Kultur und Wein

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DOMINIQUE MEYER Anfang vom Ende einer vielversprechenden Aera

Charles Castronovo als Alfredo Germont © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Unaufgeregte Saisoneröffnung mit La traviata und Don Carlo

 

Gedanken unseres Gastautors Robert Waloch

Mit September begann die letzte Staatsopern-Saison, für die Dominique Meyer verantwortlich zeichnet. Das Haus wird leider - im Gegensatz zur Mailänder Scala mit ihrer glanzvollen „Inaugurazione“ - nicht publikumswirksam eröffnet, es macht einfach auf. Aber selbst das war diesmal mit Problemen verbunden!

 

20 Minuten vor Beginn von Giuseppe Verdis „La traviata“ musste die als Violetta Valéry besetzte Irina Lungu absagen – beim Einsingen hatte ihr plötzlich die Stimme versagt. Unerwartete Rettung ergab sich aber durch Ekaterina Siurina, die mitreisende Gattin von Charles Castronovo, der als Alfredo zum Einsatz kam. Sie hatte die Partie in Wien bereits gesungen und erklärte sich bereit, kurzfristig aufzutreten. Da unter solch unvorhergesehenen Auflagen nicht alles planmäßig verläuft, verzögerte sich der Beginn der Aufführung etwas – die anfängliche Nervosität legte sich aber vor allem dank der Übersicht von Giampaolo Bisanti am Dirigentenpult und die Protagonistin konnte der Rolle gemäß „vom Wege abirren“ - der Abend war gerettet!

René Pape als Philipp II. © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Keiner ähnlichen Rettungsaktion bedurfte zwei Tage später die erste „Don Carlo“-Aufführung; ein glanzvolles Interpreten-Quintett sorgte für Begeisterung. Die Pressspanplatten-Inszenierung mit ihren sich ständig verschiebenden Wänden bot zwar kaum einen animierenden Rahmen, doch vor allem das ungleiche Königspaar am spanischen Hof bot die erhofften stimmlichen Freuden: René Papes Filippo II hat derzeit kaum Konkurrenz zu befürchten, wenn er - Herrscher eines Weltreiches! – resignierend feststellen muss: Ella giammai m'amó. „Ella“ - das war Anja Harteros als Elisabetta di Valois. Als Figur zwar entsagend, doch im Gesang mit vielen dramatischen Valeurs aufwartend, löste sie mit Tu que le vanità minutenlangen Applaus aus. Als Principessa di Eboli, ihre Konkurrentin (bei Carlo, aber auch beim König!), zeigte sich Elena Zhidkova den enormen Anforderungen der Partie bis auf einige Spitzentöne (in den Koloraturen des Schleierliedes und in der Attacke von O don fatale) durchaus gewachsen. Da in dieser Inszenierung der Kleiderwechsel von Königin und Eboli

im Gartenakt nicht gezeigt wird, fehlt der Verwirrung des Infanten beim erwarteten Treffen mit seiner einstigen Braut aber jedes Argument. Das große Freundespaar Don Carlo und Rodrigo war mit Fabio Sartori (Rollendebüt an der Staatsoper) und Simon Keenlyside stimmlich zwar erstklassig besetzt, etwa mehr darstellerischer Einsatz hätte jedoch nicht geschadet. Ein weiterer Debütant war Dmitry Ulyanov als Großinquisitor – schon dank der seinen Auftritt begleitenden unheilvollen Akkorde ist klar, dass da einer kommt, dem König seine Grenzen zu zeigen. Als im letzten Bild mit Ma lassù ci vedremo in un mondo migliore in wundervollsten Tönen von Entsagung gesungen wurde, hatte Verdis prachtvolles Werk wieder einmal für Emotionen sonder Zahl gesorgt – Jonathan Darlington durfte sich dafür am Dirigentenpult einsetzen. Zumindest ein Wunsch blieb allerdings offen – und für die Zukunft wohl unerfüllbar: ein über allen musikalischen Furor hinweg klingender Finalton wie einst von Montserrat Caballé als Elisabetta...

Fabio Sartori als Don Carlo © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
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