Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Care Matters, Ausstellungsansicht

Care Matters, Ausstellungsansicht, links: Heat it up! rechts: Bitte leise putzen

CARE MATTERS Feminismus von der Avantgarde bis heute

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Recicling Female #6

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Recicling Female #6

Die SAMMLUNG VERBUND, Wien holt die übersehenen Leistungen von Frauen kunstvoll aus dem Schatten.

Künstlerinnen sind unerbittliche Kämpferinnen für die Anliegen der Frauen. Sie setzen ihre Fantasie und ihre Kreativität kraftvoll ein, wenn es darum geht, von ihnen wahrgenommene gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Schieflagen zwischen den Geschlechtern sichtbar zu machen. Begonnen hat dieses Engagement mit der feministischen Avantgarde in den späten 1960er- und 1970er-Jahren. Der weibliche Körper wurde vom voyeuristischen Blick auf den ästhetischen Akt gelöst und damit in einer teils schockierenden Weise der Sicht auf sich selbst präsentiert. Ein großes Thema war und ist auch die Gleichberechtigung, die Malerinnen und Bildhauerinnen nicht den Sonntagsreden der Politik überlassen wollen. In ihren Werken werfen sie Fragen auf, die ehrliche Antworten erheischen. Wer erledigt unter prekären Verhältnissen genau die Arbeit, die ein gedeihliches Zusammenleben überhaupt erst ermöglicht? Wer kümmert sich um die Kinder oder am anderen Ende unseres Daseins um pflegebedürftige Alte? Der Platz am heimischen Herd ist auch nach Aktionen wie „Halbe Halbe“ eher noch von der sogenannten Hausfrau besetzt und wer bügelt das Hemd des Gatten?

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Hausfrauen Küchenschürze

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Hausfrauen Küchenschürze

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Abwaschskulptur

Care Matters, Ausstellungsansicht, vorne: Abwaschskulptur

Der Titel „CARE MATTERS“ bringt diese Anliegen mit einem Wort auf den Punkt: Sorge! Es ist Kunst aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, die in den Tietze Galleries der Albertina bis 28. Juni 2026 diesem Begriff in seiner breiten Bedeutung auf den Grund geht. Man kann sich Sorgen machen, wegen etwas oder jemanden, man sorgt aber auch um andere Menschen oder Tiere, wenn diese unsere Zuwendung brauchen. Diese zweite Bedeutung von Sorge ist eher weiblich konnotiert. Sie passiert zumeist im Verborgenen, versteckt in der Familie, ist aber die Garantie für das Überleben in einem von beiden Geschlechtern getragenen Alltag.

Care Matters, Ausstellungsansicht, Mitte: Am liebsten trage ich ein Bügelbrett

Care Matters, Ausstellungsansicht, Mitte: Am liebsten trage ich ein Bügelbrett

Care Matters, Ausstellungsansicht, Fotos: Die Abwesenheit von zwei

Care Matters, Ausstellungsansicht, Fotos: Die Abwesenheit von zwei

Kuratiert wurde die Ausstellung von Gabriele Schor, der Gründungsdirektorin der Sammlung. Den Anfang macht ein unscheinbares Foto von Margot Pilz aus 1973. Im Flur eines Palais lehnt selbstbewusst der Hausmeister, während in seinem Schatten eine Frau nahezu verschwindet. Aus 2024 stammt dagegen „Recicling Female #6“ von Nicole Wermers. Dieser weibliche Akt ist nicht zu übersehen. Er thront liegend auf einem Putzwagerl und strahlt in seiner prallen Nacktheit beinahe beängstigendes Selbstbewusstsein aus. Haben sich die Zeiten geändert?

Diese Entscheidung obliegt dem Publikum bei seiner Promenade vorbei an 50 Werken österreichischer und internationaler Künstlerinnen und ein paar männlichen Positionen. Die Küche ist einer dieser Orte, der für diesbezügliche Inspiration sorgt. Birgit Jürgenssen hat 1975 die „Hausfrauen Küchenschürze“ erfunden, ein praktisches Kleidungsstück mit Herdplatte und Backofen zum Umhängen. Aus 2022 stammt „Care Catering“ von Lena Henke mit übergroßen Abgüssen von Küchenmaschinen, die in einer Sichtachse über die „Abwaschskulptur“ von Nicole Wermers zu Fotos wie der auf dem E-Herd hockenden „Sabine“ von Rosemarie Trockel verweisen. Angesprochen wird auch Rassismus als Verstärker der Unterdrückung beispielsweise mit der an einem Supermankostüm arbeitenden schwarzen Frau unter „They don´t make them like they used to“ von Mary Sibande, die Altenpflege als weibliche Domäne (ergreifend vertreten von Frida Orupabo mit „Helping Hands“ 2022) oder dem versöhnlich freundlichen Wäscheständer „Heat it up!“ von Anna Schölß, bei dem der Wäscherin auf einer netten Stickerei „Bitte leise putzen“ (Christine Lederer, 2020) aufgetragen wird und damit das Programm dieser Ausstellung in kurzer prägnanter Form zusammengefasst ist.

Frida Orupabo Helping Hands [Helfende Hände], 2022

Frida Orupabo Helping Hands [Helfende Hände], 2022

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