Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Viel Lärm um nichts Ensemble © Festspiele Stockerau/Karl Satzinger

VIEL LÄRM UM NICHTS macht doch den meisten Spaß

Karin Lischka (Beatrice) © Festspiele Stockerau/Karl Satzinger

Wenn Guerillas lieben, dürfen schon die Fetzen fliegen

Wenn bei den Festspielen Stockerau „Viel Lärm um nichts“ auf dem Spielplan steht, ist man natürlich neugierig, wie Beatrice und Benedikt ihre abgrundtiefe Abneigung aus Liebe zueinander überwinden. Dieses kuriosen Paares wegen scheint William Shakespeare diese wahrhaft erfrischende Komödie geschrieben zu haben. Er hat den beiden Kontrahenten eine unglaubliche Fülle an Wortwitz zugedacht, um die sie jeder Mensch im Grunde beneidet und gibt damit zwei Schauspielern Gelegenheit, ihr ganzes komödiantisches Können fetzen zu lassen. Karin Lischka und Okan Cömert sind dieser Vorgabe absolut geworden. Sie besitzen nicht nur die Fähigkeit, Pointen wie Geschosse aufeinander abzufeuern, sondern schauen dazu noch ungemein gut aus und wirbeln übermütig durch die Szene. Der Dichter aus Stratford-upon-Avon war aber gerecht, und hat auch etliche andere Rollen mit so viel Klamauk ausgestattet, dass sich sowohl Leonata (Cornelia Köndgen) als auch Borachio (Sven Kaschte), Holzapfel (Patrick Weber) und Schlehwein (Markus Weitschacher) ihre verdienten Lacher im Publikum abholen können.

Doris Hindinger, Cornelia Köndgen, Karin Lischka © Festspiele Stockerau/Karl Satzinger

Die beiden großen dramatisch Liebenden sind natürlich Hero (Doris Hindinger) und Claudio (Daniel Keberle). Sie erledigen eine sich anbahnende Tragödie mit großem Ernst und wenden das Unheil dank des umsichtigen Eingreifens von Pater Franziskus (Karl Ferdinand Kratzl) einem Happy End zu. Behilflich ist dabei schon bei der Anbahnung des Verhältnisses und auch später Don Pedro (Rainer Stelzig), seines Zeichens Prinz von Aragon. Dass er einen Halbbruder hat, vollgestopft mit Minderwertigkeitskomplexen und krimineller Energie, dafür kann er nichts. Don Juan heißt das Ekel, dem Christan Strasser alle die Hintertriebenheit eines gewissenlosen Intriganten verleiht. Dass er dafür die kleine Zofe Margarita (Rina Juniku) schamlos benützt, ist nur ein Aspekt seines finsteren Treibens.

 

Zeno Stanek hat auf zwei Ebenen lustvolles Spiel betrieben. Die eine ist die heitere, die den Text Shakespeares in eine prickelnd heutig klingende Sprache übersetzt. Es haben kabarettartige Anspielungen Platz, es darf auf Teufel komm raus geblödelt werden, ohne die Würde eines Klassikers zu verletzen, und für tolle Gags ist ausreichend gesorgt. Allein wenn Borachio sein zwielichtiges Unterfangen seinem Stiefel erzählt oder die beiden dummen Wachposten einander ihre Schlagstöcke auf den Helm knallen, dann darf reinen Herzens gelacht werden.

Die andere Ebene ist zugegebenermaßen irritierend. Das Ganze spielt sich in einem wie von einem Erdbeben zerstörten Schloss ab, das zu einem Guerillalager umfunktioniert wurde. Die Männer in Tarnanzügen können sich von ihren Gewehren nicht und nicht trennen, dass man das Gefühl hat, sie legen sich damit auch ins Bett ihrer Frauen. Aber was ist denn Krieg in Wirklichkeit? Im Endeffekt „Much Ado About Nothing“, nichts anderes, nur halt nicht so lustig, weil es nicht nur Scheintote, sondern ganz reale Tote dabei gibt. Da ist es schon gescheiter, sich der Gouverneurin von Messina anzuschließen, wenn sie abschließend feststellt: Die Moral von der Geschicht´ – viel Lärm um nichts.

Christian Strasser (Don Juan) © Festspiele Stockerau/Karl Satzinger
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