Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Alex Lovrek (Pfarrer Hubertus Hick), Andreas Roder (Happy Jedermann) © Alex Lovrek

Alex Lovrek (Pfarrer Hubertus Hick), Andreas Roder (Happy Jedermann) © Alex Lovrek

HAPPY JEDERMANN Zizerlweises Sterben des reichen Mannes

Ünberraschende Inkarnation © Alfred Lovrek

Ünberraschende Inkarnation © Alfred Lovrek

Moral mit Witz und Musik als Balsam auf unsere neidischen Seelen

Herbert Jedermann hat nicht umsonst den Spitznamen „Happy“. Aus einfachen Verhältnissen heraus hat er sich zum Chef des Großkonzerns „Everyman Industries“ hochgearbeitet. Derart unermesslicher Reichtum bringt freilich eine Menge Freunde, schafft aber auch Missgunst bei denen, die es nicht so weit gebracht haben. So haben die weniger Erfolgreichen seit jeher ihren Spaß daran, wenn sich die zwei über jedem Vermögen stehenden Autoritäten Tod und Teufel gegen denjenigen verschwören. Die Geschichte ist nicht unbekannt. Jahr für Jahr hallt der Ruf „Jedermann“ durch Salzburg. Mit dem im Waldviertel lebenden Autor Michael Korth hat das alte Mysterienspiel nun eine zeitgemäße Version gefunden. Sein Motto: „Jedermann? Ja... Aber modern, sexy und witzig.“ Dazu braucht es Musik mit so richtig ins Ohr gehenden Songs von Alex Lovrek, lustige Projektionen, die der Cartoonist Klaus Pitter schon für eine Comic-Ausgabe dieser Satire erstellt hat, und genügend Humor, um das Ganze einem staunenden Publikum als Musical zuzumuten.

Kenia BErnal (Sekretätrin), Andreas Roder (Happy Jedermann) © Alex Lovrek

Kenia BErnal (Sekretätrin), Andreas Roder (Happy Jedermann) © Alex Lovrek

Andreas Roder (Happy Jedermann), Alex Lovrek (Pfarrer Hubertus Hick) © Alex Lovrek

Andreas Roder (Happy Jedermann), Alex Lovrek (Pfarrer Hubertus Hick) © Alex Lovrek

„Happy Jedermann“ feierte am 27. Oktober 2026 im Theater Center Forum I. eine begeistert beklatschte Premiere. „Musikchef“ Alex Lovrek führt Regie und versucht dazu als wandelndes Gewissen namens Pfarrer Hubertus Hick den im Reichtum badenden wenig moralischen Herbert Jedermann auf den rechten Weg zu bringen. Gegen die Frustration gescheiterter Bekehrungsversuche hilft ein zünftiger Schluck aus dem Flachmann, eine kleine Bestechung oder ein Packerl Mannerschnitten, das im Zuschauerraum in christlicher Nächstenliebe verteilt wird.

Darüber kann Herr Jedermann nur lachen. Andreas Roder gibt ihm einen erstaunlich fröhlichen und sympathischen Charakter. Schließlich weiß sein Held, wie man zu so viel Geld kommt, wenn auch nicht immer auf geradem und sauberem Wege; aber was soll´s, am Ende des Tages müssen die Bilanzen stimmen; auch an seinem 50. Geburtstag. Die Feierlaune wird jedoch durch eine Herzattacke getrübt. Nun ist es Zeit für die Auftritte der Rächer der Enterbten. In umwerfendem Outfit erscheint Dr. Lucy Fire, die ab nun den Vorstand des Unternehmens auf Vordermann bringen wird. Dahinter steckt niemand anderer als Kenia Bernal, die schon als biedere Sekretärin und als krampusrote Teufelin Bella Figura gemacht hat. Gemeinsam mit dem Tod (wieder Andreas Roder) beschließt sie ein extrem fieses Vorgehen. Das Ableben ihres Opfers soll sich qualvoll in die Länge ziehen. Wem mit dieser höllischen Grausamkeit geholfen sein soll? Wohl allen denen, die vermögenden Zeitgenossen insgeheim ein solch bitteres Ende wünschen, um sich wenigstens an ein bisschen Schadenfreude laben zu dürfen.

Andreas Roder (Tod), Kenia Bernal (Teufelin), Marionetten © Alex Lovrek

Andreas Roder (Tod), Kenia Bernal (Teufelin), Marionetten © Alex Lovrek

GIN ROMMÉ Ein lausiger Verlierer am Kartentisch

Johannes Terne, Doris Weiner © Herta Haider

Johannes Terne, Doris Weiner © Herta Haider

Als Kiebitz beim Turnier im Seniorenheim

Den Rest seiner Lebenszeit gedenkt der rüstige Weller mit Patiencen auszufüllen. Was sollte er auch anderes in dieser Seniorenresidenz anfangen?! Das gebotene Unterhaltungsprogramm ist zwar gut gemeint, aber für ihn ein Gräuel. Als eines Tages die schüchterne Fonsia auftaucht, kann er sie zu einer Partie Gin Rommé überreden. Obgleich sie beteuert, das Spiel noch nicht zu kennen, wird sie zur Seriensiegerin. Damit kann sich Weller freilich nicht abfinden. Er ist ein schlechter Verlierer, der in seinem Jammer völlig übersieht, dass beide ihre Last aus der Vergangenheit zu tragen haben. Sie bekommen keine Besuche, da sich die Nachkommenschaft distanziert hat, und sie wurden von einem unerbittlichen Schicksal in dieses zweitklassige Etablissement verbannt.

 

An sich klingt dieser Stoff alles andere als lustig, doch der US-Dramatiker Donald E. Coburn hat es geschafft, dazu eine hinreißende und in die Tiefe gehende Komödie zu schreiben. Dass man über die beiden Loser schmunzeln, stellenweise sogar lachen darf, ist letztlich aber das Verdienst von Doris Weiner und Johannes Terne, die diese grundverschiedenen Charaktere spürbar authentisch und mit einem befreienden Ventil ins Komische darstellen. „Krankenschwester“ Doris Happel hat „Gin Rommé“ für das Theater Center Forum inszeniert; auf einfache, aber wirkungsvolle Weise.

Ein schmuckloser Aufenthaltsraum mit dem runden Kartentisch in der Mitte wird zum Schauplatz einer unglaublichen Glückssträhne von Fonsia. Sie scheint nach dem dritten „Gin!“ en suite gar nicht so glücklich darüber zu sein. Für sie ist es ein Spiel, ohne großen Ernst und das Gewinnen hat für sie keine wirkliche Bedeutung. Ihrem Gegenüber Weller, dem selbsterklärten Rommé-Profi, ist jedoch jede Niederlage ein Stich ins Herz, und das nach einem Infarkt, der ihn einst seine Firma gekostet hat. Er verliert mehr und mehr die Contenance, wird laut, verbal angriffig bis beleidigend. Seine Entschuldigungen sind lachhaft unehrlich, da sich schon beim nächsten Geben und Verlieren die gleichen unerquicklichen Szenen wiederholen. Er versucht unbeholfen den überlegenen Intellekt als Trumpf auszuspielen, aber ihre Karten sind stärker. In einem Anfall von Selbstzerstörung zerreißt Weller die zarten Bande, die eine vom Lebensglück keineswegs verwöhnte Fonsia mit ihm zu knüpfen bereit gewesen wäre. Zurück bleiben zwei einsame Seelen.

Johannes Terne als Weller mit der schlechten Karte © Herta Haider

Johannes Terne als Weller mit der schlechten Karte © Herta Haider

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