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CHRISTINE DE GRANCY Fotos vom Bühnen-Auftritt der Fotografin

Annemarie Düringer, Burgtheater, 1989 © Christine de Grancy

Annemarie Düringer in "Der Schützling" von Johann Nestroy (1801-1862), Burgtheater, 1989 © Christine de Grancy

Eine dramatische Rückschau in 14 Szenen auf große Theaterzeiten

Mercedes Echerer weiß als Schauspielerin zu gut, wie vergänglich die Momente sind, in denen sie von ihrer Rolle überwältigt Großtaten geleistet hat. Es wird applaudiert, gelacht, eventuell geweint, aber wenn der Vorhang gefallen ist, dann ist das alles bestenfalls noch Erinnerung. Vielleicht spricht das Publikum noch eine Weile von diesem unvergleichlichen Erlebnis, die Darstellerin selbst mag davon noch ihren Enkelkindern erzählen, aber was ist davon sonst übrig geblieben? Damit wird auch Echerers Verehrung für Christine de Grancy verständlich. Die heute 80jährige Fotografin hat den richtigen Augenblick festgehalten, hat gerade dann auf den Auslöser gedrückt, wenn Mimik, Geste und persönlicher Ausdruck der Schauspieler zu höchster Wahrheit gelangt waren.

Erika Pluhar in "Kinder der Sonne" Akademietheater, 1988 © Christine de Grancy

Erika Pluhar in "Kinder der Sonne" von Maxim Gorkij (1868-1936), Akademietheater, 1988 © Christine de Grancy

Elisabeth Orth in "Sommergäste" Burgtheater, 1979 © Christine de Grancy

Elisabeth Orth in "Sommergäste" von Maxim Gorkij (1868-1936), Burgtheater, 1979 © Christine de Grancy

Von 1976 bis 1986 hatte der deutsche Theatermann Achim Benning die Direktion des Burgtheaters inne. Auch ihn störte die Flüchtigkeit der Theaterarbeit und er suchte nach neuen Darstellungsmöglichkeiten. Erika Pluhar schlug ihm deshalb vor, die von ihr hochgeschätzte Christine de Grancy als Fotografin zu Proben zuzulassen, mehr noch, ihr zu gestatten, sich auf der Bühne frei zu bewegen. De Grancy schaffte es trotz des Einwandes, dass ein solches Vorgehen als „grenzüberschreitend“ empfunden würde (damals gab es noch keine Livecam in den Inszenierungen), so unauffällig zu arbeiten, dass dabei die Proben in keiner Weise beeinträchtigt wurden. Man vergaß das neugierige Objektiv, dem sich damit einmalige Motive boten. Bald wurde sie als „Ensemblemitglied“ betrachtet, dem Regisseure blind vertrauten.

Elisabeth Orth und Robert Meyer in "Hotel Ultimus" Burgtheater, 1993 © Christine de Grancy

Elisabeth Orth und Robert Meyer in "Hotel Ultimus" von Georges Feydeau (1862-1921), Burgtheater, 1993 © Christine de Grancy

Tomma Wember und Josefin Platt in "Frühlings Erwachen" Burgtheater, 1980 © Christine de Grancy

Tomma Wember und Josefin Platt in "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind (1864-1918), Burgtheater, 1980 © Christine de Grancy

Das Ergebnis dieser Jahre ist nun im Theatermuseum unter dem Titel „Christine de Grancy. Sturm und Spiel. Theaterphotographie“ bis 7. November 2022 im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen. Die Dramaturgie dafür hat Mercedes Echerer geliefert. Sie erzählt in 14 Kapitel von legendären Produktionen in Burg- und Akademietheater – darunter Maxim Gorkijs Kinder der Sonne und Sommergäste, Schnitzlers Komödie der Verführung, Frank Wedekinds Frühlings Erwachen oder Nestroys Der Schützling – und einer Gastspielreise in die damalige UdSSR, die politisches Aufsehen erregen sollte. Die Fotos sind quer durch beide Räume im Erdgeschoss wie auf einer Wäscheleine in Paketen aufgehängt. Man muss hingehen und blättern, um einen jugendlichen Helmut Lohner, einen erstaunlich sympathisch wirkenden Paulus Manker, eine Orth mit Robert Meyer in Hotel Ultimus oder Erika Pluhar, Maria Bill und Kitty Speiser in Kalldewey Farce von Botho Strauß bei der Arbeit beobachten zu können.

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