Kultur und Wein

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 Ferdinand Georg Waldmüller, Die Ruinen des griechischen Theaters von Taormina mit dem Ätna,

Ferdinand Georg Waldmüller, Dias griechische Theater von Taormina1844 LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

FERDINAND GEORG WALDMÜLLER

Natur im Auge eines Biedermeiermalers

Ausstellungsansicht, F. G. Waldmüller Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht, F. G. Waldmüller © Johannes Stoll / Belvedere,

Bilder für die bürgerliche Sehnsucht nach einer neu entdeckten Schönheit der Landschaft

Dieser Künstler ist nach 200 Jahren noch immer ein Star, der die Menschen auf unglaublich intensive Weise anspricht. Geboren wurde Ferdinand Georg Waldmüller 1793 in Wien. Nach Abschluss des Studiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien arbeitete er unter anderem als Dekorationsmaler in Zagreb, heiratete 1814 und kehrte mit Frau und drei Kindern 1817 nach Wien zurück. Das Familienglück hielt nicht lange. 1822 wurde geschieden und elf Jahre danach erfolgte die endgültige Trennung, In diese Zeit fällt die wundersame Wandlung des Gebrauchsmalers zum progressiven Realisten, der sich von akademischen Vorgaben und historischen Sujets löste. Er holte sich die Motive aus seiner unmittelbaren Umgebung, in den Praterauen, im Salzkammergut und im Süden Italiens. Neben der Schönheit der ihm gebotenen Landschaften nahm Waldmüller auch die Menschen wahr, in biedermeierlicher Lebensfreude gleichwie im sozialen Elend, und setzte alle diese Aspekte in seinen bekannt „wirklichkeitsnahen“ Gemälden um.

 Jean-Baptiste Camille Corot, Der Nemisee, 1843  Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Jean-Baptiste Camille Corot, Der Nemisee, 1843 Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

 Ferdinand Georg Waldmüller, Berglandschaft mit der Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1859

Ferdinand Georg Waldmüller, Berglandschaft mit der Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1859 LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz – Vienna

1830 entstehen die ersten Praterlandschaften. Mit Kleinformaten, in denen knorrige Baumriesen im späten Licht ganz groß auf Atmosphäre spielen, beginnt auch die Ausstellung in der Orangerie des Belvedere. Unter dem Titel „Ferdinand Georg Waldmüller. Nach der Natur gemalt“ (bis 14. Juni 2026) wird der Schwerpunkt auf diese Thematik gelegt. Umgesetzt wurde die Schau von Kuratorin Arnika Groenewald-Schmidt. Sie betont an sich die Vielseitigkeit des Malers als Porträt-, Genre- und nicht zuletzt erfolgreichen Landschaftsmaler. Mit einer gezielten Auswahl der Werke richtet sie den Blick des Publikums jedoch auf Berge, Seen, Wälder oder die Gluthitze in mediterranen Gegenden, die ab der ersten Hälfte des 19. Jh. als Traumziele des erstarkten Bürgertums bereist wurden. Unter den Überschriften „Die Natur rückt in den Fokus“, „Tradition und Innovation“, „Identifikation mit der Landschaft“, „Kunst und Tourismus“, „Das Licht des Südens“ und „Lichtmalerei und Genre“ wird System und entsprechende Information zum Schaugenuss geboten.

Der Wiener Präsentation wird noch im kommenden Sommer eine Ausstellung in der National Gallery in London folgen, die unter dem gleichen Gesichtspunkt den Gemälden von Ferdinand Georg Waldmüller (übrigens zum ersten Mal auf der Insel) den Briten die schuldige Bewunderung abringen wird. Im Gegenzug sind im Belvedere Vertreter des damals europaweiten Trends zur realistischen Naturauffassung vertreten. So wurde vom Engländer John Constable die Salisbury Cathedral am River Avon unter dramatischem Himmel neben Werken von Jean-Baptiste Camille Corot, dem Hauptvertreter der aus den ähnlichen Ideen entstandenen Schule von Barbizon, eingefügt (Avignon von Westen,1836, der Nemisee, 1843)  Um Zuspruch wird sich das Belvedere kaum Sorgen machen müssen, denn einem originalen Waldmüller gegenüberzustehen, ist nach wie vor ein tiefgreifendes Erlebnis, das kein Kunstfreund an sich vorbei gehen lassen möchte.

 Ferdinand Georg Waldmüller, Partie aus dem Prater, 1831  2017 Dauerleihgabe aus Privatbesitz

F. G. Waldmüller, Partie aus dem Prater, 1831 2017 Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

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