Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Schallaburg vom Schlossgarten aus gesehen

DONAU vom Delta flussaufwärts bis zur Schallaburg

Kilometer 0 im Renaissancehof der Schallaburg

Eine Reise zu Menschen, Schätzen & Kulturen an den Ufern des Stroms

Als das „Eiserne Tor“ 1972 durch ein Kraftwerk entschärft wurde, ist´s vorbei mit der Wanderung des Störs zu seinen Laichgewässern in Deutschland. Dabei handelt es sich nur um einen der negativen Effekte, die mit dem Absperren des Stroms verbunden sind. Mit dem Steigen des Wasserspiegels veränderten sich die natürlichen Verhältnisse, Menschen verloren ihren Siedlungsraum, sogar eine ganze Insel verschwand in den Fluten. Ada Kaleh war auf seine Weise prominent. Über Jahrhunderte wurde zwischen osmanischem Reich und der Donaumonarchie um diese Festung mitten im Strom gestritten. Für die Ausstellung auf der Schallburg hat Ahmet Engür, einer der letzten Bewohner, seine berührenden Erinnerungen vom Leben auf dieser seit 1923 in Rumänien liegenden türkischen Enklave erzählt.

Donauweibchen Lilly Steiner, 1934 © Artothek des Bundes (Foto: Belvedere, Wien, Johannes Stoll)

Umrahmt werden die Geschichten von Gerätschaft aus einem dortigen Kaffeehaus, von historischen Stichen, aktuellen Fotos und Filmsequenzen, um den Besucher die Fahrt durch diese einst gefährliche Passage miterleben zu lassen. An dieser Station ist er bereits ein sattes Stück flussaufwärts gereist, gefangen vom einzigartigen Ambiente des Renaissanceschlosses, das ab 1. Juni 2020 das Ende einer Fahrt auf der DONAU mit ihren Menschen, Schätzen & Kulturen markiert. Ihren Ausgang nimmt das Abenteuer geografisch am Schwarzen Meer und zeitlich in der Antike, als die Griechen in diesem gewaltigen, vom geheimnisvoll unbekannten Westen kommenden Fließgewässer den Gott Iστρος (Istros) verehrten. Eher gemütlich macht es sich auf zeitgenössischen Darstellungen Danuvius, der den Römern die Grenzen ihrer Expansionsbestrebungen zum wilden Barbarenland an seinem Nordufer aufzeigte. Geblieben ist der Donau über weite Strecken ihr Wesen als natürliche Grenze, die bis in die jüngste Vergangenheit blutig umkämpft und Schauplatz einer wechselvollen Geschichte war.

DONAU – Menschen, Schätze & Kulturen © Klaus Pichler

In zehn Etappen führt die Ausstellungsreise durch prägende Landschaften und bedeutende Städte entlang des Stroms. Im ersten Raum wird die Donau ausführlich vorgestellt. Man kommt bald dahinter, dass das Motto „Die Donau – eine Unbekannte“ nicht zu weit hergeholt ist. Wer könnte schon ad hoc aufzählen, wie viele Länder der mit seinen 2.800 Kilometern zweitlängste Fluss unseres Kontinents auf seinem Weg von West nach Ost berührt oder durchfließt. Ein Rekord ist der Donau jedoch nicht zu nehmen:

Kein Strom dieser Welt verbindet so viele unterschiedliche Länder, Sprachen und Mentalitäten wie sie. Stromkilometer 0 liegt in Sulina, ein rumänisches Städtchen, zu dem keine Straße führt. Der Anschluss an die Welt jenseits des Donaudeltas ist nur auf dem Wasserweg möglich. Die Fahrt auf einem Schiff zahlt sich allerdings mehr als aus, denn das Delta ist eines der größten und mittlerweile auch geschützten Naturparadiese, in dem noch der Pelikan, das Wappentier, neben einer unglaublichen Artenvielfalt an Vögeln und Fischen zu erleben ist. Heimatlich fühlen darf man sich in Russe. Dessen Altstadt erinnert frappant an Wien. Noch unter osmanischer Herrschaft orientierte man sich an der Kaiserstadt und genoss im 19. Jahrhundert einen unvergleichlichen Aufschwung, der feines Porzellan, Theateramüsement bis zur ersten Foto- und Filmkamera mit sich brachte.

Flussgott (Danuvius), Kopie © Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum

Weit zurück in die Vergangenheit bringt den Donaureisenden die Etappe 4. Sie führt von Orșova nach Vinča und dort zu steinzeitlichen Ausgrabungen, die von frühesten Besiedlungen dieses Raumes zeugen, aber auch von Handelsverbindungen auf dem Wasserweg vor 5000 Jahren. Sehr viel später stritten Sultan und Kaiser um jeden Flusskilometer. Prinz Eugen ist mit der Eroberung von Belgerad unsterblich geworden und wird auch in der Ausstellung entsprechend gewürdigt.

Noch aus den letzten Jahrzehnten sind Kriegsberichte präsent, wenn von Novi Sad die Rede ist, das als europäische Kulturhauptstadt 2021 vorgesehen ist. Die Vorbereitungen auf den Besucheransturm sind im Gange, den Blick auf eine hoffentlich weniger leidvolle Zukunft gerichtet. Mit etwas gutem Willen kann die Donau zum verbindenden „blauen Band Europas“ werden.

Kampfschiffe, wie sie in Modellen gezeigt werden, sollen darauf keinen Platz mehr haben. Die Trachten von Slowaken, Ruthenen, Serben oder Donauschwaben mögen sich in Äußerlichkeiten unterscheiden, aber nicht die Einstellung in deren Köpfen. Wenn es manchem Potentaten der durchreisten Länder auch schwer fällt einzusehen, dass die Donau mehr Verbindung als Grenze ist, so kann diese Ausstellung doch einen wesentlichen Beitrag zu einer neuen Sicht der Nachbarschaft leisten.

DONAU – Menschen, Schätze & Kulturen Ausstellungsansicht © Klaus Pichler
Schallaburg Logo quer 600

Statistik