Kultur und Weindas beschauliche MagazinHelga Philipp, Bewegungsräume, Ausstellungsansicht HELGA PHILIPP Durch Betrachtung ausgelöste Bewegung
Victor Vasarely hat in den 1940er-Jahren damit begonnen, in raffiniert konstruierten geometrischen Mustern dem Auge Bewegung vorzutäuschen. Es war der Beginn der kinetischen Kunst, die auf das nach ihrer Wirkung benannte „Trompe-l’œil“ setzte. 20 Jahre später wurde diese Technik von der 1939 geborenen Bilderhauerin und Malerin Helga Philipp aufgenommen. Sie erzielte damit in Österreich sensationellen Zuspruch. Dank einer Stelle als Assistenzprofessorin an der heutigen Universität für angewandte Kunst wurde Philipp zur Schlüsselfigur einer Generation, die sich in ihrem bildnerischen Ausdruck mit Wahrnehmung, Raum und systematischen Strukturen auseinandersetzte. Grundlage ist das Schachbrett. Durch Veränderungen der Proportionen beginnen sich die Flächen wie magisch zu wölben und die Raster zu flimmern, deswegen auch der Titel der Ausstellung in der Pfeilerhalle „Bewegungsräume“ (bis 20. September 2026), die sich dieser Sparte eines an sich wesentlich weitergehenden Œuvres der Künstlerin widmet. Helga Philipp hat penibel an der Ausführung dieser Technik gearbeitet. „Werkzeuge“ waren der Siebdruck, Glasplatten, Folien und Lackaufträge. Später kam die Raute, also das in der Diagonale gedrehte Quadrat dazu.
Leiko Ikemura Triptychon Teile 1-3 (Genesis, Tokaido, Tokaido), 2015 © 2025 Leiko Ikemura Foto: Jörg von Bruchhausen LEIKO IKEMURA Mutterschaft für fantastische Welten
Die Künstlerin spricht von ihrer Kreativität als einen Tanz, von „körpereigenen Rhythmen und Wellenbewegungen“, die sie als Frau deutlicher als ein Mann empfinden kann. Deswegen werden ihre Gemälde auch unter dem Titel „Motherscapes“ (deutsch: Mutterlandschaften) zusammengefasst. Ein solches Triptychon steht auch im Mittelpunkt der Ausstellung, die Leiko Ikemura in der Albertina bis 6. April 2026 gewidmet ist. 1951 wurde sie in Japan geboren und ist über die Schweiz in Deutschland gelandet. Die nun großteils in Berlin lebende und arbeitende Malerin und Bildhauerin hat sich als Ort der Präsentation die Pfeilerhalle ausgesucht. In diesen stimmungsvollen Gewölben mit spannenden durch die Trägerelemente gelenkten Sichtachsen im Hauptraum und einer Art Krypta kämen ihre Werke, so Ikemura, entsprechend zur Geltung, besser als in einer weiten Halle.
Obwohl sie seit 1991 an der Universität der Künste Berlin im Kreise von Kollegen wie Georg Baselitz und anderer großer Namen als Professorin unterrichtet und bereits etliche Preise einheimste, hatte Leiko Ikemura, wie sie offenherzig mit einem Lächeln zugibt, schlaflose Nächte, als sie die Einladung der weltberühmten Albertina erreichte. Es war offenbar eine Art Lampenfieber, das vor einem gelungenen Auftritt die Kräfte für einen Erfolg konzentriert. Sie reüssiert mit Werken, die ihre Weiblichkeit als schöpferische, lebensspendende Kraft gegen ein von ihr nach wie vor übermächtig empfundenes Patriarchat in diesem Metier zum Tragen bringen sollen.
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