Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der tollste Tag, Ensemble © Philine Hofmann

Der tollste Tag, Ensemble © Philine Hofmann

DER TOLLSTE TAG Als Turrini noch zornig gedichtet hat

Johanna Martini (Susanne), Claudius von Stolzmann (Figaro) © Philine Hofmann

Claudius von Stolzmann, Johanna Martini © Philine Hofmann

Die freie Bearbeitung von Beaumarchais aus 1972 ist bis heute bitter aktuell geblieben.

Die meisten von uns werden die Komödie wahrscheinlich in der Fassung von Da Ponte und Mozart kennen. Es geht um die „Die Hochzeit des Figaro“, zu der es auch in der Oper nicht kommt. Zugrunde liegt ihr das für seine Zeit ungemein mutige Theaterstück „La Folle Journée ou le Mariage de Figaro“ von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, das mit der Willkür des Adels abrechnet. Es gibt schon lange keine Grafen mehr, die trotz gegenteiliger Ansage das „Ius primae noctis“, das Recht der ersten Nacht für sich einfordern. An ihre Stelle sind andere Personen getreten, die aufgrund ihres gesellschaftlichen Ranges und versehen mit entsprechendem Vermögen von ihnen abhängige Menschen für ihre persönlichen sexuellen Bedürfnisse verwenden zu können glauben. In erster Linie sind die Täter männlich und die Opfer weiblich. Was bei Da Ponte in einer heiteren Beschämung des mächtigen Lustmolchs endet, erfährt in „Der tollste Tag“ von Peter Turrini ein hartes Ende. Es ist die Warnung eines damals noch jungen, von hohen Idealen erfüllten Schriftstellers, die allerdings bis in die Gegenwart herauf ihre Wirkung nicht entfaltet hat.

Paul Matić (Bartholo), Maria Köstlinger (Marceline) © Philine Hofmann

Paul Matić (Bartholo), Maria Köstlinger (Marceline) © Philine Hofmann

Marcello De Nardo (Cherubin), Johanna Martini (Susanne) © Philine Hofmann

Marcello De Nardo (Cherubin), Johanna Martini (Susanne) © Philine Hofmann

Für die Kammerspiele der Josefstadt hat Anna Stiepani Regie geführt. Als Sprungbrett für die Auftritte dient ein Trampolin. Gespielt wird vor und auf einer Wand, in der sich diverse Räumlichkeiten verbergen (Bühne: Jenny Schleif). Sie dienen als Zimmer des Brautpaares, aber auch als Verstecke, in denen sich diverse Lauscher verbergen. Zarte Musik kommt von einem selbstspielenden Cembalo. Dank eines grandiosen Ensembles entwickelt sich die gewohnte Handlung durchaus lustig. Claudius von Stolzmann ist der listige und redegewandte Figaro, der seine Susanne (Johanna Martini) von Herzen liebt und sich kindisch auf die Hochzeit freut. Sie ist aber die Klügere, denn sie kennt die unredlichen Pläne ihres Herrn. Dank Raphael von Bargen wird Graf Almaviva zur genialen Karikatur eines Mannes, der in sich selbst verliebt jedem Rock nachstellt.

Dass er dabei immer wieder auf den adoleszenten Cherubin trifft, lässt bald einen gewissen Verfolgungswahn in ihm keimen. Im Grunde wollen beide das Gleiche: Frauen und wieder Frauen! Marcello De Nardo ist zwar kein Jüngling mehr, aber er wird in Gegenwart der verehrten Gräfin (Alexandra Krismer) zum hinreißend kindlichen Burschen. Verlässlicher Lieferant von Intrigen ist Bazillus, dem Dominik Oley die entsprechende Verschlagenheit angedeihen lässt. Trotz fortgeschrittenen Alters ist Marcelline (Maria Köstlinger) noch auf eine Heirat mit Figaro erpicht, doch der Hinderungsgrund für diese Ehe (sie ist seine Mutter) wird von Turrini unterschlagen. Sein Vater wäre deren Rechtsanwalt Bartolo. Paul Matić übernimmt zusätzlich den besoffenen Gärtner, während Oliver Rosskopf zuerst als Lakai eine Serie von Verletzungen erleidet und schließlich als Richter für sein Urteil Unsummen an Bestechungsgeld einstreift, begleitet von seinem Adlatus Zettelkopf (Marcello De Nardo). Bis dahin ist Lachen noch möglich, es bleibt aber im Halse stecken, wenn sich Almaviva zur Vergewaltigung von Susanne anschickt...

