Kultur und Weindas beschauliche MagazinOrtner & Ortner, Manfred Wehdorn, Gesamtmodell des Museumsquartiers 1997 VISION UND WIDERSTAND Rückblick auf die Erfolgsgeschichte MQ
Der Titel zur Jubiläumsausstellung des MuseumsQuartiers klingt martialisch und will so gar nicht zum vielseitig anregenden Entspannungsfaktor dieser Anlage passen. Damit sich auch die jüngere Generation, die die heißen Auseinandersetzungen einfach noch nicht miterlebt haben, davon eine Vorstellung machen kann und die Älteren sich an die medialen Diskussionen erinnern, wird im MQ Freiraum von Andreas Nierhaus, einem auf Barock spezialisierten Kurator des Wien Museums, die schwere Geburt des heute 25 Jahre jungen Areals in Modellen, Zeitungsartikeln, TV-Ausschnitten, Architekturskizzen und mehr anschaulich gemacht. Wie kommt ein Experte für Bauten von Johann Bernhard Fischer von Erlach zu dieser Aufgabe? Ganz einfach: Ein guter Teil der noch bestehenden Gebäude wurde von diesem Hofarchitekten entworfen. In Sichtweite der Hofburg, am Rand des Glacis, befand sich damit der kaiserliche Marstall für 600 Pferde und 200 Karossen. Bauherr war Kaiser Karl VI., der jedoch nach dem Ableben Fischer von Erlachs nur einen Teil von dessen gewaltigen Plänen umsetzte. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwar noch einmal eine Erweiterung, mit 1918 waren Ställe und Remisen aber ohne Funktion. 1921 wurden die Baulichkeiten zum „Messepalast“ umgewandelt. 1945 lag ein guter Teil in Trümmern, was die für den 7. Bezirk zuständige amerikanische Militärmacht nicht hinderte, Sportveranstaltungen abzuhalten. Die barocken Prachtbauten wurden renoviert und boten sich in den 1950er- und 60er-Jahren für Konzerte, Bälle und nicht zuletzt für Publikumsmagneten wie die „Jochen Rindt Show“ an.
In den späten 1970er-Jahren erstarkte die Idee, den Ort zu einem Kulturareal weiter zu entwickeln. Bürgermeister Helmut Zilk träumte von einem „österreichischen Centre Pompidou“. Gemeint war damit ein Konzept, das die Kunst der Moderne und der Gegenwart, dazu eine Kunst- und Veranstaltungshalle und ein Medienzentrum beinhalten sollte. Ein Siegerprojekt wurde ermittelt. Laurids und Manfred Ortner hätten ein kraftvolles architektonisches Statement gesetzt, das jedoch eine der heftigsten Kontroversen der Zweiten Republik auslöste. Die Kronen Zeitung als selbsternannte Stimme des Volkes schrieb von einem „Museumsmonster“.
The Material Show, Ausstellungsansicht THE MATERIAL SHOW Wir bauen Häuser, wir tragen sie ab.
Die bunte Struktur des Fenster aus einem Jugendstilbau (Architekt: Ludwig Schöne, 1909) wird durch eine Dämmplatte aus Gips verdeckt. Andreas Fogarasi hat das Kleinod aus einem Abrissobjekt gerettet und gemeinsam mit der weißen Platte mit Stahlbändern zu einer Art Paket verschnürt. Damit ist die befremdlich anmutende Kombination Teil seines laufenden Projekts „Nine Buildings, Stripped“ geworden, das urbane Veränderungen durch den Fokus auf architektonische Oberflächen dokumentieren soll. Fogarasi ist Künstler und in der bis 31. Mai 2026 im MQ Freiraum gezeigten Ausstellung „The Material Show“ Kokurator neben Astrid Peterle. Im Mittelpunkt stehen Materialien, die unsere gebaute Umwelt tragen. Zwölf österreichische und internationale Kunstschaffende sind mit ihren Werken aus Beton, Stein, Holz, Metall und Glas vertreten und haben ihre Ideen zum ewigen Kreislauf von Bauen und Abreißen als geheimnisvolle Codes dreidimensional, als Video und im Foto umgesetzt. Die diesbezüglich Unbedarften verständliche Auflösung findet sich übrigens in einer praktischen und für den Besuch unentbehrlichen Broschüre.
LITTLE WARSAW (das ungarische Kollektiv: András Gálik, Bálint Havas) fängt mit einem den Raum beherrschenden Silikonguss die Aufmerksamkeit. Erst bei genauem Hinschauen entdeckt man über der Mitte den Abdruck eines nackten Soldaten, der verrät, dass es sich um das monumentale Portal eines in den 1920er-Jahren in Buda erbauten Offiziersheimes handelt. Ihm gegenüber leuchtet ein Kiosk in freundlicher Farbenpracht. Die in Charkiw (Ukraine) aufgewachsene Daria Koltsova klagt damit die Zerstörungen des Krieges an. „Angeboten“ werden postkartengroße Teile von Buntglasfenstern wie sie in sakralen Bauen zum Einsatz kommen. Sie werden, so die Künstlerin, zum Archiv der Heimat, das jeder flüchtende Mensch in sich trägt. Der österreichische Bildhauer Werner Feiersinger ist sowohl mit Fotografien von italienischen Architekturen als auch Skulpturen im Sinn der Minimal Art vertreten. Diese Arbeiten stehen mit ihrer strengen Ordnung im Gegensatz zu den verqueren Kombinationen aus alten Dachbalken und neuen Terrazzo Fliesen.
The Roots of Small Fires – Milica Živković Im Raum gegenüber präsentiert Milica Živković in ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Wien neu geschaffene Arbeiten. Motive von „The Roots of Small Fires“ begleiten die Künstlerin bereits seit einigen Jahren. Živkovićs Arbeiten entstehen aus dem komplexen Zusammenspiel persönlicher Erfahrungen und der politischen Realität des Balkans nach dem Ende der Kriege.
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