Kultur und Wein

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Azteken Ausstellungsansicht

AZTEKEN Menschen und Götter, Moctezuma und Penacho

Azteken Ausstellungsansicht © Foto: KHM-Museumsverband

Das aufschlussreiche Treffen mit einem sagenhaften Volk, seiner Kultur und Religion

Man fragt sich, wie es dem Spanier Hernán Cortés und knapp 400 Soldaten gelingen konnte, ein kriegerisches und angeblich grausames Volk wie die Azteken anno 1519 im Handstreich zu erobern. Die schlüssige Antwort darauf ist nur der Beginn einer Ausstellung, die bis 13. April 2021 den Azteken gewidmet ist. Das Zentrum des einst etliche Millionen zählenden Volkes war die auf Inseln im Texoco-See gebaute Siedlung Tenochtitlán, das heutige Mexiko-Stadt. Es handelte sich um eine Metropole, die an der Stelle entstanden war, wo auf einem Kaktus ein Adler saß und eine Schlange verzehrte. Das Bild hat sich im Wappen Mexikos erhalten, ebenso wie der ursprüngliche Name „Mexica“. Ihre heutige gängige Bezeichnung erhielten sie erst im 18. Jahrhundert von Wissenschaftlern wie dem Jesuiten Francisco Javier Clavijero oder Alexander von Humboldt, die diesen von deren mythischen Herkunftsort Aztlán ableiteten. Der Besucher des Weltmuseums betritt diese Stadt mit dem gleichen Staunen wie seinerzeit die Spanier, wie es von Bernal Díaz del Castillo überliefert wird.

Azteken Ausstellungsansicht © Foto: KHM-Museumsverband

Sie konnten nicht begreifen, „ob das, was wir hier mit eigenen Augen sahen, die Wirklichkeit war.“ Aus dem Dunkel der Räume heraus treten einzelne Objekte, die über die Jahrhunderte ihre Magie nicht verloren haben. Nicht zu verkennen ist in einer Keramik Mictlantecuhtli, Gott und Herr des Totenreiches; ein Räuchergefäß in Gestalt der Wasser- und Fruchtbarkeitsgöttin Chalchiuhtlicue zeigt wie die Schädelmaske unseren Blicken absolut fremde Formen.

Freilegung der monolithischen Steinskulptur der Göttin Tlaltecuhtli © Proyecto Templo Mayor

Eingeteilt ist die Ausstellung „Azteken“ (bis 13. April 2021) in sechs Module, um dieser Expedition in eine Zeit vor gut 500 Jahren Übersicht zu verleihen. So wird in Modul 2 Alltag und heilige Natur dieser Gesellschaft erklärt. Es finden sich Stadtstaaten, in denen die Elite, die Priester, aber auch Handwerker und Händler lebten. Lebensmittel wurden von den Menschen zumeist selbst gewonnen, Textilien und Keramik im eigenen Haus hergestellt, mit selbst gebauten Werkzeugen.

Pflanzen, Tiere und Landschaft waren von religiösem Wert und für die zeitliche Struktur sorgte ein Ritualkalender. Modul 3 berichtet über den Krieg, mit dem das auf Eroberung und Tribut aufgebaute Imperium erhalten wurde. Modul 4 führt in das Venedig Mexikos, in die Stadt Tenochtitlan im See von Texcoco, in dem jedes Haus per Kanu zugänglich war. Den Tempelbezirk, den Tempo Mayor, betritt man endlich in Modul 5 und steht damit im im Zentrum des Universums. Ein Modell verschafft den Überblick über Pyramiden in verschiedenen Größen, über die momoztli, die kleinen Plattformen für Rituale, die Priesterhäuser, Nischen zum Beten, Tempelschulen, tlachtli (Felder für das Ballspiel) und nicht zuletzt die makaber anmutenden tzompantli (Gestelle, auf denen die Schädel der Geopferten ausgestellt wurden). Den nächsten Raum beherrscht der beeindruckende Nachbau einer Pyramide, an dem vorbei es zu Modul 6 und zurück zum Beginn der Welt geht. Geschaffen wurden das Universum und alle Lebewesen von zwei Göttern, einem männlichen und einem weiblichen Gott, aus denen eine Vielzahl von kleinen Göttern hervorgegangen ist.

Der kosmische Kalender, der in einem geschickt animierten Video erklärt wird, beherrschte den Ablauf der aztekischen Zeiten. Neben Exkursionen in die Archäologie, der wir viel von dem Wissen um die Azteken verdanken, wird immer wieder die Brücke zum Heute geschlagen, zu den noch gepflogenen Kulten und Techniken. Das Prunkstück der Ausstellung, der Penacho, die Federkrone Moctezumas, die aus konservatorischen Gründen im ersten Stock belassen wurde, beschließt die Schau über eine Geschichte, die an Rätselhaftigkeit und Geheimnissen schwer zu übertreffen ist.

Quetzalfeder-Kopfschmuck © KHM-Museumsverband
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