Kultur und Weindas beschauliche MagazinCare Matters, Ausstellungsansicht, links: Heat it up! rechts: Bitte leise putzen CARE MATTERS Feminismus von der Avantgarde bis heute
Künstlerinnen sind unerbittliche Kämpferinnen für die Anliegen der Frauen. Sie setzen ihre Fantasie und ihre Kreativität kraftvoll ein, wenn es darum geht, von ihnen wahrgenommene gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Schieflagen zwischen den Geschlechtern sichtbar zu machen. Begonnen hat dieses Engagement mit der feministischen Avantgarde in den späten 1960er- und 1970er-Jahren. Der weibliche Körper wurde vom voyeuristischen Blick auf den ästhetischen Akt gelöst und damit in einer teils schockierenden Weise der Sicht auf sich selbst präsentiert. Ein großes Thema war und ist auch die Gleichberechtigung, die Malerinnen und Bildhauerinnen nicht den Sonntagsreden der Politik überlassen wollen. In ihren Werken werfen sie Fragen auf, die ehrliche Antworten erheischen. Wer erledigt unter prekären Verhältnissen genau die Arbeit, die ein gedeihliches Zusammenleben überhaupt erst ermöglicht? Wer kümmert sich um die Kinder oder am anderen Ende unseres Daseins um pflegebedürftige Alte? Der Platz am heimischen Herd ist auch nach Aktionen wie „Halbe Halbe“ eher noch von der sogenannten Hausfrau besetzt und wer bügelt das Hemd des Gatten?
Der Titel „CARE MATTERS“ bringt diese Anliegen mit einem Wort auf den Punkt: Sorge! Es ist Kunst aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, die in den Tietze Galleries der Albertina bis 28. Juni 2026 diesem Begriff in seiner breiten Bedeutung auf den Grund geht. Man kann sich Sorgen machen, wegen etwas oder jemanden, man sorgt aber auch um andere Menschen oder Tiere, wenn diese unsere Zuwendung brauchen. Diese zweite Bedeutung von Sorge ist eher weiblich konnotiert. Sie passiert zumeist im Verborgenen, versteckt in der Familie, ist aber die Garantie für das Überleben in einem von beiden Geschlechtern getragenen Alltag.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Gabriele Schor, der Gründungsdirektorin der Sammlung. Den Anfang macht ein unscheinbares Foto von Margot Pilz aus 1973. Im Flur eines Palais lehnt selbstbewusst der Hausmeister, während in seinem Schatten eine Frau nahezu verschwindet. Aus 2024 stammt dagegen „Recicling Female #6“ von Nicole Wermers. Dieser weibliche Akt ist nicht zu übersehen. Er thront liegend auf einem Putzwagerl und strahlt in seiner prallen Nacktheit beinahe beängstigendes Selbstbewusstsein aus. Haben sich die Zeiten geändert?
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