht aus unterirdischen Verließen heraufweben, sondern in den hellen Räumen mit den vergitterten Fenstern im ersten Stock malträtiert werden, ist nur im ersten Moment eine Enttäuschung. Man hat das Problem, was grausame Despoten mit zumeist unschuldigen Menschen so aufführen, nämlich immer vor Augen, auch wenn um einen appetitlich gedeckten Tisch der Kerkermeister Rocco (ein prächtig väterlicher Bass: Paul Gay) seine Tochter Marzelline (kräftig und resolut: Caroline Wenborne) mit dem hübschen und netten Fidelio ganz bürgerlich verloben will. Ian Spinetti muss als armer Jaquino dabei zuschauen. Er weiß genauso wenig wie die anderen im Gefangenenhaus, dass hinter dem Burschen eine Frau steckt, Leonore (Magdalena Renwart), die auf der Suche nach ihrem Gemahl Florestan ist und sich dafür als Mann verkleidet hat.

Wilfried Zelinka (Pizarro), Paul Gay (Rocco) © Claudia Prieler

Bis diese aber zu ihm, den in Ketten gelegten, aber umso kraftvoller singenden Herbert Lippert, in die grausame Tiefe vordringen kann, vergeht einige Zeit, die bieder mit familiärem Geplänkel vertrieben wird. Wären da nicht die stets präsenten Häftlinge, man könnte glatt vergessen, dass es Beethoven um hohe Ideale gegangen ist, als der diese Oper komponiert hat. Hörbar werden solche erst mit dem Chor der Gefangenen, die an einem sonnigen Tag auf Fidelios Anregung hin ins Freie dürfen und – O welche Lust! – das Licht des Tages in einer ergreifenden Melodie genießen. Dabei ist zumindest mir der 1. Gefangene Duje Stanišić mit einem beachtlich strahlenden Tenor aufgefallen. Die Herren des Chors der Oper Gars sind von Roger Díaz-Cajamarca bestens einstudiert, wenn sie sich als körperliche Wracks über die Bühne schleppen und dabei wunderschön singen.

Caroline Wenborne (Marzelline), Ian Spinetti (Jaquino)

Johannes Wildner, seines Zeichens Babenberger-Burg-Musikant, genießt mit seinem Musikern (Klangvereinigung Wien, Orchester der Burg Gars) die friedliche Zeit, die seinen inhaftierten Schützlingen gegönnt ist. Harmonie ist alles! Deswegen wird auch vorweg mit einem Ausschnitt aus der C-Dur Messe Beethovens die Goldene Hochzeit von Leonore und Florestan gefeiert. Es braucht niemand mehr zu fürchten, dass der böse Don Pizarro (ein schneidiger Bariton: Wilfried Zelinka) gewinnen könnte,

weil das Trompetensignal vom Turm her und Minister Don Fernando (Yasushi Hirano) eventuell zu spät kommen. Wenn gegen Ende die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 mit einem spannenden Buchstabenspiel aus den Gitterstäben des Kerkers vom Chor und den wackeren Statisten vertieft wird, um auch dem letzten Ignoranten klar zu machen, worum es bei Fidelio geht, also um Liebe, Freiheit und Menschlichkeit, sollte keine Frage mehr unbeantwortet bleiben.

So besehen ist die Ode an die Freude aus der 9. Symphonie nur mehr eine raffinierte Zugabe, um das Publikum zu Standing Ovations von den Sitzen zu reißen. Der Applaus bei der Premiere am 18. Juli 2019 war also verdient. Es gibt keine unnötigen Experimente, beispielsweise bei den Kostümen (Gerlinde Höglhammer), die solid in der längst vergangenen Zeit dieser Handlung angesiedelt sind und allein mit der zeitlosen Musik von Ludwig van Beethoven gedankenvolle Gegenwart erschaffen.

Paul Gay (Rocco), Magdalena Renwart (Leonore), Wilfried Zelinka (Pizarro) © Claudia Prieler
Oper Burg Gars Logo 2019

Statistik