Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Pablo Cameselle, Maria Taytakova © Barbara Palffy

IL BUON MARITO & ARIANNA A NAXOS Barocke Frauenschicksale

Pablo Cameselle, Maria Taytakova © Barbara Palffy

Musiktheater so original wie vor 250 Jahren

Nur ein Pantoffelheld ist ein guter Ehemann, ein buon marito. So manche Frau wird dieser Feststellung gerne beipflichten, wenn ihr Angetrauter eines Nachts wieder sternhagelvoll nachhause kommt und den Herrn raushängen lassen will. Der böhmische Kapellmeister Georg Anton Benda (geb. 1722) jedenfalls hat sich einer solchen leidgeprüften Gattin angenommen und sie zur Hauptgestalt der Oper „Il buon Marito“ gemacht. Sie bestimmt die Handlung, nicht ihr Mann, der lediglich als Titelfigur herhalten darf. Die Herrschaften wollten unterhalten werden und ließen sich dieses Plaisier von ihrem Haus- und Hofkomponisten bereiten. Benda schuf beispielsweise in Gotha zwar in der Hauptsache feierliche Schlossmusik für diverse Anlässe, half aber in Zeiten des Geldmangels auch im Theater aus. Herzogin und Herzog dürften sehr gelacht haben, als die resolute Rosetta ihren Mann Bazzotto mit einer schlimmen List des versuchten Ehebruchs überführte und anschließend grausam zur Schnecke machte. Der Name dieses Kerls sagt im Grunde schon alles.

Katharina Adamcyk (Ariadne auf Naxos) © Babara Palffy

Bazzotto bedeutet im Italienischen erstens besoffen, zweitens weichgekocht wie ein Ei. Das ist er auch, wenn er heulend versucht, sich in den Kleiderzipfel seiner Angetrauten zu schnäuzen, während sie triumphierend den Fuß auf seinen Rücken setzt. Am Musikgenuss ließ es Benda nicht fehlen. Mit einer dreisätzigen Sinfonia leitet er die Aufführung ein und lässt die Sänger von einem für damalige Verhältnisse beinahe luxuriösen Orchester begleiten. Neben den Streichern gibt es Holzbläser und sogar zwei Hörner, mit denen Benda wohl die erlauchten Herren an die (Schürzen-)Jagd in ihrem Reich erinnerte. Aber was wäre ein solcher Abend gewesen, wenn nur ein Stück zum Besten gegeben worden wäre. Man hatte Zeit und liebte es, wenn zwischen den beiden Akten ein anderes Werk eingeschoben wurde. Das durfte ein deutsches Singspiel von Michael Haydn sein oder eine Kantate, wie die seines Bruders Joseph, die dieser für den Fürsten Esterhazy geschrieben hat. Darin geht es um Ariadne, die von Theseus verlassen auf der Insel Naxos schmachtet und als Ausweg den Freitod in den Fluten des Meeres wählt.

 

Warum, so fragt sich Bernd R. Bienert, soll man derlei barocke Lustbarkeiten nicht in unsere Zeit transferieren? Gerade der Mensch der Gegenwart, gefangen in seinem Realismus, hätte solche Ausflüge in eine Zeit nötig, die noch Romantik pur schätzte, obwohl es wesentlich schwieriger war zu überleben. Die Musiker mit den Originalinstrumenten lassen sich auftreiben, auch der Maestro am Hammerflügel in der Person von Aries Caces, einem auf den Philippinen geborenen Dirigenten.

Er weiß, wie man Streichern und Bläsern die schönsten Töne entlockt, wenn auch einmal eine Darmsaite reißt und die Kantate von vorn neu begonnen werden muss. Seinerzeit hat es eben noch keine Klimaanlage gegeben, wie sie im historischen Theatersaal des Congress Casino Baden das Publikum vor Schweißausbrüchen bewahrt. An der Rampe brennen Kerzen und helfen dabei mit, die Szene mystisch von unten zu beleuchten. Zuerst ist es Nacht vor Bazzottos Haus und angeblich so finster, dass der Gute (Pablo Cameselle) nicht einmal seine eigene Frau (Maria Taytakova) erkennt. Sie jammert, die Laterne sei ihr von Ganoven geraubt worden und bietet ihm an, sich von ihm heimführen zu lassen. Ariadne (alternierend Katharina Adamcyk und Alice Waginger) sieht mit aufkommender Hoffnung das Schiff mit Theseus am Horizont vorbeifahren, bevor sie sich unter Blitz und Donner ihrem tödlichen Ende preisgibt. Kostüme, Gestik und Ausstattung sind dabei bis ins kleinste Detail den ursprünglichen Vorbildern nachempfunden, eben feinstes Teatro Barocco, so original wie vor 250 Jahren.

Maria Taytakova als Rosetta © Babrara Palffy
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