Oliver Rosskopf (Diener), Dominik Oley (Bazillus), Raphael von Bargen (Graf Almaviva)

Oliver Rosskopf (Diener), Dominik Oley (Bazillus), Raphael von Bargen (Graf Almaviva), Marcello De Nardo (Cherubin) © Philine Hofmann

Leonce und Lena, Ensemble © Moritz Schell

Leonce und Lena, Ensemble © Moritz Schell

LEONCE UND LENA als poetische Parodie auf das Leben

Michael Dangl, Sandra Cervik, Tonio Arango © Moritz Schell

Michael Dangl, Sandra Cervik, Tonio Arango © Moritz Schell

Georg Büchners Lustspiel mit beschaulichen Gedanken bereichert

Der Autor selbst starb mit nur 23 Jahren. Wie sollte er wissen, wie sich seine Helden fühlen, wenn sie in die Jahre gekommen sind? Aber in seinen Briefen und Aufsätzen lässt Georg Büchner ein erstaunliches Maß an Lebensweisheit aufblitzen. Daran konnte sich Regisseur Torsten Fischer bedienen und mit eigener Fantasie bereichern. Entstanden ist ein wunderbares Stück Theater, das zwar den Titel des Originals trägt, sich vom gesamten Aufbau her aber eher um Fragmente der Handlung entwickelt. „Leonce und Lena“ wurden für die Kammerspiele der Josefstadt also neu interpretiert und bieten trotz einer kurzen Dauer der Aufführung von eineinhalb Stunden weite Strecken der Beschaulichkeit, ohne Gefahr zu laufen, langatmig zu sein. Kurz gesagt, es ist Poesie, die ihre Zeit fordert und dafür gedankenvolle Ruhe schenkt.

Tonio Arango, Sandra Cervik, Michael Dangl © Moritz Schell

Tonio Arango, Sandra Cervik, Michael Dangl © Moritz Schell

Michael Dangl, Sandra Cervik, Ensemble © Moritz Schell

Michael Dangl, Sandra Cervik, Ensemble © Moritz Schell

Für ein solches Experiment braucht es freilich die entsprechende Besetzung. Dank eines umtriebigen Tonio Arango als versoffener Narr Valerio wird die Suppe kräftig mit teils derben Späßen gewürzt. Zwischen verdorbener Klugheit eines Nichtsnutz und wankelmütiger Treue zu seinem Herrn pendelnd, hat er die Fäden des Geschehens fest in der Hand. Konkurrenz braucht er diesbezüglich nicht zu fürchten. Der König und sein Präsident werden von Marcus Blum zu wahren Karikaturen des jeweiligen Amtes gestempelt. Schließlich handelt es sich um eine Satire auf den Absolutismus, der zu Lebzeiten Büchners von schwachen Fürsten und anderen gekrönten Komikern mit aller Macht und der Hilfe von willfährigen Staatsräten, dargestellt von einer wandlungsfähigen Truppe, ausgeübt wurde. Sie herrschten über durchaus überschaubare Reiche. Abgesehen vom geringen Umfang der Grenzen sind wir heute wie ehedem mit solcherlei unberechenbaren Gestalten geschlagen.

Nähere Hinweise dazu erübrigen sich. Listig ist auch Lenas Gouvernante, der Susanna Wiegand ein fröhlich hinterhältiges Augenblinzeln angedeihen lässt. Gemeinsam mit Valerio arrangiert sie die Hochzeit des Traumpaares, allerdings in effigie, da Leonce und Lena als Automaten verkleidet zur Heirat antreten. Michael Dangl ist der fadisierte Prinz, dessen Kopf sich wie ein leerer Tanzsaal anfühlt. Frauen, die ihn bis dahin eher ermüdet als erfreut haben, werden erst mit dem Auftauchen von Lena interessant. Kein Wunder, ist es doch Sandra Cervic im weißen Hochzeitskleid, die er auf seiner Flucht antrifft. Den Anfang macht jedoch ein Blick in die Zukunft der beiden; im Altersheim für Künstler. Leonce ist ein gesetzter Herr und Lena eine Frau, die mit dem Altern hadert. Ihr Monolog ganz am Beginn und das gemeinsam gesungene Chanson La Mer am Schluss, begleitet von den Musikern Aliosha Biz (Geige) und Krzysztof Dobrék (Akkordeon), sind ergreifende Momente. Es war die letzte Premiere von Sandra Cervik für das Ensemble der Josefstadt; wir werden sie auf diesen Bühnen schmerzlich vermissen.

