Kultur und Weindas beschauliche MagazinAnni Albers, Constructing Textiles, Ausstellungsansicht ANNI ALBERS Nützliche Objekte werden zu Kunstwerken
Eine Ausstellung, die von Teppichen, Stoffmustern und weitergehenden textilen Designs dominiert wird, ist im Unteren Belvedere eine Überraschung. Die Leitung des Kunstmuseums hat sich jedoch für dieses Crossover mit der Angewandten entschieden, um eine hierzulande unbekannte Künstlerin seinem Klimt & Co. gewohnten Publikum nahezubringen. Die Rede ist von der 1899 in Berlin geborenen Anni Albers. Ihre Ausbildung begann 1922 am Bauhaus, in der sie mit der Weberei Handwerk und Kunst verband. Sie interessierte der experimentelle Umgang mit neuen Materialien, immer aber mit dem „Blick auf den Faden“, von dem sie sich leiten ließ. Anni wurde zur stellvertretenden Leiterin der Werkstatt und heiratete den Bauhaus-Künstler und –Lehrer Josef Albers. Die politischen Umstände in Deutschland, die auch die Schließung der Schule zur Folge hatten, ließen das Ehepaar 1933 in die USA emigrieren. In Übersee stellte sich prompt der Erfolg ein. Ihr Werk wurde in Ausstellungen gefeiert, die einen ersten Höhepunkt in einer Einzelpräsentation im Museum of Modern Art in New York erreichten. Erzeugnisse aus Stoff können zugleich Gebrauchsgegenstände wie auch eigenständige Kunstwerke sein. Analogien dazu fand Anni Albers auf Reisen nach Mexiko, Peru und Chile. Die dabei gesammelten Textilfragmente verrieten eine über den alltäglichen Gebrauch weit hinausgehende Bedeutung, da sie den Status ihres Trägers in Muster, Farbe und Material signalisierten;
Ausstellungsansicht "Franz Xaver Messerschmidt. Mehr als Charakterköpfe", Unteres Belvedere Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien FRANZ XAVER MESSERSCHMIDT Zeitlose Kopfstücke für die Mitmenschen
Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) schuf sich bereits als barocker Bildhauer einen guten Namen. Von ihm stammen u. a. die mit allen Insignien ausgestatteten Statuen des Herrscherpaares Maria Theresia als Königin von Ungarn und Franz I. Stephan aus dem Hause Lothringen als deutscher Kaiser. Der Künstler konnte sich jedoch den aufkommenden Gedanken der Aufklärung nicht entziehen und begann die Menschen als Individuen, unabhängig von ihren Titeln und Ämtern, sogar ohne die damals unabdingbare Perücke zu porträtieren. Die Auftraggeber schätzen offenbar diese Wahrheitsliebe. Neben erlauchten Häuptern entstanden unter seinem Meißel Büsten der Ärzte Gerard van Swieten und Franz Anton Mesmer oder die des Schriftstellers Franz Christoph von Scheyb; also durchwegs von Persönlichkeiten, die nicht von der Geburt, sondern allein von ihrer Geisteskraft zu Bedeutung gelangt waren.
Berühmt geworden ist Franz Xaver Messerschmidt allerdings durch ein Kuriosum. Der intensive Blick auf die Modelle hatte ihn wohl gereizt, auch deren komische Details in Stein zu hauen oder in Metall zu gießen. In großer Zahl entstanden seine „Kopfstücke“, die im weiteren Sinn des Wortes durchaus als schmerzhafte Malträtierung des Hauptes zu verstehen sind. Im Barock hatte man diebische Freude an grotesken Darstellungen sogenannter Zwerge, über die man sich in Parks oder als Radierungen in den Salons lustig machte. Messerschmidt zeigte den Spöttern nun deren eigene Visage, ohne allerdings Namen zu nennen. Die heute aufgrund woker Political Correctness als Charakterköpfe bekannten 49 Skulpturen bekamen im Lauf der Zeit eigenwillige Bezeichnungen, teils von einer übertriebenen Emotion, von komischer Mimik oder einem fragwürdigen Geisteszustand inspiriert. Sie wurden dem Gaudium des Publikums ausgesetzt und trotz Nachfrage auf dem privaten Markt von der Akademie der bildenden Künste in Wien noch 1825 abgelehnt.
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