Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


GROTESKE KOMÖDIE  Lodovico Ottavio Burnacini Ausstellungsansicht

GROTESKE KOMÖDIE Ein Star der Commedia dell´arte am Wiener Hof

Burnacini: Gestalten der Commedia dell´arte

Der schräge Blick des Lodovico Ottavio Burnacini auf seine Zeitgenossen

Ein magisches Weinfass, bedeckt mit Wein und Würsten, wandert wie von unsichtbaren Händen bewegt über eine eigens dafür errichtete Bühne und lädt den Besucher ein, sich in die seltsamen Lustbarkeiten des 17. Jahrhunderts zu vertiefen, in ein barockes Schlaraffenland, in dem ewiger Fasching herrschte. „Maitre de plaisir“ dieser Tage war am Kaiserhof der Italiener Lodovico Ottavio Burnacini, ein Theateringenieur, dem es oblag, Kostüme, Kulissen und verblüffende Maschinerien für die beliebte Commedia dell´arte für gleich drei Kaiser zu entwerfen. Als er das Amt von seinem Vater Giovanni am 21. Juli 1655 übernahm, herrschte Friedrich III., ein entsprechendes Salaire gab es aber erst ab 1659 von Leopold I., unter Joseph I. war er bereits der Star des höfischen Theaterlebens. Burnacini starb am 12. Dezember 1707 und konnte trotz schmaler Entlohnung seiner Witwe ein ansehnliches Erbe hinterlassen. Er verstand die hohe Kunst, Menschen zum Lachen zu bringen, nicht zuletzt über sich selbst. Aber er setzte sein Können auch im ernsten Fach ein. Die Pestsäule am Wiener Graben wurde von ihm mitgestaltet.

Arlecchino nach einem Entwurf von Burnacini © Luca Fantinutti 2019

Er wirkte für die Jesuiten, den gelehrten Pionieren des Theaters, und erhielt dafür Lob und Anerkennung. So schreibt Kaiser Leopold I. höchstpersönlich und enthusiastisch seinem Freund Ferdinand I. Bonaventura von Harrach „in summa habe nit baldt was bösseres gesehen.“ Durch die von seinem genialen bühnenbildnerischen Werk angefertigten Stiche in den Libretti verbreitete sich sein Ruf bald in aller Welt. Mit dem Lauf der Zeit verschwanden die Bilder jedoch in der Versenkung. Aufbewahrt werden sie heute sicher im Theatermuseum.

Magisches Fass beim Eingang zur Ausstellung

Kurator Rudi Risatti hat aus dem Bestand von 400 Handzeichnungen 125 Blätter, die sich der Groteske und Komödie widmen, ausgewählt, um sie in einer mit Details und Versatzstücken dieses Theatergenres bereicherten Ausstellung unter dem Titel „Groteske Komödie. Lodovico Ottavio Burnacini“ (bis 12. April 2021) zu präsentieren. Einen wichtigen Platz hat darin die Maske, die unsereins leider mehr als alltäglich geworden ist. In Zeiten der Pest war sie Abstandhalter zwischen den Menschen. Für die Komödianten war das Vermummen gleichzeitig eine Möglichkeit, als „Ausgestoßene“ ihr Gesicht zu wahren. Damit erhielten Masken neben ihrer Schutzfunktion den Nimbus des Komischen, der Larve, die man ungeniert belachen darf. Burnacini war ein Meister im Umgang mit der Verhüllung und setzte sie, wie seine Zeichnungen beweisen, mit höchst phantastischer Vielfalt in seinen Theaterproduktionen ein. Der Arleccino wurde zum Symbol der Commedia dell´arte, dem als verhutzelte Weiber oder bucklige Zwerge verkleidete Männer folgten. Es gab auch Frauen, die für das erotische Moment sorgten.

Sogar als Diven wurden sie gefeiert. Die Gage erhielten sie meist aber erst von ihrem Vater, Ehemann oder Bruder. Lodovico Ottavio Burnacini hat sie alle gezeichnet und gemalt, und zwar in einer derartigen Qualität, dass von Skizzen nicht mehr die Rede sein kann. Es sind Bilder mit leuchtenden Farben, die wiederum aus den besten damals erhältlichen Pigmenten hergestellt waren.

So ist auch eine Station der Ausstellung diesem Thema und der damit verbundenen Forschung gewidmet. Mineralien (Azurit oder Bergblau, Malachit oder Berggrün und Grünspan) und organische Substanzen wie im Beinschwarz sind zu sehen. Sie lassen bei eingehender Lektüre des Saaltextes verstehen, warum wir bis heute von Burnacini lebendig erhaltenen Gestalten wie dem exotischen Diener, dem eleganten Dottore oder der hässlichen Mätresse bewundernd gegenüberstehen können.

Helle Ledermasken im Stil Burnacinis
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