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Gewinnspiel

 

Es öffnet sich ein Mail. Name und Adresse einsetzen und abschicken. Die Gewinner werden am 6. Mai 2019 ermittelt. Die Tickets werden per Post zugesandt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Hand als Hauptthema der Ausstellung 2019

DER HÄNDE WERK als Liebeserklärung an die Hände

Handskulptur im Hof der Schallaburg

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des „goldenen Bodens“

Heinrich Hetzer sitzt am Webstuhl und lässt vor den Augen staunender Besucher eine kompliziert gemusterte Seidentapete entstehen. Die Arbeit ist beschaulich und lässt dem „Weber“ Zeit zum Reden. Auch das Werkzeug, den Webstuhl hat er selbst gebaut, als es darum ging, genau nach alten Anweisungen die über die Jahre ramponierten Tapeten des Rudolfzimmers in Schönbrunn neu zu machen. Ob das Maschinen genauso gut erledigen könnten? Vielleicht. Aber diese Stoffe, die hier entstehen, sind exzellente Handarbeit und damit würdig, in historischen Räumen die Wände zu zieren. Diese Station der Ausstellung „Der Hände Werk“, die heuer in der Schallaburg bis 3. November 2019 zu erleben ist, zählt mit Sicherheit zu den am tiefsten beeindruckenden Beispielen einer Kulturtechnik, die wir kurz Handwerk nennen. Es ist wohl so alt wie die Menschheit selbst und manches Werkzeug hat sich seit seiner Erfindung vor vielen Tausend Jahren kaum verändert. Freilich hat man beispielsweise die ursprüngliche Greifzange mit technischen Raffinessen wie Federn und Schrauben aufgerüstet.

Heinrich Hetzer am selbstgebauten Webstuhl

Aber im Prinzip macht sie, ob Pinzette oder Greifarm am Hochofen, nichts anderes, als die Hand zu verlängern und ihr einen Zugriff zu ermöglichen, den die Finger allein nicht ausführen könnten. Raum 6 ist ihr gewidmet, mit einer ganzen Reihe von Ausprägungen dieses Werkzeugs vom „Franzosen“ über die Geburtszange bis zur mit den Armnerven verbundenen Prothese. An einem „Hands on“ ist man gefordert, mit zwei Essstäbchen Reis in eine Sanduhr zu schaufeln und erlebt dabei unmittelbar die Feinmotorik dieses Körperteils namens Hand, der, wie man schon zuvor erfahren hat, aus 27 Knöchelchen besteht, und zusammen mit beiden Händen ein Drittel aller Knochen unseres Körpers ausmacht.

Homunkulus-Modell, um Gehirnregionen den Köperteilen zuuzuordnen

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, zumal wir großteils bereits in das sogenannte digitale Zeitalter hineingewachsen sind, wie wesentlich unsere Hände für jede unserer Tätigkeiten sind. „Liebeserklärung an die Hand“ (© Kurt Farasin) ist das Motto dieser Schau, die sich auf handfeste Tätigkeiten konzentriert. So trifft man in Raum 2 auf ein Meisterporträt von Florian Stockinger, einem jungen Messerschmied aus Ernstbrunn, der 2014 die Meisterprüfung als „Metalltechniker“ abgelegt hat. Trotz der archaisch anmutenden Arbeit an der glühenden Esse mit Hammer und Amboss ist auch für ihn Innovation unerlässlich. Anschließend betritt man die Burgenländische Blaudruckanstalt von Joseph Koó, die 2018 sogar in die UNESCO-Liste des „Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen wurde. Was wären unsere Hände ohne Handschuhe?! Wie mühsam deren Herstellung ist, wird mit einem Handschuhmacher aus Wien (Alois Anderle) und einem aus Wr. Neustadt (Friedrich Saik) illustriert. Anhand solcher exemplarisch ausgewählter Betriebe wird also jeweils ein Thema anschaulich gemacht.

Kunst und Handwerk treffen sich, wie es schon das Wort ausdrückt, im Kunsthandwerk, das mit einer silbernen Saliera von der Firma Jarosinski & Vaugoin (Silberschmiede) oder der kleinsten spielbaren Geige aus der Werkstatt des Wiener Goldschmiedemeisters Wilhelm Hadler würdig vertreten wird. Eine uralte Fertigkeit, die allmählich zu verschwinden droht, ist die persönliche Handschrift, die sogar als Unterschrift mittlerweile durch die elektronische Signatur ersetzt wird (Raum 8). Über einen Rückblick auf Zünfte im Mittelalter, die Meisterprüfungen, den „Werkraum“ Bregenzerwald und Meisterstücke aus der Fabrik geht es in ein wohl sortiertes Handwerksmuseum, wie man es gottlob noch in vielen Ortschaften Österreichs als Regional- und Heimatmuseum findet.

Vergangenheit und Gegenwart sind also solid wie das Handwerk selbst belegt. Nun geht es um die Zukunft und um die Frage, wie es um den berühmten Goldenen Boden steht. Raum 16 und 18 zeigen Innovationen, die belegen, dass Handwerk auch mit digitalen Werkzeuge wie Lasercuttern CNC-Fräsen, 3D-Druckern oder vom Computer gesteuerten Strickmaschinen ausgeführt werden und damit durchaus einträglich sein kann, da sich auch ein Land wie Österreich auf diesem Gebiet international durchzusetzen versteht.

Goldene Miniaturgeige im Maßstab 1:6 © Goldschmiedermeister Wilhelm Hadler; Foto kulturundwein.com

Zum Mitnehmen gibt es nicht nur die Erkenntnis, wie wichtig neben aller Bequemlichkeit elektronischer Devices wie Labtop und Handy das Werk der Hände ist, sondern auch den Katalog, ein richtiges Werkzeugkistl, ausgestattet mit sechs Büchern, die nicht nur Erklärungen zu einzelnen Stationen und Fotos von den Objekten enthalten, sondern in Textbeiträgen die Materie literarisch vertiefen und damit einen Rundgang durch die Ausstellung in der trauten Umgebung des Heimwerkers ermöglichen.

Eingang zur Schallaburg
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