Chanson La Mer mit Ensemble © Moritz Schell

Chanson La Mer mit Ensemble © Moritz Schell

Silvia Meisterle (Sophia) © Astrid Knie

Silvia Meisterle (Sophia) © Astrid Knie

SOPHIA Warum ist Intelligenz immer eine Frau?

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Bedeutet die längst allgegenwärtige KI unweigerlich das Ende der Humanisten?

Sophia bedeutet „die Weise“ oder schlicht „Weisheit“. Schon die alten Griechen sahen darin das Weibliche, das Sokrates, Platon und Aristoteles zu geistigen Höhenflügen animierte. Mittlerweile ist Sophie einer der beliebtesten Vornamen für Mädchen. Kann es sein, dass daher die tiefe Angst von meist männlichen Softwareentwicklern und Schöpfern von Algorithmen rührt. Wird sich diese elektronisch gesteuerte Frau selbstständig weiter optimieren, ihre eigenen Programme bauen und mit einer für Menschen unzugänglichen Schaltung zu der bereits in der Antike gefürchteten Xanthippe werden? Wird sie die Welt in einer Weise terrorisieren, dass Frankenstein oder der Golem dagegen nette Puppen sind? Eines ist jedoch gewiss: Die Bühnen hat die weibliche Ausformung des Maschinenmenschen bereits erobert. Es gibt eine ganze Reihe von Theaterstücken, im Moment noch Komödien, die sich mit dieser Thematik in sehr ähnlicher Weise beschäftigen. Der deutsche Dramatiker Moritz Rinke hat das jüngste Beispiel in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt mit Erfolg präsentiert: „SOPHIA oder Das Ende der Humanisten“.

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Sophia, Ensemble © Astrid Knie

Der Altertumswissenschaftler Wolfgang Bergmann hat seinen Lehrstuhl verloren und wurde von seiner Frau Marianne verlassen. Aber er hat sich zur Überwindung dieser Lebenskrise eine Neue zugelegt. Zu seinem 60. Geburtstag will Tochter Helena die Stiefmutter kennenlernen. Mit ihrem Freund Jonas erscheint sie unangemeldet in einer leer geräumten Wohnung. Das einzig verbliebene Möbelstück ist ein Sessel, auf dem nachweislich Theodor Mommsen (deutscher Historiker und bedeutender Humanist, 1817-1903) gesessen ist. Vater Wolfgang (Joseph Lorenz) ist vom Besuch keineswegs erbaut, aber Helena (burschikos ans Handy gefesselt: Alma Hasun) bleibt hartnäckig;

bis eine Dame auftaucht, die just so aussieht wie ihre Mutter in jungen Jahren. Mit ruckartigen Bewegungen und einer seltsam abgehackten Art zu reden erweist sich diese Person bald als humanoides Geschöpf, das mit dem so g´scheiten Papa zu dessen Kurzweil auf höchstem Niveau parlieren kann. Silvia Meisterle wird tatsächlich zu einer gespenstischen Kreatur, die nicht nur rasend schnell das Menschsein lernt, sondern auch dessen Schwächen als Waffe gegen die wachsende Skepsis ihrer natürlichen Gesellschaft einsetzt. Da Wolfgang von APPS nichts versteht, muss Jonas (Nils Arztmann) ans Tablett mit der Steuerung. Er ist studierter Informatiker und versucht sich an einem Programm, dem er allerdings in keine Weise gewachsen ist. Regisseurin Amélie Niermeyer lässt dem Ensemble viel, fast zu viel Zeit, auf die unvermeidliche Katastrophe hinzuspielen, sich in Gefühlsverwirrungen in Bezug auf den attraktiven Homunkulus zu verlieren und letztlich verzweifelt zu versuchen, diesen Roboter und alle damit verbundenen Konsequenzen wieder loszuwerden.

