Kultur und Weindas beschauliche MagazinJosephine Göhmann, Wilma Kvamme, Johann Ebert, Jacob Phillips © Herwig Prammer LADY MAGNESIA / ZWEIMAL ALEXANDER Vom ewigen Misstrauen in eheliche Treue
Die beiden Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996) und Bohuslav Martinů (1890-1959) verbindet die Flucht vor den Nazis. Der polnische Jude Weinberg emigrierte nach Moskau, der Tscheche Martinů hingegen zog die USA als Exil vor. Dass beide ihren Humor trotzdem nicht verloren haben, beweisen die beiden Kurzopern, die von der Kammeroper als Abschiedsgeschenk gezeigt werden. 1975 komponierte Weinberg den Einakter „Lady Magnesia“. Deren Ehemann Sir George ist eifersüchtig und will seine Gattin ermorden. Dank einer Vorahnung der Kammerzofe Phyllis und dem rechtzeitigen Erscheinen von Kammerdiener Adolphus wird die Bluttat vereitelt. Ist er der Nebenbuhler? Kann sein, also wird er vergiftet. Sir George sieht aber ein, dass er das immense Liebesbedürfnis seiner Frau nicht erfüllen kann. Also soll Adolphus gerettet werden. Das Gegengift ist Gips, das den Armen am Ende jedoch zu einer Statue erstarren lässt. Erfunden hat diese verrückte Story George Bernard Shaw. Mit der Musik von Weinberg erhält sie den entsprechenden Witz, der nicht zuletzt in einer ausgefallenen Instrumentierung und mit elektronischen Einspielungen humoristische Bereicherung erhält.
In „Zweimal Alexander“ (komponiert 1937) geht es um eine Treueprobe, die Alexander inszeniert, um seine Frau Armande zu testen. Er erscheint als sein amerikanischer Cousin, in den sich die Dame des Hauses sofort verguckt und dessen Qualitäten im Beischlaf leidenschaftlich genießt, obwohl sie eine „anständige Frau“ ist, die ihren lästigen Verehrer Oskar bis jetzt auf Distanz gehalten hat. Das Porträt des Hausherren (eigentlich ein Doppelporträt, jedoch mit zwei unterschiedlichen Charakteren) und die Kammerzofe Philomène sind empört. Philomène ist eine überaus literarisch angelegte Figur, deren Sprachschatz von Zitaten gespickt ist, die jedoch im deutschen Text nicht erkennbar sind. Nach einer turbulenten Traumszene erwacht Armande als selbstbewusste Frau. Nun ist sie für Oskar als Liebhaber bereit. Die Komposition dazu ist symphonisch dicht und erinnert stellenweise an Filmmusik. Umgesetzt werden die beiden Partituren vom Wiener KammerOrchester unter der Leitung von Irene Delgado-Jiménez in der Inszenierung von Anna Bernreiter, die auf eine sparsame Ausstattung mit zwei fahrbaren Betten setzt. Josephine Göhmann gibt beiden Gattinnen die entsprechende Erotik. In dem einen Fall bringt sie den wütenden Sir George (Peter Kirk) mit eindeutigem Stöhnen unter der Tuchent ihres eigenen Bettes zur Raserei.
L´Orontea, Ensemble, Gabriel Diaz, Hilary Cronin © Herwig Prammer L´ORONTEA Vorsicht vor tief fliegenden Liebespfeilen
Von Venedig aus geht die Fahrt nach einem kurzen Prolog nach Ägypten. In dieser ersten Szene streiten sich die tugendvolle Philosophie und Gott Amor, wer von ihnen bei der Menschheit die größere Bedeutung habe. Als Schauplatz der Entscheidung wird der Hof von Königin Orontea, einem überzeugten Single, ausgewählt. Sie will sich nicht von der Liebe beherrschen lassen, obgleich ihr Leibphilosoph Creonte auf eine standesgemäße Eheschließung drängt. Mit der Ankunft des Malers Alidoro und dessen Mutter Aristea setzt jedoch Amors tolles Treiben ein. Mit seinen Pfeilen verwirrt er zuerst die Gefühle der Königin, um in der Folge den gesamten Hofstaat in ein veritables Liebeschaos zu stürzen. Standesdünkel haben darin ebenso ihren Platz wie Skrupel um eine alleinregierende Frau. Giacinto Andrea Cicognini hat dazu das Libretto geschrieben und nicht an Gags und heiterer Ironie gespart. Vertont wurde diese Version von Antonio Cesti, der ursprünglich Franziskaner und später über Innsbruck und Rom als Kapellmeister am Hof von Kaiser Leopold I. tätig war, bevor er dem von seinen Opern geforderten Prunk den Rücken kehrte und wieder nach Italien ging, wo er auch aus Venedig Aufträge aufnahm. Wenn Mitglieder der lautten compagney BERLIN (Leitung von Wolfgang Katschner) in die Kammeroper einmarschieren, wird das Publikum mit dem Schlag des Tamburins unvermittelt in das 17. Jahrhundert versetzt. Da stören auch die Ruderleiberln der Gondoliere nicht, denn bald darauf erscheinen auf der Bühne projizierte Palmen und in einem Fantasie-Ägypten die in Gold gewandete Hilary Cronin als Königin Orontea. Nach augenzwinkernder Beteuerung, alleine, also ohne Ehemann, regieren zu wollen, erscheint Creonte und versucht sie umzustimmen. Der selbe Darsteller wird in der Folge zum Diener, der dem Wein seine Liebe (in Deutsch) erklärt. Alexander Strömer ist Bassbariton und wird als Gelone zum derben Spaßmacher, aber letztlich zum wahren Weisen, der alle Verwicklungen zu durchschauen vermag. Vom roten Pfeil Amors wird nicht nur Orontea getroffen, als Alidoro (Countertenor Gabriel Diaz) als unbekannter Fremder auftaucht, was diese ob dieser scheinbar standeswidrigen Gefühle jedoch in ärgste Bedrängnis bringt. Das spitze Herz sticht auch die hübsche Silandra. Sopranistin Maria Ladurner führt mit dem Counter Johannes Wieners als fescher Corindo ein On-Off-Beziehung.
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