Kultur und Wein

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La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

LA CORONA Zum Leben erweckte barocke Juwelen

Günther Strahlegger als Philon © Bernd R. Bienert

Günther Strahlegger als Philon © Bernd R. Bienert

Oper und Melodram: Musikalisches Entertainment zur Zeit Maria Theresias

Auf eins kann man sich bei Teatro Barocco verlassen. Wenn Intendant Bernd R. Bienert eine Produktion auf die Bühne stellt, dann ist größtmögliche Authentizität gegeben. Es fängt bei den Musikern und ihren Originalinstrumenten an und endet in der Gestik, mit der die Sänger ihre Emotionen ausdrücken. Bühnenbild und Kostüme sind das Ergebnis genauer Recherche, einstigen Inszenierungen getreulich nachempfunden. Bei den zwei Stücken, die für das 10-Jahresjubiläum ausgewählt wurden, konnte allerdings nur auf Vergleichbares zurückgegriffen werden. „La Corona“, ein Kompositionsauftrag für Maria Theresias Töchter, wurde zu Lebzeiten des Komponisten Christoph Willibald Gluck nicht aufgeführt. Bei „Philon und Theone“, einem Melodram von Georg Anton Benda, fand überhaupt eine Welturaufführung statt. Zugrund lag dieser Entdeckung die (später veränderte) Partitur des Komponisten. Ort der Premieren war der Neue Burgsaal Perchtoldsdorf. Die Stadt südlich von Wien hat wiederum mit Gluck eine innige Beziehung. Der Meister bewohnte dort ein Sommerhaus zur Rekreation vom dichten Arbeitsprogramm, das ihm sein Erfolg als Schöpfer von Reformopern beschert hatte. Seinetwegen prügelten sich in Paris sogar seine Anhänger mit den Vertretern des Italieners Niccoló Piccinni, einem Komponisten der neapolitanischen Oper.

Ayelén Mose (Atalante) © Barbara Pálffy

Ayelén Mose (Atalante) © Barbara Pálffy

Elena Sverdiolaitė (Melagro) © Barbara Pálffy

Elena Sverdiolaitė (Melagro) © Barbara Pálffy

In Wien ging es ruhiger zu. Gluck war der Star, dem sich sogar der Hof huldvoll zuneigte. Zum Namenstag von Kaiser Franz Stephan von Lothringen anno 1765 sollten vier seiner Töchter die Geschichte von der Jagd auf den Kalydonischen Eber auf der Bühne des Schlosstheaters Schönbrunn zum Besten geben. Es kam nicht dazu, da der Kaiser davor starb. Wenn man heute die Oper hört, mag man denken, dass es so gut war. Ob die Erzherzoginnen die Schwierigkeiten gemeistert hätten, die ihnen Gluck in die Arien hineingebaut hat? Dazu braucht es Spezialistinnen vom Schlage einer Elena Sverdiolaitė (Melagro), Ayelén Mose (Atalante), Indré Pelakauskaité (Climene) und Rosamond Thomas (Asteria). Die Höhen sind atemberaubend und Ausdauer ist gefragt, um endlos wirkende Soli durchzustehen. Dazu kommen kräftige Klänge aus dem Orchester. Sie rühren von den Hörnern her, mit denen das Jagdgeschehen akustisch deutlich gemacht wird. Dagegen nehmen sich die offenen Stellen der Oboe wie eine sanfte Erzählung aus. Hauptsache, die Wildsau wird erlegt und „La Corona“ am Ende vor einem Standbild des kaiserlichen Vaters abgelegt.

La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

La Corona, Ensemble © Barbara Pálffy

Georg Anton Benda war nach Wien gekommen, um Kapellmeister am neuen National-Singspiel zu werden. Der Posten blieb ihm ebenso wie seinem Kollegen Wolfgang Amadé Mozart versagt. Nicht einmal die bereits angekündigte Premiere von „Philon und Theone“ am Kärntnertortheater kam zustande. Benda verließ die unglückliche Stätte Richtung Berlin. In Wien geblieben sind die Noten dieses Melodrams, einem Bühnenstück für Sprecher, Chor und Orchester. Philon bejammert darin wortgewaltig das Verschwinden seiner großen Liebe. Günther Strahlegger versteht es, das Publikum mit seinem Schmerz mitzureißen und lässt dieses den Atem anhalten, wenn er seine Glasharmonika erklingen lässt. Gespielt wird dieses zauberhafte Instrument hinter der Szene von Bruno Kliegl. Die verschleierte Theone (Kira von Zierotin) erscheint auf die magischen Töne hin und nimmt ihren Geliebten mit in die Unterwelt, um mit ihm auf ewig vereint zu sein. Das Orchester, das dafür u. a. mit einer Maschine für Sturmgetose ergänzt wird, leitete wie auch die Oper davor am 12. August 2021 Christoph Ulrich Meier, der sich in der barocken Klangwelt hörbar wohlfühlt und diese mit dem Ensemble TEATRO BAROCCO in allen ihren spannenden Farben Wirklichkeit werden lässt.

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