Kultur und Weindas beschauliche MagazinEnsemble Theatersommer Mauer (Foto aus Theater Sommer Parndorf) © Andreas Hafenscher LIEBESGESCHICHTEN UND HEIRATSSACHEN Eine Posse mit Gesang in Drey Acten
Johann Nestroy ist bekanntlich ein erstaunlicher Moralist, wenn es um die Liebe geht. Am Ende seiner Possen wird zwangsweise geheiratet, meistens gleich in einer Massenhochzeit. In diesem Stück ist es nicht viel anders, außer... Aber das macht diese Komödie spannend, ob wirklich alle zu ihrem passenden Ehegespons kommen. Denn bis es so weit ist, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst, wurde wieder eine Menge an Hindernissen im Verein mit arger Hinterlist eingebaut.
Christian Spatzek, Intendant des Theater Sommer Mauer, sorgt heuer mit seinem Ensemble für eine heitere Abrechung mit dem Standesdünkel aus alter Zeit, aber auch mit betrügerischen Umtrieben, die heute durchaus noch im Schwange sind. Hermann J. Kogler ist ein gewesener Fleischselcher, dem die Nobilitierung so sehr zu Kopf gestiegen ist, dass er – übrigens mit selbstloser Komik – zum Kasperl wird und devote Bücklinge macht, sowohl vor dem Marchese Vincelli (Kurt Hexmann lässt keinen Zweifel an der Würde seines Standes aufkommen) als auch vor dem arbeitsscheuen Subjekt namens Nebel, der sein betrügerisches Talent aristokratisch aufgewertet hat. Thomas Koziol wird in dieser Rolle den Vorgaben seines großen Vorgängers Nestroy in bissiger Eloquenz und Schwärze des Charakters absolut gerecht. Es geht um die Tochter von Fett, die in den mittlerweile verarmten Anton Buchner verliebt ist. Werden es Anna Sophie Krenn und Fabian Spatzek schaffen, Fettens Widerstand zu brechen? Das zweite problematische Liebespaar sind Alfredl (Florian Schwarz), inconito anwesender Sohn des Marchese, und Ulrike Holm (Ivana Urban), eine Verwandte von Fett. Eine einfache Frau kann doch nicht so mir nichts dir nichts in den Hochadel hineinheiraten. Lucia Distel wäre mit dem umtriebigen Nebel an sich zufrieden und verfügte auch über die entsprechenden Vorräte an Gulden, die der Nichtsnutz als Ehemann hinauswerfen könnte.
Theater Sommer Mauer 2025 Liebesg´schichten und Heiratssachen Posse mit Gesang in Drey Acten von Johann Nestroy
BESETZUNG: Dorothea Parton, Anna Sophie Krenn, Anna Sagaischek, Ivana Urban, Hermann J. Kogler, Thomas Koziol, Florian Schwarz, Erhard Hartmann, Christian & Fabian Spatzek, Sissi Gotsbachner, Musik: Frizz Fischer
Täglich vom 27. August bis 31. August 2025 in der VHS Mauer (Altes Rathaus Mauer), Speisingerstrasse 256, 1230 Wien. Beginn: 19 Uhr Abendkasse ab 17:45 nur Barzahlung
Kartenbestellungen per Tel. 0660 9801230 oder per E-Mail (Button unten anklicken!):
Dauer des Stücks: ca 1h 50min. Es gibt eine Pause und einen kleinen Heurigenstand, der Würstel & Getränke verkauft
Rückblick auf 2024 UNVERHOFFT Ein Baby sorgt für gröbere Verwirrung
Der nun folgende große Rest dieser 1845 uraufgeführten Komödie dreht sich um die Auffindung der Eltern dieses provisorisch in Servietten gewickelten Eindringlings in die Idylle des Hagestolzes. Eine Visitenkarte mit handschriftlichem Eintrag schafft zusätzlich Verwirrung und bringt den Fabrikanten Walzl samt Gattin ebenso ins Spiel wie den Modewarenhändler Falk. Dessen Tochter Marie und der allseits gut vernetzte Handlungsreisende Berg sind ebenso darubverwickelt wie die Mädchen einer Strohhutfabrik oder der Maler Arnold, der als Kavalier sein Leben in einem Duell aufs Spiel setzt.
Erinnerung an das Jahr 2023 Der zerbrochene Krug, Ensemble © Peter Kammerhofer DER ZERBROCHNE KRUG Launiger Zivilprozess mit Selbstanklage
Just an dem Tag, als die leidige Sache mit dem in Scherben gegangenen Krug an seinem Gericht eingebracht wird, wird das Erscheinen von Gerichtsrat Walter angekündigt. Es treffen alle nur denkbaren Widrigkeiten aufeinander, um Dorfrichter Adam in die Bredouille zu bringen. Aber was hatte der alte Depp in der Kammer des blutjungen Evchens verloren, als deren Verlobter, der ungehobelte Bauernbursch Ruprecht Tümpel, spät nachts seine Braut besuchen will. Die Flucht wird bekanntlich zum Desaster, das ihn am folgenden Morgen am Kopf zerschlagen, im Gesicht zerkratzt und am Bein verwundet aufwachen lässt. Dass im überhasteten Rückzug die Perücke, das Hoheitszeichen seines Amtes, verloren geht, ist so besehen nicht mehr als ein Kollateralschaden. Heinrich von Kleist hat in „Der zerbrochne Krug“ genüsslich dargestellt, wie sich ein banaler Zivilprozess zur vernichtenden Selbstbeschuldigung einer zweifelhaften, weil korrupten Autorität auswächst. So besehen tut es zu allen Zeiten gut, zuzusehen, wie am Ende doch die Gerechtigkeit siegt und nicht vor „denen da oben“ halt macht.
Wenn Christian Spatzek diese Komödie zuerst für Parndorf und dann für den Theater Sommer Mauer ausgewählt hat, dann darf eine dem Werk getreue Inszenierung erwartet werden. Die Blankverse von Heinrich Kleist mögen im ersten Moment veraltet klingen, werden aber nicht zuletzt durch das Ensemble mit frischem Leben erfüllt und machen die Aufführung zu einem theaterhistorischen Erlebnis. In der von Siegbert Zivny mit Delfter Fliesen verzierten Amtsstube wartet Hermann J. Kogler als Schreiber Licht mit geduldiger Hinterlist auf seine Beförderung zum Dorfrichter.
Mir träumt’, es hätt’ ein Kläger mich ergriffen, Und schleppte vor den Richtstuhl mich; und ich, Ich säße gleichwohl auf dem Richtstuhl dort, Und schält’ und hunzt’ und schlingelte mich herunter, Und judicirt den Hals ins Eisen mir. ![]() Statistik |