Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der Verschwender Ensemble © Peter Reichert

DER VERSCHWENDER als solid getischlertes Zaubermärchen

Georg Kusztrich, Christoph Dostal, Angela Schneider © Peter Reichert

Eine berührende Phantasiereise in die Zeit, als noch Feen und dienstbare Geister unter den Menschen walteten

Es stellt sich erst im Gespräch Flottwells mit der Fee Cheristane heraus, woher sein schier unerschöpflicher Reichtum kommt. Warum diese Frau aus dem Geisterreich ausgerechnet ihn mit den Perlen aus ihrer Krone mehr oder weniger zum Verschwenden verführt, wusste vielleicht nur Ferdinand Raimund, der aus dieser überirdischen Freizügigkeit ein sehr moralisches Stück Theater für sein Publikum erdacht und geschrieben hat. Wie dem auch sei, dieser in seinen wirtschaftlichen Talenten und seiner Menschenkenntnis etwas beschränkte Julius von Flottwell hat nichts anders zu tun, als Geld und teuren Schmuck beim Fenster hinauszuwerfen. Seine überirdische Gönnerin dürfte das Problem rechtzeitig erkannt haben. Sie erbittet sich ein Jahr aus dem Leben Flottwells und setzt auf ihn den dienstbaren Geist Azur an, damit dieser eine erkleckliche Summe von ihm erbettelt, um so eine sichere Reserve für die Zeit nach dessen unvermeidlichem Ruin anzulegen. Freilich gibt es eine Reihe von Nutznießern, die erkannt haben, wie leicht und beschwingt es sich vom Vermögen anderer leben lässt.

Christoph Dostal (Flottwell), Erika Mottl (Fee Cheristane) © Peter Reichert

Sie taumeln als Parasiten von einem Fest zur nächsten Jagd oder greifen still und heimlich zu, um sich den eigenen Säckel wohl zu füllen. Was machen in so einer verderbten Gesellschaft aufrechte Typen wie Valentin und dessen resolute Braut Rosa mit, wenn sie als Bedienstete zuschauen müssen, wie der viel zu gutherzige und freigiebige Herr in sein Verderben läuft?! Als sich dieser umständehalber aus seiner Heimat zurückziehen muss, hat Valentin als gelernter Tischler zumindest die Möglichkeit, sich wieder selbständig zu machen und eine Familie zu gründen; womit seinerzeit deutlich gemacht wurde, dass unrecht Gut nicht gut gedeihen und Armsein nicht zwangsläufig eine Schande sein muss.

 

Was man heute von solcherlei Lehren hält, ist eine andere Sache. Aber der Unterhaltungsfaktor dieses Original-Zaubermärchens ist ungebrochen. Intendant Christian Spatzek hat den Verschwender nach einer erfolgreichen Serie im Theater Sommer Parndorf nach Wien Mauer transferiert und begeistert nun dort das Publikum. Er führt seine Zuschauer in eine Phantasiewelt, indem er Ferdinand Raimund einfach ernst nimmt und ihn so inszeniert, wie es sich der Autor einst erdacht haben mag. Die Kostüme (Babsi Langbein) stimmen, das Bühnenbild (Siegbert Zivny) bietet mit ein paar praktischen Tricks wie einer Tischlerwerkstatt zum Aufblättern den stimmungsvollen Hintergrund und die Texte lassen auch ohne irritierende Modernisierungen den ursprünglichen Wortwitz durchaus aktuell erscheinen. Dazu kommt ein Ensemble, das sich so richtig ins Zeug legt, um die vom Geisterreich angerichteten Verwirrungen Wirklichkeit werden zu lassen. Die „Außerirdischen“ sind Fee Cheristane (Erika Mottl) und Azur (Bernd Spitzer als Bettler, dem man sogar auf der Kärntnerstraße noch einen Euro zustecken würde).

Christoph Dostal ist ein wahrhaft freundlicher Julius von Flottwell, der jedoch der Hintertriebenheit seines Kammerdieners Wolf (Kurt Hexmann) nicht gewachsen ist. Die illustre Gästeschar sind Baumeister Sockel (Ralph Saml), Herr von Helm (Florian Schwarz) und Chevalier Dumont. Gerhard Karzel gibt diesem Nichtsnutz die elegant französische Note, mit der er sogar ein altes Weib fast um den Verstand bringt. Das Duett mit Ulli Fessl ist ein wahres Kleinod zweier großer Komödianten. Amalie (Lara Neversal) und der alte Diener Johann (Karl Maria Kinsky) erfüllen in diesem Geschehen ebenso verlässlich ihre Aufgabe wie Rosa (Angela Schneider) und deren Kinder (Sophie, Elena, Marius). Das Ganze steht und fällt aber mit Valentin, den Georg Kusztrich als handfesten Burschen anlegt, der sich gleich zu Beginn mit kräftiger Singstimme und einem Couplet einführt, um am Ende für Atemanhalten im Publikum zu sorgen, wenn er darüber sinniert, wie er reagieren würde, wenn sich der Tod einst mit Verlaub zeigt: „Da leg ich meinen Hobel hin und sag der Welt: Adje.“

Georg Kusztrich (Valentin), Angela Schneider (Rosa) © Peter Reichert
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