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Das Mordsweib vom Hunglbrunn Szenenfoto © Lukas Aigner

DAS MORDSWEIB VOM HUNGLBRUNN auf dem Weg zum Galgen

Das Mordsweib vom Hunglbrunn Szenenfoto © Lukas Aigner

Ein neues Stationentheater durch die Kriminalgeschichte des Alten Wien

40.000 Schaulustige, heute würde man sagen, Gaffer säumten den Weg vom Hohen Markt bis zur Hinrichtungsstätte bei der Spinnerin am Kreuz. Eine junge Frau, schön von Wuchs und Gesicht, wurde hinausgeführt, um am 16. März 1809 eine seltsame Premiere zu geben. Sie war das erste und einzige Weibsbild, das dort öffentlich gehängt wurde. Was hatte sie begangen? Ganz einfach; sie hatte ihren Ehemann umgebracht, und das nur einige Wochen nach der Hochzeit. Dabei hatte sie alles erfüllt, was man als grausige Tat bezeichnet. Tatwaffe war eine Hacke, mit der sie dem schlafenden Opfer schwere und leichte Verletzungen am Kopf zufügte. Ihr Weg, die Leiche zu entsorgen, hat durchaus Vorbildcharakter entwickelt. Die an sich gar nicht so kräftige Frauensperson schleppte den Erschlagenen in einer Butte einige Gassen weiter und ließ ihn dort unbekleidet liegen, um einen Raubmord vorzutäuschen. Andere zarte Damen zersägen ihre getöteten Männer und betonieren sie im Keller ein, zerteilen und verkochen sie oder versuchen sie in Salzsäure aufzulösen.

Das Mordsweib vom Hunglbrunn Szenenfoto

In Wien weiß Frau eben, wie mit unangenehmen männlichen Partnern umzugehen ist. Man beseitigt sie umgehend und wird damit zum gefürchteten Star, an den man sich wie im Falle Theresia Kandl auch nach mehr als 200 Jahren noch voller Schaudern erinnert.

Das Mordsweib vom Hunglbrunn Szenenfoto © Lukas Aigner

Für das Theater Fink mit Susita Fink & Karin Sedlak war dieser Krimi ein willkommener Anlass, nicht nur das Blutige des Geschehens aufzuarbeiten, sondern auch einen Blick auf die Verhältnisse zu werfen, denen eine Frau Anfang des 19. Jahrhunderts unterworfen war. Unterlage sind unter anderem amtliche Eintragungen. Dazu kommen Zitate sogenannter Wissenschaftler. Aus dem allen wurde ein reizvoller Gegensatz zwischen dem Ernst der damaligen Situation und einer gut gespielten Komik geschaffen.

Dass es nur einer Frau schlecht ergangen sei, ist die unübersehbare Intention der Theatermacherinnen, aber in diesen Tagen hatten die kleinen Leute, egal ob Männlein oder Weiblein, an sich nicht viel zu lachen.

 

Die Geschichte nimmt am Hohen Markt ihren Ausgang. Dort wurde Theresia Kandl zum Tod am Strang verurteilt. Martina Rittmansberger mit der Violine und Akkordeonist Walther Soyka machen den musikalische Auftakt. Mit gemütlichen Heurigenklängen stimmen sie die Schar wanderungsbereiter Zuschauer auf die tiefschwarze Gefühlswelt hinter einer Wiener Mordgeschichte ein und geigen diese bis zum bitteren Ende durch Scharen von staunenden Passanten. Mit nur vier Darstellern wird eine ganze Reihe von Rollen bestritten. So spielt Walter Kukla virtuos den Vater von Theresia, ungenannte Professoren, dazwischen ihren heißblütigen Geliebten, der ihr ein Kind anhängt, und den versoffenen Ehemann, der dramatischer als so mancher Romeo mit blutigem Schädel das Zeitliche segnet. Hauptdarstellerin aber ist eine Puppe, geschaffen von Nico Oest.

Was sich unter dem stattlichen Busen und dem adretten Dirndl tatsächlich verbirgt, wird hier nicht verraten. Aber sie macht ihre Sache ganz großartig, zumal immer einer der Mitspieler die Aufgabe hat, sie entsprechend kokett und lebendig zu präsentieren.

 

Die nächste Station ist der Schulhof, der das Publikum tatsächlich in die Zeit der Handlung zurück versetzt. Theresia und Familie werden per Fiaker dorthin verfrachtet und rollen in dieser wahrhaft stillen Gasse des Ersten Bezirks die Kindheit und Jugend der späteren Mörderin auf. Über den Hof geht es auf stimmungsvollen Umwegen zum Showdown auf dem Michaelerplatz. Wenn sie damals auch gehängt wurde, so darf Theresia Kandl auf Wiederauferstehung hoffen. Ging es dieses Mal um ihr Abschiedlied auf dem Weg zum Galgen, so darf das Mordsweib vom Hunglbrunn ab 30. August 2018 ganz in der Nähe des Originalschauplatzes in der Wiedner Hauptstraße in einer Fortsetzung dieses spannenden Zeitgemäldes als Untote ungeniert spuken.

Das Mordsweib vom Hunglbrunn Szenenfoto

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