Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schwertständer mit Tiger und Drachen-Motiv (Detail) © KHM-Museumsverband

Japan zur Meiji-Zeit in der Sammlung Heinrich von Siebold erleben

Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Geist und Seele in die aufgehende Sonne schwingen lassen

Ein goldener Altar lädt zu einer Verbeugung ein, zu einem ehrfürchtigen Gruß, wie ihn die Japaner ihrem Gegenüber entbieten. Es erscheint beinahe als Banalität, sich nach der Infotafel zu bücken, um nachzulesen, worum es bei dieser Anordnung von Buddha-Statuen geht. Vielmehr wäre angebracht, ein Weihrauchstäbchen anzuzünden und in stiller Andacht zu verharren, bis das Gegenüber von selbst zu sprechen beginnt. Da es sich jedoch um einen Teil der Ausstellung des Wiener Weltmuseums handelt, steht die Vermehrung des Wissens im Vordergrund. Es handelt sich um eine Buddha Amitabha Trinität, deren mittlere Amida Nyorai Statue und die beiden flankierenden Bodhisattva Figuren unterschiedliche Werkstile aufweisen. Das praktische Booklet, das die Besucher durch das „Japan zur Meiji-Zeit“ (bis 10. Mai 2020) begleitet, weiß noch viel mehr dazu, angefangen vom Faltenwurf und dem pummeligen runden Gesicht der zentralen Gestalt, die Werken aus dem späten 12. und 13. Jahrhundert nachempfunden ist, bis zu eingehenden Beschreibungen der flankierenden Ryōko Jizō.

月琴 Gekkin (Mondlaute) © KHM-Museumsverband

Sie zeichnen sich wiederum durch ihre längliche Kopfform sowie ihren sanftmütigen Gesichtsausdruck aus und sind der Edo-Periode zuzurechnen. Freilich ist es uns nur ahnungsvoll möglich, in diesen fremden Kosmos einzutauchen. Es beginnt bereits bei Sprache und Schrift, die den meisten von uns unzugänglich sind, bis zu den Gedanken dieser Menschen, die solche Kunst geschaffen haben. Dennoch findet sich bald ein Draht der Kommunikation, der die Faszination dieser fernöstlichen Artefakte zu übertragen imstande ist.

Heinrich Freiherr von Siebold in japanischer Tracht  © Siebold-Archiv Burg Brandenstein

Schon im 19. Jahrhundert war der Japanforscher Philipp Franz von Siebold davon erfasst und mehr noch sein Sohn Heinrich von Siebold, der mit seinem Vater bereits als Jugendlicher nach Japan gekommen war und dort den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Japan befand sich im Übergang vom Shogunat zur Meiji-Zeit (1868-1912), in der es zu einer Öffnung und einer neuen Politik des Landes kam. Nach seiner Rückkehr nach Europa schenkte Heinrich Siebold seine Sammlung an japanischen Objekten Kaiser Franz Joseph für das k. u. k. Naturhistorische Hofmuseum und erhielt dafür den Freiherrentitel. Bis heute bildet sie einen der Grundbestände der ostasiatischen Sammlung des Weltmuseums Wien. Drei historische Objekt-Fotografien aus dem 19. Jahrhundert waren nun Anlass, die Geschichte der Sammlung zu rekonstruieren und in einer Ausstellung aufzuarbeiten. Drei Räume und ebenso viele große Themenbereiche bringen Übersicht in die Präsentation, die mit Keramiken und Landwirtschaftsgeräten beginnt. Es folgen Waffen und kunstvolle Lackkästen.

Abgelöst werden sie von Musikinstrumenten und Bronzegefäßen. An einer Station ist zu hören, wie mit Yakumogoto (zweisaitige Wölbbrettzither), Shamise (Zupfinstrument) oder Shakuhachi (Flöte aus Bambus) aufgespielt wird und man kann sich durchaus vorstellen, wie sich dabei die Jugend der Hofgesellschaft mit Yokome-Ôgi, einem aus Zypressenholz gefertigten prächtig bemalten Fächer, kühle Luft zugefächelt hat und die Mädchen dabei stolz die in Form einer Blume gefertigten Hana-Kanzashi (Haarnadeln) zur Schau getragen haben.

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