Kultur und Weindas beschauliche MagazinTrotz perfekter Pose, Reinhard Nowak ist nicht Spartakus © Gloria Theater HIER SIND SIE RICHTIG Wenn vier Annoncen Verwirrung stiften
Der französische Bühnenautor Marc Camoletti (1923-2003) schenkte mit seinen Schwänken den Menschen das befreiende Lachen. Wenn auch Jahrzehnte über so manche Stücke hinweggezogen sind, haben sie nichts von ihrem Humor und ihrer Anziehungskraft verloren. Dazu spielen sie meistens in Paris, der Stadt der Träume und eines heiteren Umgangs der Geschlechter miteinander, ohne den Boden der Moral zu verlassen und nach pointiert geführten Auseinandersetzungen stets mit einem allgemein beklatschen Happy End zu schließen.
Ein Musterbeispiel dafür ist die Komödie „Hier sind Sie richtig“, die derzeit im Gloria Theater zu erleben ist. Es geht darin um Abkürzungen, wie sie aus Sparsamkeitsgründen gerne in Zeitungsannoncen verwendet werden. Kompliziert wird es allerdings, wenn vier Frauen gleichzeitig eine solche Anzeige aufgeben. Die Malerin Jacqueline (Claudia Marold) braucht einen Spartakus als Modell für ihren Historienschinken. Sie ist genervt vom Klavierspiel ihrer Zimmernachbarin Janin (Michelle C. Härle), die zwecks mangelnden Einkommens als Pianistin einen Schüler sucht. Deren Vermieterin, die beide gerne aus der Wohnung draußen hätte, ist Georgette (Susanne Altschul). Ihr Anliegen: Ein neuer zahlungskräftiger Mieter. Von den dreien angesteckt wird die brave Haushaltshilfe Berthe (Barbara Bauer), die einen Mann fürs Leben sucht.
Michelle C. Härle (Sally), Arthur Ortens (Rober, Mr. Smith 1) © Gloria Theater / Martin Rehberger 2 LINKS 2 RECHTS A Hetz mit verhinderten Seitensprüngen
Derek Benfield (1926-2009) hat in „2 Rechts 2 Links“ britischen Humor mit einem Schuss französischer Amour fou zu einer anständigen Komödie gemixt und dabei nicht an Wortwitz und Slapstick gespart. Ohne zu viel zu verraten: Ein anscheinend in sicherer Einsamkeit gelegenes Hotel wird von zwei Pärchen für ein paar Tage sinnlicher, jedoch außerehelicher Freuden gebucht. Was an sich unter Erwachsenen nicht ungewöhnlich ist. In diesem Fall sind es aber blutige Dilettanten des Seitensprungs, die sehenswert an ihrem unmoralischen Vorhaben scheitern. Böse Zufälle tragen das ihre dazu bei, dass aus dem Kuscheln nichts wird, was nicht zuletzt an den miserablen Zuständen des gastlichen Hauses liegt, in dem beispielsweise das Zimmertelefon nicht funktioniert und ein um das Wohl seiner Gäste nicht gerade engagierter Portier das Durcheinander perfekt macht.
Lachen ist garantiert, zumal die Besetzung, die Prinzipalin Claudia Rohnefeld für ihre zweite Produktion engagiert hat, feine Schmähs und derbe Gags in großartiger Weise umzusetzen vermag. Robert Notsch hat ein würdevoll in die Jahre gekommenes Hotel aufgebaut und es dabei geschafft, zwei Zimmer und eine Rezeption auf der Bühne des Gloria Theaters so anzuordnen, dass Scheinwerfer genügen, um von einem in den anderen Schauplatz zu wechseln, in diesem Fall vom grünen in das blaue Zimmer, in denen jeweils ein gewisser Mr. Smith auf seine Angebetete wartet.
Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger DER NACKTE WAHNSINN Zum Einstand „Noises off!“ Lachen an!
In Zeiten schwindender Subventionen ist es mehr als eine Mutprobe, ein sogenanntes Off-Theater zu eröffnen. Die Schauspielerin Claudia Rhonefeld konnte jedoch nicht untätig zuschauen, wie das vom skandalöserweise viel zu früh verstorbenen Gerald Pichowetz gegründete Gloria Theater allmählich in Vergessenheit geriet. Das Motto „Da, wo das Lachen zuhause ist“ wurde von ihr übernommen und am 10. März 2026 mit der im Grund programmatischen Komödie „Der nackte Wahnsinn“ wieder eröffnet. Die neue Prinzipalin setzte damit auf die verlässliche Wirkung des englischen Humors, auf gekonnten Slapstick, denn Michael Frayn strapaziert in dieser Persiflage auf eine kleine Wanderbühne gehörig das Zwerchfell. Unter dem Titel „Noises off!“ erblickte das Stück 1982 erstmals das Licht der Scheinwerfer und ist seither aus kaum einem Spielplan, nicht einmal dem des ehrwürdigen Burgtheaters, wegzudenken. Tür auf, Tür zu, und das auf einer Bühne, deren Ausstattung von hinten und von vorne zu sehen ist, diese Vorgaben in einem entsprechenden Tempo umzusetzen, ist bereits eine gewaltige Herausforderung, das einem seriösen Leading Team den Schweiß auf die Stirne treibt. Unter der Regie von Rohnefeld & Thomas Schreiweis hat der in Sachen Bühnenbild kompetente Robert Notsch eine raffinierte Konstruktion entwickelt, die sich sogar bei offenem Vorhang, begleitet von entsprechenden Kommentaren, amüsant und kurzweilig umbauen lässt. Dazu braucht es allerdings einen Darsteller, der einst als „SelfMan“ Heimwerker zu ihrem Tun ermutigt hat und jetzt als Regisseur eine Chaostruppe für eine Tournee durch die Provinz vorbereiten muss. Andreas Steppan ist dieser Leonhard Dallmayer, der trotz Diskussionslust, menschlicher Schwächen und dem schauspielerischen Unvermögen seines Ensembles nicht verzweifelt. Groß ist auch sein körperlicher Einsatz, vor allem bei den jungen Frauen seines Teams. Betroffen sind davon die naive und brav ihren Text aufsagende Julia (Daniela Lehner), die als Finanzbeamtin Vicki in reizvoller Unterwäsche auf amourösen Abwegen einen Steuersünder dingfest machen will, und die kleine bescheidene Poppy (Xina Ziegler), die als Regieassistentin unauffällig für Ordnung sorgt.
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