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JAKOB, FRANZ UND RUDOLF VON ALT. Ausstellungsansicht

JAKOB, FRANZ UND RUDOLF VON ALT. Ausstellungsansicht

JAKOB, FRANZ UND RUDOLF VON ALT Bilder wie ein Guckkasten ins 19. Jh.

Franz Alt Das Alte Kärntnertortheater, 1873 © Albertina Wien

Franz Alt Das Alte Kärntnertortheater, 1873 © Albertina Wien

Die seltene Gelegenheit, sich im Zauber von Aquarellen zu verlieren

Am Kaiserhof in Wien hat man künstlerisch gefertigte Ansichten hoch geschätzt, egal ob sie das eigene Reich oder die schönsten Plätze aus aller Welt zeigten. Der Biedermeier-Kaiser Ferdinand I. liebte den Guckkasten, der mit optischen Täuschungen, in erster Linie waren es ein Hohlspiegel und eine raffinierte Beleuchtung, das an sich flache Bild zur räumlichen Wahrnehmung erweiterte. Die besten Maler seines Landes wurden beauftragt, dafür geeignete Vorlagen zu schaffen, so auch Jakob Alt (1789-1872), der beispielsweise das faszinierende Farbenspiel der Blauen Grotte auf der Insel Capri einzufangen vermochte. Seine Technik war das Aquarell, in der ihm seine Söhne Rudolf (1812-1905) und Franz (1821-1914) nachfolgten. Beide Brüder übertrafen nach Meinung von Kunstexperten den Vater bald an Virtuosität und Ausdruckskraft. Die adelige Gesellschaft Wiens war verrückt nach den Veduten von Franz Alt, wenngleich sein älterer Bruder heutzutage als der bedeutendere Aquarellist und größte Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts gilt. An Rudolf wurde auch ein Adelstitel verliehen. Er ist als „von Alt“ in die Kunstgeschichte eingegangen.

Jakob Alt Die Blaue Grotte auf der Insel Capri © Albertina Wien
Jakob Alt Das Palais Herzog Alberts © Albertina Wien

o.: Jakob Alt Das Palais Herzog Alberts auf der Augustinerbastei, 1816 Feder in Schwarz, Aquarell © ALBERTINA, Wien

l.: Jakob Alt Die Blaue Grotte auf der Insel Capri (Guckkastenblatt), um 1835/36 © Albertina Wien

Da es sich bei deren Werken ausschließlich um Arbeiten auf Papier handelt, verbringen sie die meiste Zeit in sicheren Mappen, um ihre Leuchtkraft zu erhalten. Wenn nun in der Albertina unter dem Titel „Jakob, Franz und Rudolf von Alt“ (bis 29. Jänner 2023) eine beeindruckende Auswahl des Œuvres dieser Künstlerfamilie wieder dem Licht der Tietze Galleries ausgesetzt wird, sollte man diese besondere Gelegenheit nicht verpassen. Es beginnt mit der Wiener Vedute, in diesem Fall also der wirklichkeitsgetreuen Darstellungen einer Stadt. Erläuterungen gibt es dazu auf begleitenden Wandtexten, aus denen unter anderem zu erfahren ist, dass es sich dabei um eine neue Art der Landschaftsmalerei, im Gegensatz zur „Ideallandschaft“, handelt. Es folgen Reisebilder aus Italien und Dalmatien, dessen Küste die beiden Brüder bereist haben, um sowohl für den Guckkasten, als auch für den Verleger Heinrich Friedrich Müller und dessen Ansichtswerk „Das pittoreske Oesterreich“ Material zu sammeln. Zu lesen ist auch von einer Schaffenskrise Rudolfs, die mit einem Ortswechsel im Auftrag des russischen Zarenhofs auf die Krim überwunden wurde. Sein wahres Genie, so heißt es weiter, entfaltete sich ab 1869, als Rudolf die Natur mit einem neuen Konzept zu erfassen begann. Franz wiederum erhielt 1873 den ehrenhaften Auftrag, „Wien im Jahr der Weltausstellung“ festzuhalten, was uns Ansichten der Stadt wie das „Kaiserforum“ ermöglicht, die so architektonisch (glücklicherweise) nie verwirklicht wurden.

Rudolf von Alt, Der Dachstein im Salzkammergut vom Vorderen Gosausee, 1838 © Albertina Wien
Rudolf von Alt, Interieur im Palais Harrach auf der Freyung in Wien, 1844 © Albertina Wien

o.: Rudolf von Alt, Interieur im Palais Harrach auf der Freyung in Wien, 1844 © Albertina Wien

l.: Rudolf von Alt, Der Dachstein im Salzkammergut vom Vorderen Gosausee, 1838 © Albertina Wien

Nachdem in dieser Familie offenbar nomen est omen gegolten hat, beschließen Alterswerke des mit 93 Jahren verstorbenen Rudolf den zauberhaften Rundgang. Der inzwischen gebrechlich gewordene Herr konnte in den letzten Lebensjahren seine Wohnung nicht mehr verlassen. Aber er malte. Daher wissen wir ganz genau und aus mehreren Versionen, wie es in der Skodagasse ausgesehen hat und was sich in der gegenüberliegenden Eisengießerei Kitschelt tagsüber abgespielt hat. Zum Zählen seiner Schöpfungen hatte Rudolf von Alt nach eigenen Angaben keine Zeit, da er, wie er selbst sagte, stets arbeiten musste. Es könnten so um die 5000 Bilder sein, in denen er mit Aquarellfarben und virtuos geführtem Pinsel bildwürdige Motive seiner Zeit festgehalten hat.

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