Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


WALTRAUT HAAS Jetzt sag ich´s, wie mein Leben wirklich war

Waltraut Haas mit Errol Flynn Foto aus dem besprochnenen Buch

Lebenserinnerungen eines unserer liebsten Stars

Es begann auf einer Kreuzfahrt, ein Geschenk ihres Sohns Marcus Strahl zum 90er. So offen und mutig zu ihrem Alter stehend beginnt das Buch, in dem Waltraut Haas ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren lässt. Immer wieder klingt durch, dass sie tiefe Dankbarkeit dafür empfindet, als einer der ganz wenigen Menschen stets das sein zu dürfen, was sie immer sein wollte. Waltraut Haas hatte keinen anderen Wunsch als auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen. Er ist ihr in Erfüllung gegangen, und nicht nur das, sie wurde ein Teil unserer Identität als Österreicher, ohne den sowohl die Filmgeschichte als auch das Bühnengeschehen unseres Landes längst nicht den Charme hätte, auf den wir so stolz sind. Wer jemals in die Wachau reist, kommt um das Mariandl nicht herum, das sie in ihrem ersten Film „Der Hofrat Geiger“ (1947) mit Hans Moser und Paul Hörbiger unsterblich gemacht hat. Heimatfilme, wie sie in den 1950er-Jahren gedreht wurden, um das Heimatbewusstsein zu stärken, ohne die Haasi, wie sie von Freunden genannt wird, waren undenkbar.

Waltraut Haas Jetzt sag ich´s Cover 900

Über die Jahrzehnte führte sie der Erfolg in die weite Welt hinaus, bis weit nach oben, ohne jedoch ihren liebenswürdigen Charakter in irgendeiner Weise anzugreifen. Der Kreis hat sich mit ihren Auftritten bei den Wachaufestspielen in Weißenkirchen wieder geschlossen. Unter der Intendanz von Marcus Strahl tritt sie dort regelmäßig auf und begeistert wie einst das Publikum. Als sie 2018 in Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wienerwald“ die Großmutter gab, machte sich Waltraut Haas ernsthaft Sorgen, ob man ihr eine so böse Rolle nicht übel nehmen würde. Mitnichten. Der tosende Schlussapplaus hat ihr bestätigt, dass sie jede Aufgabe auf der Bühne in ihrer einzigartigen Weise so löst, dass man sie einfach bewundern, viel mehr aber noch lieb haben muss.

 

Gemeinsam mit Marina C. Wattek hat sie für den Amalthea Verlag ihre Erinnerungen aufgezeichnet. „Jetzt sag ich´s“ ist Programm ihrer Biografie, in der sie offen über Dinge spricht, die sie bisher noch niemandem gesagt hat. Dazu gehört auch das Privatleben, das sich hinter dem Glamour des Stars die ganze Zeit bisher nobel zurückgehalten hat. Sie war drei Mal schwer verliebt. Das erste Mal in den Radrennfahrer Hugo Koblet, das zweite Mal in den großen Tenor Rudolf Schock und schlussendlich in Erwin Strahl, der allerdings etliche Anläufe brauchte, um Waltraut von seiner Treue zu überzeugen und sie zur Ehefrau und als lebenslange Partnerin zu gewinnen.

Freilich kommen auch die kleinen Flirts zur Sprache, ohne die man in diesem schillernden Metier nicht auskommt. Waltraut Haas wundert sich selber, dass ihr das alles noch eingefallen ist, auch wenn es, oder vielleicht, so vermutet sie, weil es lange Zeit zurück liegt. Ihre Kindheit verbrachte sie mit ihrer geliebten Mutter, der Wirtin im Schönbrunner Stöckl. Dass in der Nachkriegszeit auch Schauspieler hungerten, war eine Gelegenheit für sie, die beiden Kollegen Franz Messner und Karlheinz Böhm nächtens in das Wirtshaus zu schleusen, wo sie sich heimlich am Gulasch einmal so richtig satt essen konnten. Ganz genau erinnert sie sich auch an die Begegnung mit Toni Sailer, der sie quasi vom Opernball weg für einen seiner Filme engagierte und ihr kurz vor dem Dreh noch das Schifahren beibrachte. Sie überstand auch Abenteuerliches beim Film und Theater, wie eines der Kapitel betitelt ist, denkt selbstkritisch über Familien- und Theaterleben nach und verbeugt sich vor ihrem Publikum, das in diesem Buch eine wahrhaftige Waltraut Haas findet und sich mit Vergnügen durch das außergewöhnliche Leben eines unserer liebsten Stars liest.

