Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Erwin Bail, Christine Renhardt © Rolf Bock

TODESTANZ an die düsteren Grenzen des Lebens

Christine Renhardt, Erwin Bail © Rolf Bock

Ein Dasein zu zweit als Parabel für das Absurde

„Dödsdansen“ lautet der originale Titel des Stücks, in dem der schwedische Schriftsteller Johan August Strindberg die Tristesse zweier aufeinander angewiesener Menschen beschreibt. Es sind bald 25 Jahre, in denen sich Edgar und Alice im Stand einer von beiden verhassten Ehe mit jedem Wort, mit jeder Regung, einfach mit ihrem Dasein auf die Nerven gehen. Einen Notausgang aus dieser Misere gibt es nicht. Er ist Offizier, der ordentlich seinen Dienst versieht, aber keinem anderen über den Weg traut. Sie trauert ihrer Karriere als Schauspielerin nach und fühlt sich – wobei sie nicht ganz unrecht damit hat – in ihrem Heim eingesperrt. Nachbarn, Kollegen, eigentlich alle anderen Bewohner dieser Insel, der „kleinen Hölle“, wie sie liebevoll von den Insulanern genannt wird, sind mit den beiden Eheleuten verfeindet. Geld ist keines vorhanden, damit auch kein Dienstpersonal, das dem Haushalt eines Offiziers vorgeschrieben wäre. Die letzten beiden Angestellten gehen nicht zuletzt aufgrund der aufbrausenden Art der Hausfrau, die ihnen überdies für Monate den Lohn nicht bezahlt hat.

Thomas Bauer, Christine Renhardt © Rolf Bock

Kein Wunder, dass Edgar sich nach dem Sterben sehnt und zur Frage angeregt wird, ob nicht das Leben erst beginnt, wenn der Tod kommt. Wäre da nicht ein Verwandter namens Kurt, der mit dem Auftrag eine Quarantänestation auf der Insel zu errichten, zu den beiden zurückkehrt. Warum er nicht schon nach den ersten paar feindseligen Sätzen, die das alte Paar gegeneinander abfeuert, das Weite sucht, muss man Strindberg fragen. Für den Dichter ist aber gerade diese Figur notwendig, um die von ihrem armseligen Leben herabgezogenen Figuren zum Nachdenken zu bringen.

Thomas Bauer, ERwin Bail © Rolf Bock

Fritz Holy hat den „Todestanz“ für sein kleines, aber mutiges Theater in der Liechtensteinstraße 132 inszeniert und ist damit einmal mehr dem Namen seiner Bühne gerecht geworden. Das „Experiment“ scheint der ideale Ort für diese Auseinandersetzung zu sein, die mit vier Darstellern und einem Schauplatz auskommt. Erwin Bail, zweiter Prinzipal dieses Theaters, hat die einfachen, aber dem Inhalt angemessenen Kulissen gebaut und selbst die Rolle von Hauptmann Edgar übernommen.

Die körperlichen Attacken, unter denen er immer wieder zu leiden hat, scheint er sichtlich zu genießen, um so richtig aggressiv und auf alle böse sein zu können. Man hat ihn nicht zum Major befördert, die Kinder sind weggezogen und der Arzt lädt ihn nicht zu seinem Fest ein.

Als seine Frau Alice kujoniert Christine Renhardt sowohl ihren Gatten als auch das Dienstmädchen (Andrea Schwent). Mit dem „normalen“ Kurt (Thomas Bauer), der das Ganze im Grunde nicht begreifen kann, beginnt sie ein Verhältnis, bis dieser aus Mitleid mit ihrem Ehemann sie ebenfalls zurückstößt. Im Programmfolder erfährt man, dass Strindberg in dieser Darstellung seine eigenen Erfahrungen aus drei Ehen eingebracht hat, von denen ihn 1912 ein Magenkrebs endgültig befreit hat.

Andrea Schwent, Erwin Bail, Christine Renhardt © Rolf Bock
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