Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Große Fuge, Ensemble © Ashley Taylor

Die Große Fuge, Arne Vandervelde, Jackson Carroll, Ensemble © Ashley Taylor

KONTRAPUNKTE in Fuge, Duets und Schumann-Romantik

Duets, Daniel Vizcayo, Gloria Todeschini © Ashley Taylor

Duets, Daniel Vizcayo, Gloria Todeschini © Ashley Taylor

Eine beeindruckende Demonstration der Vielseitigkeit eines Staatsballetts

Die Große Fuge ist eines der letzten Streichquartette von Ludwig van Beethoven, ursprünglich letzter Satz von op. 130, später jedoch ausgegliedert und mit der Nummer op. 133 versehen. Es ist ein Vermächtnis des Komponisten an die Absolutheit der Musik. Dem Zuhörer fordert es große Konzentration ab und vor allem viel Fachwissen um die komplizierte Struktur sich kreuzender Dissonanzen, die dieser genialen Komposition immanent sind. Damit erklärt sich das Problem, der von Bettina Gradinger (1. Violine), Kota Morikawa (2. Violinie), Peter Sagaischek (Viola) und Roland Lindenthal (Cello) souverän interpretierten Musik das vor ihnen ablaufende Bewegungsrepertoire des Balletts zuordnen zu können. Eine Frau (Fiona McGee) und sieben Herren, alle in dunklen Anzügen und weißen Hemden, gehen kühl an die Umsetzung der Choreographie von Anne Teresa De Keersmaeker heran, ohne jedoch zu einer innigen Einheit mit Beethovens Klängen zu finden oder diese emotional auf das Publikum übertragen zu können.

four schumann pieces, Masayu Kimoto (Mitte), Ensemble © Ashley Taylor

four schumann pieces, Masayu Kimoto, Ensemble © Ashley Taylor

Duets, Laura Cislaghi, Gaspare Li Mandri © Ashley Taylor

Duets, Laura Cislaghi, Gaspare Li Mandri © Ashley Taylor

Eher eine Kopfsache ist auch die Improvisation III Duets von John Cage. Choreograph Merce Cunningham lässt sechs grell bunt kostümierte Paare in einem Pas de deux nach dem anderen akrobatisches Dancing ausführen, begleitet von einem dumpfen Schlagzeugsolo, das mit Live-Elektronik von Belá Fischer und Michael Fischer unter Verwendung der Einspielung von Peadar & Mel Mercier aus dem Graben wummert. Frau und Mann kommen immer wieder deckungsgleich hintereinander zu stehen, während hinter ihnen andere Paare wie Irrlichter über die Bühne huschen. Dieser Teil der „Kontrapunkte“ ist zweifelsfrei der Meditation gewidmet, die von der Monotonie der Begleitmusik im Ohr angeregt und durch knallige Farbtupfen vor den Augen irritiert immer neue Wendungen erfährt.

Mit Robert Schumann ist wieder das Streichquartett an der Reihe. Die „Vier Stücke“ oder wie sie im Programmheft heißen „four schumann pieces“ hat der Komponist in einem wahren Schaffensrausch für seine Frau geschaffen, zum Beweis seiner Kompetenz als Komponist und nicht zuletzt um vor dem Ruhm von Clara als Pianistin bestehen zu können. Choreograph Hans van Manen hat dieser leidenschaftlichen Musik einen Solisten entgegengesetzt, vielleicht den jungen Schumann, der alles für Liebe und Anerkennung gibt. Masayu Kimoto (am 9. Juni 2022 in derVolksoper) steht damit in großer Tradition. Auch Rudolf Nurejew hat diese Partie einst getanzt. Manche der Schrittkombinationen sind zum Luft anhalten, zum Beispiel an der Stelle, in der das Cello mit einem Sechzehntellauf den Tänzer zu einem Sprung mit sensationeller Drehung antreibt. Romantik, die zu Herzen geht, bietet das Ensemble, das die in Töne gefasste Sehnsucht im Schwung weicher Kleider und sanft pastelliger Farben in perfekter Harmonie vor den dunklen Hintergrund der Bühne malt.

Duets, Céline Janou Weder, Javier González Cabrera © Ashley Taylor

Duets, Céline Janou Weder, Javier González Cabrera © Ashley Taylor

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