Silvia Meisterle (Sophia) © Astrid Knie

Silvia Meisterle (Sophia) © Astrid Knie

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

DIE TANZSTUNDE Eine Krücke als Gehhilfe für den Autisten

André Pohl, Katharina Klar © Christian Wind

André Pohl, Katharina Klar © Christian Wind

Berührend zögerliche Begegnung zweier Menschen über ihre Behinderungen hinweg

Senga Quinn ist Tänzerin. Ihre Zukunft auf der Bühne scheint aber durch einen schweren Unfall unmöglich geworden zu sein. In ihrer Verzweiflung hat sie sich in der Wohnung eingeigelt und pflegt dort verständliche Depressionen. So ist sie auch nicht begeistert, als ein verklemmter Intellektueller namens Ever Montgomery bei ihr erscheint. Er bietet ihr ein stattliches Honorar für eine Tanzstunde. Dass sie nicht mehr tanzen kann, stört ihn nicht; ein Boxtrainer kämpft ja auch nicht gegen die von ihm betreuten Boxer. Ever ist Professor für Geowissenschaften am New York Institute of Technology, leidet aber an einer angeborenen Entwicklungsstörung. Er verwendet für sich, entgegen der mittlerweile herrschenden Ansicht, den veralteten Ausdruck „Asperger-Syndrom“ und kann aus dem Stand eine ganze Reihe von Prominenten aufzählen, die wie er darunter leiden. Da ihm nun ein Preis überreicht werden soll und bei der dabei unvermeidlichen Party auch getanzt wird, will er zumindest einen Tanz, möglichst einen schnellen, absolvieren.

André Pohl, Katharina Klar © Christian Wind

André Pohl, Katharina Klar © Christian Wind

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

Der US-Dramatiker Mark St. Germain lässt in „Die Tanzstunde“ Senga und Ever zu einem Team werden, das in vorsichtiger Annäherung die Behinderungen beider Beteiligter zwar nicht überwindet, aber heilsam zur Sprache bringt. In der Übersetzung von John Birke spielen unter der gefühlvollen Regie von Folke Braband Katharina Klar und André Pohl das ungleiche, aber in seiner Art ungemein liebenswürdige Paar. Sie ist die burschikose junge Frau, die sich mit Stützverband am Bein in ein Scheindasein mit ein paar wenigen Telefonkontakten geflüchtet hat. Ever Montgomery ist der Analyst, der jede Situation glasklar beurteilen kann und dies auch pointiert in Worten ausdrückt.

Nebenbei gibt er Kostproben aus seinen Vorlesungen, die in bestechlicher Logik düstere Aussichten für die allgemeine Menschheit enthalten. Aber die zweifellos hohe Kompetenz hat keinen Einfluss darauf, dass er panische Angst vor jeder körperlichen Berührung hat. Senga wird zur raffinierten Therapeutin. Mit der Krücke imitiert sie einen Elefanten, übt mit ihm kontaktloses Händeschütteln und löst mit ein paar Drinks (Ever: „Jetzt hat der Whisky aus mir gesprochen“) einen guten Teil seiner Hemmungen. Behutsam bringt sie den über seinen Mut Erstaunten sogar dazu, mit ihr zu schlafen. Er verschafft ihr dagegen die beste Chirurgin, die möglicherweise das kaputte Bein wieder reparieren kann. Der Erfolg ist ein gelungener Tanz bei seinem Fest. Eine gemeinsame Zukunft ist aber bei all der Empathie nicht möglich. Abgesehen vom großen Altersunterschied sehen beide ein, dass sie durch die Zeit miteinander sehr viel gewonnen haben, aber ihr weiteres Leben doch in getrennten Bahnen verlaufen wird.

