Kultur und Wein

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HAUS DER KÖNIGE Die unglaubliche Geschichte des Wiener Palais Coburg

Das Palais Coburg auf einer Ansichtskarte, Illustration aus dem beschriebenen Buch

Eine „Spargelburg“ als Refugium gekrönter Häupter von Europa bis Brasilien

Wer heute im Restaurant oder bei einer Verkostung in den Kasematten des Palais Coburg herrlichen Wein genießt, hat selten eine Ahnung, wer aller vor ihm in diesen Räumen bereits gelebt und im wahrsten Sinn des Wortes geherrscht hat. Hier, hinter diesen schlanken Säulen, die zur Wienerisch liebevoll despektierlichen Bezeichnung Spargelburg geführt haben, residierte eine Nebenlinie des Hauses Sachsen-Coburg und von hier aus zogen Mitglieder dieses Geschlechts in die Welt hinaus, um als Könige fremde Länder zu regieren. Otto von Bismarck nannte etwas abfällig die Familie Sachsen-Coburg das „Gestüt Europas“, das im 19. Jahrhundert vom Herzogtum Sachsen-Coburg den Kontinent mit edelsten „Rennpferden“ für dessen Throne versorgte und noch in den verbliebenen Monarchien bis heute ihre Spuren hinterlassen hat. Es war also an der Zeit, ausgehend vom Palais Coburg die Geschichte dieser in ihrer Entwicklung unvergleichlichen Dynastie aufzuarbeiten.

Haus der Könige Cover 900

Günter Fuhrmann, seines Zeichens studierter Rechtswissenschaftler und Kulturmanager, hat sich dieser auf den ersten Blick überdimensionalen Aufgabe gestellt und deren Historie in einer einzigartigen Vollständigkeit aufgearbeitet. Erschienen ist das Buch „Haus der Könige – Das Wiener Palais Coburg – Throne, Triumphe, Tragödien“ im Amalthea Verlag. Es beginnt mit den Osmanen in Mitteleuropa, in deren Zeit sich die Anfänge des späteren Palastes in den heute noch erhaltenen Kasematten finden, um über die für die Coburger nicht unwesentliche Familie der Koháry, dem späteren Grundstein für das sagenhafte Vermögen der Coburger, zu berichten.

Von dort geht es nach Wien und dann hinauf in den Norden nach Sachsen und Coburg. Der Autor versteht es glänzend, unzählige Fäden zum späteren Aufstieg aufzunehmen, um sie später zu einer Art Apotheose zu verknüpfen. Wie auch von den Habsburgern virtuos geübt, war die Heiratspolitik für Sachsen-Coburg die Leiter, die ganz nach oben führte und dieses Haus auf die Throne einer ganzen Reihe von Staaten zu führte. Die wohl bekanntesten Exponenten waren Königin Victoria und deren Gatte Albert.

Maria A. Koháry & Ferdinand G. von Sachen-Coburg,Illustration aus dem besprochenen Buch

Detailliert werden die einzelnen Verbindungen beschrieben und die handelnden Personen in einer Unmittelbarkeit vorgestellt, die nur mit ausgiebigstem Studium der Quellen und eingehenden Recherchen überall dort, wo Sachsen-Coburg zugange war, möglich sind. In manchen Fällen scheut Fuhrmann nicht vor der Erzählung wahrer Kriminalgeschichten zurück. Selbstverständlich gab es auch Skandale, die zwar ausführlich geschildert, aber immer aus der objektiven Sicht des Historikers und keineswegs reißerisch im Stil der Regenbogenpresse dargestellt werden.

Wenn einem bei der Lektüre von den vielen Namen und Zweigen des Geschlechts der Kopf zu rauchen beginnt, findet man Hilfe im Register und im übersichtlichen Stammbaum, der mit Ferdinand Georg (1785-1851) und dessen Gattin Maria Antonia Koháry (1797-1862) beginnt und wie im Fall von Zar Ferdinand I. von Bulgarien mit dessen Nachkommen Simeon Sakskoburggotski, der von 2001 bis 2005 als Ministerpräsident Bulgarien regiert hat, nach dem Fall der Throne 1918 versöhnlich endet.

Die hohe Kasematte unter dem Palais Coburg, Illustration aus dem besprochenen Buch
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