Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Alma M. Karlin © Weltmuseum Wien

Ausstellungsansicht Alma M. Karlin © Weltmuseum Wien

ALMA M. KARLIN Einsame Weltreise einer mutigen Frau

Alma mit Fächer © NUK

Alma mit Fächer © NUK

Eine Altösterreicherin mit dem unbestechlichen Blick auf das Große und Ganze

Reiseberichte haben regelmäßig ihre Leser. So hatte auch die 1889 in Celje (damals noch in der Monarchie gelegen) als späte Tochter deutschsprachiger Eltern geborene Alma M. Karlin mit ihrer Reisetrilogie seinerzeit internationale Bekanntheit erworden. Die Zeitumstände vergällten ihr allerdings den Erfolg. Sie lehnte die Nationalsozialisten, die im Zweiten Weltkrieg ihre Heimat besetzten, ebenso ab wie die Kommunisten, die diesen nach 1945 im neu entstandenen Jugoslawien folgten. Den Partisanen, die ihre Liquidierung geplant hatten, konnte sie entkommen, nicht aber der Anfeindung als Deutsch schreibende Schriftstellerin in einer Nation, die sich den Slawismus auf ihre Fahnen geheftet hatte. Ihre große Weltreise hatte sie aber bereits davor angetreten. Sie war Einzelgängerin. Eine Frau, die alleine in fremden Ländern unterwegs ist, war 1919 durchaus noch ein Kuriosum, das weniger bewundert als kritisch betrachtet wurde.

Ausstellgungsansicht Alma M. Karlin

Ausstellgungsansicht Alma M. Karlin

Von Alma M. Karlin zusammengestelltes zehnsprachiges Wörterbuch © Weltmuseum Wien

Von Alma M. Karlin zusammengestelltes zehnsprachiges Wörterbuch © Weltmuseum Wien

Finanzielle Unterstützung durfte sie nicht erwarten. Sie suchte sich in den acht Jahren, in denen sie unterwegs war, immer wieder Arbeit und Einkünfte, ob als Lehrerin, Übersetzerin – sie beherrschte acht Sprachen – oder als Journalistin. Begleitet wurde sie von „Erika“, ihrer Schreibmaschine, auf der sie ihre Tagebücher und damit die Unterlagen für ihre späteren Bücher tippte. Sie führte Interviews, sammelte Daten und Eindrücke und vergaß nicht auf die Abenteuer, die ihr das Unterwegssein streckenweise zu einer gefährlichen und lebensbedrohlichen Unternehmung machten.

 

Heute gilt sie in Slowenien als große Tochter des kleinen Staates. So kam es auch, dass seitens der Botschafterin das Ansinnen an das Weltmuseum gestellt wurde, Alma M. Karlin eine Ausstellung zu widmen. Dank gedeihlicher Zusammenarbeit mit dem Regionalmuseum Celje kann nun bis 18. Jänner 2022 die Schau „Alma M. Karlin. Einsame Weltreise“ gezeigt werden.

Alma mit ihrer Schreibmaschine Erika © NUK

Alma mit ihrer Schreibmaschine Erika © NUK

Alma in Yukata Kleid © NUK

Alma in Yukata Kleid © NUK

Wandtexte vermitteln das Wissen um die Person dieser bemerkenswert mutigen Frau, aber auch Auszüge aus ihren Reisebeschreibungen, die Lust machen, sich ihre Bücher zu besorgen und ihr auf den verschlungenen Pfaden durch die Welt der 1920er-Jahre zu folgen. Dazu kommen Fotos und vor allem Artefakte, die sie in ihrem Gepäck mit nachhause brachte und die sich auf den ersten Blick wie eine eigene ethnologische Sammlung ausnehmen. Das alles soll dazu beitragen, eine Altösterreicherin – ihr Vater war pensionierter Major der Österreichisch-Ungarischen Armee – wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und als wesentlichen Mosaikstein in unser Bild der jüngeren Vergangenheit einzufügen.

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