Kultur und Wein

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GLANZ UND GLORIA in der Manege und auf dem Teller

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Genussvolle Stunden, wenn Toni Mörwald in seinem Spiegelpalast zu Tisch bittet

Ariana Savlas hat Charme und zu ihrer tollen Stimme auch genügend Temperament. Die Amerikanerin mit griechischen Wurzeln versteht es so richtig, das Wiener Publikum um den Finger zu wickeln, wenn sie mit reizend englisch gefärbtem Deutsch eine Liebeserklärung an Österreich abgibt. Ihr Auftritt im Glitzerkleid ist bereits Programm. Die neue Spielzeit des Palazzo Wien (bis 10. März 2019 im Spiegelpalast im Wiener Prater) steht unter dem Motto „Glanz und Gloria“. Toni Mörwald hat damit ein perfekt zu Wien passendes Programm erarbeitet, denn, so der Meisterkoch: „Diese Stadt definiert sich ebenso über ihre Prachtbauten, Kaffeehäuser und die Kaiserromantik wie durch das pulsierende Flair und die multikulturelle Vielfalt einer modernen Metropole.“ Die Künstler, also Artisten und Musiker, sind internationale Größen ihres Fachs, deren Darbietungen ein viergängiges Menü aus Tradition und Moderne umrahmen. Das einleitende Kaviarei ist nach Wiener Art gebacken und wird auf Erdäpfelpüree serviert.

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Es folgt eine Safranschaumsuppe mit Sellerietascherl, bevor als Krönung eine zart gebratene Kalbskrone Reminiszenzen an die kaiserliche Küche erweckt. Was wäre Wien ohne Mehlspeis, die im Palazzo als Williamsbirnen-Tarte mit gefüllten Datteln auf Eierlikörschaum, garniert mit bodenständigem Einschlag, gemeint ist Waldviertler Mohn & schwarzem Johannisbeereis den süßen Schlussstrich hinter die kulinarischen Genüsse zieht.

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Für Herzklopfen sorgt der Brite Jon Young am Chinesischen Mast. Der junge Mann verbindet Artistik mit feiner Komik und genießt sichtlich den entsetzten Aufschrei des Publikums, wenn er kopfüber in die Tiefe stürzt, um sich knapp über dem Boden wieder abzufangen. Der Equilibrist Sascha Bachmann versteht es, mit Körperbeherrschung die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben. Wenn er auf einer Hand steht, würde man sich kaum wundern, wenn er auch auf diese Stütze verzichtet.

Einen sympathischen Kampf der Geschlechter tragen die Holländer Chris & Iris aus, wenn sie Hand-auf-Hand gegenseitiges Vertrauen mit kühnen Figuren paaren und dennoch nicht davon lassen können, sich in gegenseitigen Kommentaren zu necken. Hat Ramiro Vergaz Criado tausend Hände oder sind zwei so geschickt, auch mit sechs Keulen in rasendem Tempo jonglieren zu können? LJ Marles schwingt virtuos durch die Kuppel, wenn er mit Kunststücken auf dem von ihm selbst entwickelten Tension Straps faszinierte Blicke auf sich zieht.

Am Russischen Barren zeigt das Ensemble 15feet6 was mit Humor und Können an Balanceakten möglich ist. Für die Clownerie sorgen die beiden Artisten von Zahir Circo, die sogar einer klassischen Nummer wie dem magischen Spiegel neue Spaßaspekte entlocken. Die Begleitmusik kommt von den Prater Brothers, einer vierköpfigen Band aus vielseitigen Instrumentalisten, die auch während der Essenspausen selbstlos das Publikum mit ihrem gefälligen Repertoire an Songs und Wiener Schmäh unterhalten.

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