Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Einen Jux will er sich machen, Ensemble © Peter Reichert

EINEN JUX WILL ER SICH MACHEN und das ganz klassisch

Gerhard Ernst (Zangler), Franz Suhrada (Melchior) © Peter Reichert

Wohlfühlen und lachen mit einem Biedermeier-Nestroy

Das Ensemble, das sich Christian Spatzek für sein Debüt als Intendant der Festspiele Stockerau geholt hat, scheint wie für Nestroy geschaffen. Dass er neben der Regie gleich selber den Weinberl übernommen hat, passt wunderbar in dieses Schema, das sein Publikum ganz einfach bestens unterhalten will. Experimente haben darin keinen Platz. Die Kostüme sind bis ins kleinste Detail passend. Genau solche Kleider haben die Damen dieser Zeit getragen, die Herren zum fein Ausgehen den Frack, der Kommis Gilet und Schürze und die Hausdiener das abgeschabte Jankerl und den zerbeulten Hut. Was anderes erwartet man sich von Babsi Langbein nicht, die man angesichts der übrigen Besetzungsliste schon als Inventar dieser Truppe bezeichnen kann. Die Bühne ist ein Meisterwerk von Manfred Waba, der den Kirchenplatz auszuspielen versteht. Die echten Häuser mit den malerischen Giebeln seitlich des Stiegenaufgangs zur Kirche werden oben einfach fortgesetzt und lassen eine Stadt entstehen, in der sich der zum Associè beförderte Handelangestellte seinen erinnerungswürdigen Jux machen will.

Hanna Gruber (Marie), Géza Terner (Augsut Sonders) © Peter Reichert

Die großen Überraschungen gibt es zu ebener Erd´. Die Gemischte Warenhandlung des alten Zangler wird mit ein paar kleinen Verschiebungen zu dessen Wohnzimmer, das sich im Handumdrehen in einen Greißlerladen und bald darauf in das plüschige Comptoir der Madame Knorr (Dorothea Parton) verwandelt, um schließlich der Gastgarten eines sündteuren Restaurants zu werden, in dem ungewolltes gegenseitiges Inkommodieren aller Beteiligen gerade noch mit einer Spanischen Wand verhindert werden kann.

Christian Spatzek (Weinberl), Linde Prelog (Fräulein Blumenblatt) © Peter Reichert

In dieser wahrhaft biedermeierlichen Kulisse lässt es sich, so möchte man fast sagen, leicht authentisch Nestroy spielen; vor allem einen Jux machen, der bekanntlich in einer Flucht vor der Wirtshausrechung an seine Grenzen stößt. Mit dem Weinberl unterwegs ist Barbara Kaudelka als ein rotzfrecher Christopherl, der die Verwirrung erst perfekt macht, weil er sich von Frau von Fischer (Irene Budischowsky als attraktive Witwe) in seiner Not den rosa Mantel klaut und damit für Marie gehalten wird.

Hanna Gruber ist das zickige (Es schickt sich nicht!) Mündel des Gewürzkrämers Zangler, für den man sich keinen anderen als Gerhard Ernst vorstellen will. Ihr geduldiger Geliebter August Sonders (Géza Terner) verleugnet sogar seine Identität, um ihr nahe zu sein, muss aber, um die Zustimmung zur Heirat zu erhalten, auf den Tod seiner Erbtante in Brüssel hoffen. Vermittelnd und voller Hilfsbereitschaft tritt Zanglers Schwägerin Fräulein Blumenblatt (mit viel Herzenswärme und mildem Selbstbetrug: Linde Prelog) dazwischen. Sie ist die große Wissende, wie es jungen Leuten auf der Flucht ergeht, wenngleich ihr Bräutigam einst von sich aus das Weite gesucht hat.

In Zanglers Haus wirkt nestroyisch grantig Frau Gertrud (Erika Deutinger), schließlich hat sie mit diversen sonderbaren Bedienten zu tun. Der erste quittiert seinen Dienst (Robert Sadil), um Melchior Platz zu machen. Franz Suhrada ist eine erklärte Rampensau, die in der Rolle des vazierenden Hausknechts einfach alles klassisch findet und damit ihrem Brotgeber zum Zerreißen komisch auf die Nerven geht. Es gibt noch eine ganze Reihe von Nebenrollen, die bis zum Kutscher, der mit seinem Zeugl vorfahren darf, ihre Aufgabe ganz großartig erledigen. Sie sind Teil dieser „verrückten Idee“, die ein leider verhinderter „verfluchter Kerl“ so genial patschert ausführt, dass er am Schluss sogar noch zum Helden avanciert.

Schneidermeister Hupfer (Gérôme Ehrler) © Peter Reichert
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