Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Fächer mit Abbildung von Wiener Bühnenkünstler © KHM-Museumsverband

Fächer mit Abbildung von Wiener Bühnenkünstlern © KHM-Museumsverband

VEREHRT... BEGEHRT... Versatzstücke praktizierter Theatromanie

Riki Raab (1899–1997), Statuette als Tänzerin © KHM-Museumsverband

Riki Raab, Statuette als Tänzerin © KHM-Museumsverband

Devotionalien eines Starkults um einstige Bühnengrößen im Rampenlicht der Vitrinen

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“, wollte Friedrich Schiller gewusst haben. Wie sehr er sich darin getäuscht hat, müsste der Dichterfürst angesichts der Ausstellung „Verehrt... begehrt... Theaterkult und Leidenschaft“ (bis 18.04.2022) zerknirscht eingestehen. Der Lorbeerkranz, mit dem Adolf von Sonnenthal für sein Schauspiel am Burgtheater ausgezeichnet wurde, ist nach wie vor erhalten als dauerhafter Beweis einstiger Größe. Metall verwelkt nicht. Außerdem wurde diese Ehrengabe seiner Kunstgenossen sorgsam aufbewahrt. Der geeignete Ort ist die Theatersammlung, die 1922 vom Theaterwissenschaftler Joseph Gregor (1880-1960) an der Österreichischen Nationalbibliothek gegründet wurde.

Neben ganzen Archiven, Manuskripten, Druckschriften, Autographen oder Theaterzetteln wurden so auch persönliche Erinnerungsstücke vor einem sonst unvermeidlichen Abhandenkommen bewahrt. Nach und nach entstand im Burgtheater ein Museum, das 1932 eröffnet werden konnte. Nach Wanderjahren wurde 1991 das Palais Lobkowitz Heimstätte des nunmehr so benannten „Österreichischen Theatermuseums“, das 2001 dem KHM-Museumsverband eingegliedert wurde und als „Theatermuseum“ die dort angehäuften Schätze der vergangenen Jahrhunderte in appetitlichen Happen der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Zahn der Schauspielerin Charlotte Wolter  © KHM-Museumsverband

Zahn der Schauspielerin Charlotte Wolter © KHM-Museumsverband

Schminkkästchen von Opernsänger Helge Rosvaenge © KHM-Museumsverband

Schminkkästchen enes Opernsängers © KHM-Museumsverband

Die derzeitige Schau, in der eine feine Auswahl aus einer rund 4.000 Objekte umfassenden Sammlung ins Rampenlicht der Vitrinen gerückt wurde, erforderte die obige Aufarbeitung dieser Historie. Es sind persönliche Gegenstände aus dem Besitz der Schauspieler, Alltagsgegenstände, Rollendarstellungen und Devotionalien, die den Künstlern geschenkt wurden oder von ihren Verehrern wie Heiligtümer gehütet wurden. Zwei Namen stehen im Mittelpunkt. Hugo Thimig und Hubert Marischka waren von Sammelleidenschaft besessen. Die Besucher begegnen schon beim Eingang in die Ausstellung den Flanierstöcken von Hugo Thimig, aus denen ein Griff herausragt, der als Hanswurst-Statuette geschnitzt ist. Holzwürmer waren respektlos am Werk, dennoch lässt die Figurine das Bild des Burgtheaterdirektors auferstehen, wie er mit geschwungenem Stöckchen die Ringstraße entlang spaziert und die bewundernden Blicke der Passanten genießt. Eher verspielter Natur sind die Tragantfiguren (Tragant: eine weiße, geschmacks- und geruchslose Harzmasse) von Hubert Marischka. Die karikaturhaft dargestellten Herrschaften sind Wiener Typen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die Zuckerldosen zierten.

Bambi-Auszeichnungen © KHM-Museumsverband

Bambi-Auszeichnungen © KHM-Museumsverband

„Glückssessel“ und drei „Sitzbücheln“ © KHM-Museumsverband

„Glückssessel“ und drei „Sitzbücheln“ © KHM-Museumsverband

Fächer dienten zwar hauptsächlich zum Zuwacheln frischer Luft in überhitzten Zuschauerräumen, wurden aber von den Damen zu heimlicher Konversation ebenso eingesetzt wie zum Erbetteln eines Autogramms oder, wie im Hause Marischka, als Gästebuch. Fotos, Medaillen, Uhrketten, Zigarettenetuis, sogar die abgebrochene Sohle des Stiefelabsatzes, die Gerhard Hauptmann bei einer Probe im Burgtheater verloren hatte, jede noch so winzige Kleinigkeit wurde zusammengetragen. Erhalten hat sich dazu meist eine Anekdote, die ebenfalls zu erfahren ist. Da Schauspieler bekanntlich überhaupt nicht abergläubisch sind, könnte so manches ja Glück bringen, wie der ausdrücklich als solcher bezeichnete „Glückssessel“ aus dem k. k. Hofburgtheater, der laut „Sitzbüchlein“ durchaus sehr frequentiert war. Aus jüngerer Zeit stammen die „Bambis“, die an Paula Wessely und O. W. Fischer verliehen wurden. Totenmasken, die von bedeutenden Künstlern abgenommen wurden, um authentisch deren Züge zu bewahren, bilden den besinnlichen Abschluss dieser wunderbar fürs Schauen und Staunen ausgerichteten Ausstellung.

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