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

Katharina Klar, André Pohl © Christian Wind

Markus Kofler, Claudius von Stolzmann, Kimberly Rydell, Martin Niedermair © Rita Newman

Markus Kofler, Claudius von Stolzmann, Kimberly Rydell, Martin Niedermair © Rita Newman

SHERLOCK HOLMES Melodram und Klamauk: der Fall Moriarty

Markus Kofler, Claudius von Stolzmann © Rita Newman

Markus Kofler, Claudius von Stolzmann © Rita Newman

Eine grotesk witzige Komödie als Beute eines Raubzuges bei Sir Arthur Conan Doyle

Er ist der berühmteste Brite, der nie lebte und dennoch just in der Schweiz in den Kaltenbachfällen den Tod gefunden hat. Schuld daran ist sein geistiger Vater, der von diesem überg´scheiten Fantasiegeschöpf offenbar die Nase und wohl auch das Portemonnaie gestrichen voll hatte. Nur ein Mann war würdig genug, gemeinsam mit dem Genie der Kombination und Verbrechensaufklärung in den wilden Fluten zu ertrinken: der intelligenteste Verbrecher aller Zeiten namens Professor Moriarty. So hieß die Geschichte, die von Sir Arthur Conan Doyle als letales Abenteuer von Sherlock Holmes vorgesehen war, auch „Das letzte Problem“. Darauf stieß der US-Dramatiker Ken Ludwig nach dem Bühnenerfolg mit „Der Hund von Baskerville“ auf der Suche nach einem Stoff für ein neues Sherlock Holmes-Drama. Für ein abendfüllendes Theaterstück erschien ihm der Plot zu dürftig. Nach kritischer Lektüre von 56 Kurzgeschichten fanden sich Handlungsstränge in „Ein Skandal in Böhmen“ für eine saftige Liebesgeschichte und in „Die Bruce-Partington-Pläne“ Sherlocks Bruder Mycroft als der ungeselligste Mitarbeiter eines Geheimdienstes à la 007. All das mit entsprechendem Unernst gemischt, ergibt Unterhaltung vom Feinsten, betitelt mit „Sherlock Holmes: Der Fall Moriarty“.

Kimberly Rydell, Claudius von Stolzmann, Martin Niedermair, Michaela Klamminger © Rita Newman

Kimberly Rydell, Claudius von Stolzmann, Martin Niedermair, Michaela Klamminger © Rita Newman

Claudius von Stolzmann, Markus Kofler © Rita Newman

Claudius von Stolzmann, Markus Kofler © Rita Newman

In Verfilmungen von Sherlock Holmes Fällen schwirren unzählige Personen, angefangen vom Zeitungsjungen über den Barkeeper bis zum leicht dümmlichen Polizeikommissar, durch die Szenen und haben alle irgend eine bestimmte Bedeutung für deren Lösung. Eine Bühne wie die Kammerspiele wäre mit einem derartigen Personalaufwand heillos überfordert. Also hat Regisseur Dominic Oley auf die Wandelbarkeit eines erstaunlich kleinen Ensembles gesetzt. Die beiden einzigen Schauspieler, die nur eine Rolle zu verkörpern haben, sind Claudius von Stolzmann als durchschnittlich menschlich erscheinender Holmes in schwarzer statt der üblich karierten Adjustierung und dessen stets sympathisch lächelnder Freund Doktor Watson. Holmes treuem Trabanten wird von Martin Niedermair die entsprechend kühle englische Noblesse zuteil.

Als Moriartys Geister versuchen Elena Weber und Felix Millauer mit aufgemalten Gerippen die Leut´ zu schrecken, bleiben meiste Zeit aber harmlose Helferlein, wenn die von Karl Fehringer und Judith Leikauf gestaltete Bühne umgestellt werden muss. Unglaublich fix arbeitet das Kostüm (Nicole von Graevenitz) bei Michaela Klamminger, die gezählte sieben Charaktere in ebenso vielen verschiedenen Klamotten schafft, wie auch bei Kimberly Rydell, die neben ein paar anderen Damen als Irene Adler und damit einzige Liebe des an sich Frauen gegenüber resistenten Sherlock Holmes zu erleben ist. Markus Kofler ist die Reinkarnation von Professor Moriarty, der sich lediglich verkleidet mit verschiedenen Kostümen und Masken hinter König Otto von Ornstein, Mycroft Holmes oder Inspektor Lestrade verbirgt. Er könnte auch den Löwen machen, aber der ist hier zu einer schwarzen Katze geschrumpft, die sich bedrohlich miauend aus diesem zuletzt mit lautem Jubel bedachten Melodram des Grauens verzieht.

Stagehand-Geist © Rita Newman

Stagehand-Geist © Rita Newman

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