Waltraut Haas mit Sohn Marcus Strahl auf der Bühne in Weißenkirchen (aus dem besprochenen Buch)

HAUS DER KÖNIGE Die unglaubliche Geschichte des Wiener Palais Coburg

Das Palais Coburg auf einer Ansichtskarte, Illustration aus dem beschriebenen Buch

Eine „Spargelburg“ als Refugium gekrönter Häupter von Europa bis Brasilien

Wer heute im Restaurant oder bei einer Verkostung in den Kasematten des Palais Coburg herrlichen Wein genießt, hat selten eine Ahnung, wer aller vor ihm in diesen Räumen bereits gelebt und im wahrsten Sinn des Wortes geherrscht hat. Hier, hinter diesen schlanken Säulen, die zur Wienerisch liebevoll despektierlichen Bezeichnung Spargelburg geführt haben, residierte eine Nebenlinie des Hauses Sachsen-Coburg und von hier aus zogen Mitglieder dieses Geschlechts in die Welt hinaus, um als Könige fremde Länder zu regieren. Otto von Bismarck nannte etwas abfällig die Familie Sachsen-Coburg das „Gestüt Europas“, das im 19. Jahrhundert vom Herzogtum Sachsen-Coburg den Kontinent mit edelsten „Rennpferden“ für dessen Throne versorgte und noch in den verbliebenen Monarchien bis heute ihre Spuren hinterlassen hat. Es war also an der Zeit, ausgehend vom Palais Coburg die Geschichte dieser in ihrer Entwicklung unvergleichlichen Dynastie aufzuarbeiten.

Haus der Könige Cover 900

Günter Fuhrmann, seines Zeichens studierter Rechtswissenschaftler und Kulturmanager, hat sich dieser auf den ersten Blick überdimensionalen Aufgabe gestellt und deren Historie in einer einzigartigen Vollständigkeit aufgearbeitet. Erschienen ist das Buch „Haus der Könige – Das Wiener Palais Coburg – Throne, Triumphe, Tragödien“ im Amalthea Verlag. Es beginnt mit den Osmanen in Mitteleuropa, in deren Zeit sich die Anfänge des späteren Palastes in den heute noch erhaltenen Kasematten finden, um über die für die Coburger nicht unwesentliche Familie der Koháry, dem späteren Grundstein für das sagenhafte Vermögen der Coburger, zu berichten.

Von dort geht es nach Wien und dann hinauf in den Norden nach Sachsen und Coburg. Der Autor versteht es glänzend, unzählige Fäden zum späteren Aufstieg aufzunehmen, um sie später zu einer Art Apotheose zu verknüpfen. Wie auch von den Habsburgern virtuos geübt, war die Heiratspolitik für Sachsen-Coburg die Leiter, die ganz nach oben führte und dieses Haus auf die Throne einer ganzen Reihe von Staaten zu führte. Die wohl bekanntesten Exponenten waren Königin Victoria und deren Gatte Albert.

Maria A. Koháry & Ferdinand G. von Sachen-Coburg,Illustration aus dem besprochenen Buch

Detailliert werden die einzelnen Verbindungen beschrieben und die handelnden Personen in einer Unmittelbarkeit vorgestellt, die nur mit ausgiebigstem Studium der Quellen und eingehenden Recherchen überall dort, wo Sachsen-Coburg zugange war, möglich sind. In manchen Fällen scheut Fuhrmann nicht vor der Erzählung wahrer Kriminalgeschichten zurück. Selbstverständlich gab es auch Skandale, die zwar ausführlich geschildert, aber immer aus der objektiven Sicht des Historikers und keineswegs reißerisch im Stil der Regenbogenpresse dargestellt werden.

Wenn einem bei der Lektüre von den vielen Namen und Zweigen des Geschlechts der Kopf zu rauchen beginnt, findet man Hilfe im Register und im übersichtlichen Stammbaum, der mit Ferdinand Georg (1785-1851) und dessen Gattin Maria Antonia Koháry (1797-1862) beginnt und wie im Fall von Zar Ferdinand I. von Bulgarien mit dessen Nachkommen Simeon Sakskoburggotski, der von 2001 bis 2005 als Ministerpräsident Bulgarien regiert hat, nach dem Fall der Throne 1918 versöhnlich endet.

Die hohe Kasematte unter dem Palais Coburg, Illustration aus dem besprochenen Buch
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