Kultur und Weindas beschauliche MagazinAusstellungsansicht im Raum von August Walla 20 JAHRE GRUND ZUM FEIERN mit den Stars der heimischen Art Brut
Als künstlerischer Leiter stand Johann Feilacher 2006 an der Wiege eines Museums, das sich bald als wundersames Ausflugsziel zwischen den Welten etablieren sollte. Art Brut hat enorme Anziehungskraft, nicht zuletzt durch ihre Ausnahmestellung zwischen starker Kunst und der ursprünglichen Intention, neurologischen Problemen mit Kreativität erleichternd zu begegnen. Als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie mit einem untrüglichen Sinn für künstlerische Qualität war er der ideale Nachfolger für Leo Navratil, der in der 2007 geschlossenen NÖ Landesnervenklinik Gugging ein Zentrum für Kunst- und Psychotherapie gegründet hatte. Mit regelmäßigen Ausstellungen, Ergänzungen wie einer Verkaufsgalerie oder dem über und über bemalten Haus der Künstler sowie innigen Kontakten zur zeitgenössischen Kunstszene stand sein Haus bald im Fokus internationalen Kulturinteresses und war viel besuchter Ort für den von Jean Dubuffet als „Art Brut“ bezeichneten künstlerischen Ausdruck. 2023 hat Feilacher die Leitung an Nina Ansperger übergeben, geblieben ist aber seine Handschrift, die sich auch in der Form der jeweiligen Titel erhalten hat. So irritiert auch die Jubiläumsausstellung mit einem kuriosen Wechsel von Groß- und Kleinschreibung und scheinbar willkürlich gesetzter Interpunktion: „museum gugging.! 20 jahre kUNST“ (bis 17. Jänner 2027). Ausgewählt wurden 20 Positionen aus einem männlich dominierten „Gruppenbild“ mit Dame (Leila Bachtiar). In einem der Räume betritt man das „privatmythologische Universum“ von August Walla und darf sich in dessen fantastisch üppig bemalten Bildern verlieren. Er wurde vor 90 Jahren geboren. Sein Nachbar ist Johann Hauser, der vor 100 Jahren zur Welt gekommen ist. Seine unbändigen Zeichnungen sind von dichten, kraftvollen Strichen mit Bleistift oder Buntstift getragen, immer wieder mit sexuellem Inhalt als Aufschrei eines an dessen Unerfüllbarkeit Verzweifelnden.
kunst aus gugging Ein (neues) Buch den Künstlern gewidmet
Diese werden zu Kompositionen mit Titeln wie Blume, Ente oder einem abstrakten Delphin ausgearbeitet. Eine ähnlich fantastische Welt erschafft Leonard Fink (geb. 1982 in Weidling) mit Mischwesen oder dicht belebten Orten, die ihm als Sehenswürdigkeiten erscheinen.
Diesen beiden folgt in alphabetischer Reihenfolge der Familiennamen ein Künstler nach dem anderen. Ihre Arbeitsweise wird liebevoll detailliert beschrieben, mit einer kurzen Vita am Ende des jeweiligen Texts. Begleitet wird er großzügig von Werken, die so ein beeindruckendes Schauerlebnis ermöglichen. Johann Garber, Ernst Herbeck, Franz Kernbeis oder Heinrich Reisenbauer sind Künstler, die auf diese Weise unter Umständen zu neuen guten Bekannten werden. O.T. (Oswald Tschirtner), Johann Hauser oder August Walla sind ohnehin schon lange Jahre die Stars von Gugging. Mit ihren Namen sind in der kunstinteressierten Öffentlichkeit Bilder verbunden, die auf der Stelle dem jeweiligen Künstler zugeordnet werden. Tschirtners „Kopffüßler“ sind die geniale Reduktion des Menschen auf einfache Striche, ohne Geschlecht und auch als Teil einer Schar beziehungsloser Wesen. Hauser wiederum zeichnete sich den sexuellen Frust von der Seele, mit einer derartigen Energie, der nicht selten das Zeichengerät zum Opfer fiel. Eine mediale Vielfalt, von der Malerei über Plastik bis zur Installation, bietet das von Walla erschaffene Universum.
Werke von Leopold Strobl in gugging.! Classic & contemporary LEOPOLD STROBL & DIE BIENNALE und art brut center gugging ist dabei!
Die Umrisse von Bergen, Wäldern oder Gebäuden werden nachgezogen und das Blau des Himmels der Stimmung des Künstlers angepasst. Strobls Themenspektrum ist breit, es reicht von Naturansichten über die ihm vertrauten Kellergassen bis zu Kriegsschauplätzen, die, ohne von ihm beabsichtigt, eine tagespolitische Komponente in sein Werk einbringen. Er selbst wird dazu niemals eine Erklärung abgeben, seine Arbeiten genügen ohnehin, um in den Betrachtern bei genauem Hinschauen leise Gedankenanstöße zu generieren. Leopold Strobl wurde von Kurator Adriano Pedrosa zur Teilnahme an der 60. Biennale di Venezia eingeladen und wird mit seinen Werken im Arsenale in der Ausstellung „Stranieri Ovunque – Foreigners everywhere“ vom 20. April bis 24. November 2024 inmitten internationaler Größen vertreten sein. Die Freude im art brut center gugging ist verständlicherweise groß. Seit 2002 besucht Strobl das atelier gugging, anfangs fast täglich, seit etwa 2019 einmal in der Woche. An den Tagen dazwischen arbeitet er an seinen Wohnsitzen in Poysdorf und Kritzendorf. In dieser Zeit entstand eine innige Verbindung zum art brut center gugging und der galerie gugging. Seit 2021 sind seine kleinen, aber intensiven Bilder im museum gugging zu bewundern, wenngleich schon 2016 sein Schaffen international wahrgenommen wurde. Die Berufung nach Venedig war für Kuratorin Nina Ansperger die ideale Gelegenheit, die bis März 2026 (dem Jubiläumsjahr) laufende Dauerausstellung „gugging.! Classic & contemporary“ einem umfangreichen Update zuzuführen.
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