Kultur und Wein

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Nepal Art Now Ausstellungsansicht

NEPAL ART NOW Moderne Kunst in alter Tradition verankert

Fly High Ang Tsherin Sherpa 2018 © Ang Tsherin Sherpa, Foto: Fotohollywood

Erstmals eine Ausstellung außerhalb des Landes am Himalaya

Kathmandu ist die Hauptstadt von Nepal, dem für uns noch mit vielen Geheimnissen erfüllten Staat. Am ehesten kennt man ihn von den Bergsteigern, die einmal auf dem höchsten Berg der Welt stehen wollen, auf dem Mount Everrest. Dass es in diesem Reich, in dem man buddhistische Klöster und hinduistische Tempel erwarten darf, nicht nur die von diesen Religionen ausgehenden Artefakte gibt, ist eher überraschend. Aber seit den 1950er-Jahren hat sich in diesem Bergland trotz wilder politischer Umbrüche eine Szene entwickelt, die eine zwar vom Westen beeinflusste, in ihrer Ausprägung aber sehr selbständige und auf die geistige und religiöse Tradition fußende zeitgenössische Kunst entwickelt hat. Die Spannung zwischen diesen beiden Polen macht den Reiz dieser Werke aus, die derzeit unter dem Titel „Nepal Art Now“ (bis 6. November 2019) im Weltmuseum Wien zu erleben sind. Das Tüpferl auf dem i ist die Tatsache, dass es sich dabei mit diesen rund 130 Arbeiten um die erste umfassende Schau außerhalb des Landes handelt.

Mona Lisa and Manuj Babu Manuj Babu Mishra 2006 © Prithivi Bahadur Pande, Foto: Kailash K Shrestha

Wien spielt also eine Art Vorreiterrolle. Zu verdanken haben wir diese Pioniertat dem Direktor des Weltmuseums Christian Schicklgruber, die, wie er anlässlich der Eröffnung erzählt hat, aus Gründen eines ethnografischen Austausches das Hochland im Himalaya besucht hat. Er war von den Werken zeitgenössischer Künstler fasziniert und wurde von deren Wirkung und Ausdruck sofort an Immanuel Kants Begriff einer universellen Ästhetik erinnert. Das Museum am Ring wird damit seiner Rolle als internationaler Ort der Begegnung in einer Weise gerecht, die über völkerkundliche Präsentationen hinausgeht und einen uns mehr oder weniger doch fremden Kulturkreis in seiner unmittelbaren Gegenwart lebendig nahebringt.

Shambhala Ang Tsherin Sherpa 2013 © Ang Tsherin Sherpa, Foto: Kevin Wright

Über 40 nepalesische Künstler wurden eingeladen, ihre Werke in Wien zu zeigen. Deren Namen sagen uns freilich noch wenig, spielen auch beim Betrachten ihrer Schöpfungen wenig Rolle. Es ist eher der Gesamteindruck dieser Ausstellung, der einen faszinierenden Eindruck beim Besucher hinterlässt. Lain Singh Bangdel, Laxman Shresta, Ang Tsherin Sherpa Ashmina Ranjit oder Hit Man Gurung sind einige Beispiele der in Nepal bereits als arriviert geltenden Künstler. Neben ihnen gibt es etliche entdeckenswerte Newcomer.

Einige von ihnen haben Akademien außerhalb Nepals besucht, sind weit gereist und haben sich in den verschiedensten Teilen der Welt neue künstlerische Praktiken angeeignet. Sie befassen sich durchaus mit aktuellen Themen wie Feminismus, dem Elend der Arbeitsmigration, politisch motivierter Gewalt oder mit dem verheerenden Erdbeben des Jahres 2015. Das alles hat aber der Erdung in der Kultur und den Traditionen Nepals keinen Abbruch getan. Immer stehen dahinter die Gottheiten und Dämonen, die wesentlich zur Gedankenwelt eines Nepalesen gehören.

Peace Owners II Sunil Sigdel 2016 © Yogeshwar Amatya, Foto: Sunil Sigdel

Pramila Giri, eine bescheidene, ruhige Frau, ist mit Bildern und Metallarbeiten vertreten. Ihre Tibet Series I und II erinnern frappant an Gemälde von Friedensreich Hundertwasser. Darauf angesprochen, sagt sie, dass sie den österreichischen Künstler nicht kennt. Trotzdem hat sie zu einer ähnlichen Bildsprache gefunden.

Der Malduktus kennt offenbar keine nationalen Grenzen, sondern orientiert sich einfach am Willen seines Ausdrucks. Aus Bronze und Kupfer sind die in ihrer gewaltigen Reduktion auffallenden Skulpturen. Sie deutet auf eine gegenüber hängende Maske des Gottes Bhairav, einer Ziselierarbeit von Rabindra Shakya, und erklärt dazu, dass diese Gestalt auch bei ihren Arbeiten dahintersteht, wenn sie diese mit „Protector“, „Sound of Silence“ und „Shenta Bhairav II“ betitelt.

Ausführlich nachzulesen sind die Gedanken dieser Künstlerin im Katalog, der diesmal von den Beteiligten selbst verfasst wurde. Sie erzählt darin, dass Bhairav als destruktiver Aspekt des höchsten Gottes Shiva verehrt wird. Dabei erinnert sie sich, dass sie ihre erste intime Begegnung mit in Stein gemeißelten Bhairav-Bildern im Kathmandutal hatte und darin die Kreativität und Vielfalt in der für sie eindrucksvollen traditionellen Ikonographie entdeckte. Die Inspirationsquelle ihrer absolut international anmutenden Arbeitsweise sind dennoch die beiden Hauptreligionen Buddhismus und Hinduismus, die, wie sie glücklich feststellen darf, in einem Schmelztiegel für verschiedene ethnische Gruppen und Kasten mit gegenseitigem Respekt gelebt und praktiziert werden.

Marilyn - Kali Manish Harijan 2017 © Gail Baker
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