Kultur und Weindas beschauliche MagazinDie alte Johanna, Ensemble © Barbara Pálffy DIE ALTE JOHANNA Erinnerungen an die Zeit als ledige Dirn
Vor dem eigenen Haus muss gründlich gekehrt werden, ist die erste Botschaft der Frauen, wenn sie den Besen schwingend aus der im Hintergrund zum Trocknen aufgehängten Wäsche treten und damit klar machen, dass sie mit ihrem Dasein als Wasch- und Putzfrau nicht zufrieden sind. Mit dieser fröhlich-kritischen Einleitung führen sie jedoch zu einer Geschichte, die von einer Frau erzählt, die von der unbezahlten Bauernmagd über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirren der 1930er- und 40er-Jahre zu einer letztlich geachteten Urgroßmutter aufgestiegen ist. Brigitte West, Mara Christine Koppitsch und Fanny Fuhs sind die Vertreterinnen von drei Generationen, für die ein Name steht: Johanna. Sie war eine ledige Dirn von einer ledigen Dirn von einer ledigen Dirn, von der sich die Mutter beizeiten getrennt hat, um selbst einigermaßen über die Runden zu kommen. Johanna war kein Einzelfall. Auf den Bauernhöfen wurde jede Menge Arbeitskräfte gebraucht. Das Geld war allerdings gluach, wie in der Gegend von Gloggnitz finanzieller Mangel bezeichnet wird. Also bediente man sich der hilflosen Wesen, die sonst ja eh keiner wollte, und nützte sie nach Kräften aus. Schuhe waren unerreichbarer Luxus, wobei die Füße in der noch warmen Kuhflade gewärmt wurden. Johanna konnte noch von Glück reden, dass der Bauer nicht über sie hergegangen ist, um sie dann als Schwangere vom Hof zu weisen.
Alles das hat Johanna der Schriftstellerin Renate Welsh erzählt, die dazu 1979 einen Roman herausgegeben und diese Erinnerungen nun im Theaterstück „Die alte Johanna“ aufgearbeitet hat. Am 15. April 2026 feierte es seine Uraufführung im Theater Spielraum. Mit faszinierend einfachen Mitteln hat Nicole Metzger diese in ihrer Art besondere Biografie ergreifend umgesetzt. Zwei Männer ergänzen das weibliche Ensemble, die allesamt in verschiedensten Rollen die Lebensstationen dieser wahrhaftigen Heldin begleiten. Simon Brader kommt einigermaßen gut weg.
JOHN & JEN Von großer Schwester zu Helicoptermom
Dad ist Veteran des 2. Weltkrieges und hat das Trauma nicht verwunden. Er hat für seinen Sohn anstelle von Liebe nur Schläge. Trotzdem wird er für den misshandelten John zur Idealfigur. Tochter Jen wird offenbar von der väterlichen Brutalität verschont. Sie lehnt den Vater dennoch ab. Sie ist sieben Jahre älter als John und wird zur sanften, aber bestimmenden Erzieherin des Heranwachsenden. Als Jen das Elternhaus verlässt und Jahre später als Hippie heimkehrt, ist ihr Bruder bereits auf dem Weg in den Krieg, in den die USA Mitte der 1960er- bis in die 70er-Jahre verwickelt waren. Als John gefallen ist, schwört sie vor dem unter Stars & Stripes aufgebahrten Bruder, bei ihrem eigenen Sohn alles besser zu machen. Doch als Helicoptermom nervt sie den Buben so sehr, dass die Situation gefährlich nahe der mit ihrem Bruder kommt. Alle die Auseinandersetzungen, als Geschwister oder später zwischen Mutter und Sohn wurden von Andrew Lippa und Tom Greenwald zu einem hinreißenden Musical für zwei Personen und einem Trio aus Klavier, Cello und Schlagzeug verdichtet. In der Intimität des Theaters Spielraum ging am 18. Jänner 2026 die österreichische Erstaufführung in der Übersetzung von Timothy Roller erfolgreich über die Bühne. Regisseur Robert G. Neumayr und Bühnenbauer Marc Rothschild brauchen nur ein paar Regale, in denen Fotoalben und vor allem Fernsehgeräte stehen, die neben Jahreszahlen Ausschnitte der Reden von Präsidenten wie John F. Kennedy oder Richard Nixon abspielen und das Publikum mit dem jeweils historischen Hintergrund auf dem Laufenden halten.
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