Kultur und Weindas beschauliche MagazinVier Beilagenplatten der römischen Taschenuhr U(H)RKNALL Die Luxus-Sonnen-Uhr reisender Römer Es fragt sich natürlich, wie sich mit einer Dose und acht Scheiben feststellen lässt, wie spät es gerade in Alexandria, in Britannien oder in Rom ist. Die Antwort darauf findet sich im Kunsthistorischen Museum Wien. In der Antikensammlung wurde dazu die Vitrine extra #9 gestaltet, in der dieses Wunderwerk antiker Uhrmacherkunst bewundert werden darf. Dank der Erkenntnisse von Philosophen wie den Pythagoreern (6. Jh. v. Chr.), Platon und Aristoteles (zwischen 427 u. 322 v. Chr.) hatte man bereits einen recht klaren Begriff von der Zeit und vor allem von der kugeligen Form der Erde. Die Römer teilten den Tag wie wir in 24 Stunden ein, die sich jedoch gewaltig von unseren 60 Minuten p. h. unterschieden. Im Sommer waren die 12 Stunden am Tag länger als in der Nacht und vice versa im Winter, denn es wurde jeweils die Dauer zwischen Sonnenaufgang und -untergang damit eingeteilt. Damit gab es noch keinen Stundenschlag und vor allem keine Mechanik, die deren Ablauf exakt gezählt hätte.
Dank der Sonnenuhren war es aber schon damals möglich, zumindest bei Schönwetter eine ungefähre Zeitangabe zu erhalten. So diente als riesige „Kirchturmuhr“ ein Obelisk, der heute noch in Rom bewundert werden kann. Deswegen war es eine Sensation, als eine Taschenuhr auftauchte. Das Wunderwerk war im 2. Jh. geschaffen worden. Es besteht aus einer Dose, für die man wahrscheinlich ein Medaillon auseinandergesägt hat. Die eine Seite, der Deckel, zeigt das Porträt des Kaisers Antoninus Pius (reg. 138-161 n. Chr.). Am Boden vermutet man den Mythos des Phaeton, wie er gerade mit dem Sonnenwagen von Helios verunglückt. Auf dessen Innenseite findet sich die stereografische Projektion einer Kugel. Ein kleiner Zapfen erlaubt das Befestigen von einer der beiliegenden vier Scheiben. Sie sind mit sechs Linien für die zwölf Monate graviert, die auf verschiedene Orte des Imperium Romanum ausgerichtet sind. Leisten konnten sich diese Rolex von einst nur die Reichen. Wenn sie nun auf Reisen von Gallien nach Griechenland unterwegs waren, legten sie die betreffende Scheibe ein und hielten die Dose entsprechend gegen die Sonne.
Vitrine EXTRA #8, My Story, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband MY STORY Antike Frauenporträts und ihr Nachleben
Aus ferner Vergangenheit blicken die römischen Damen auf uns herab. Ihre Schönheit scheint für die Ewigkeit in Marmor festgehalten zu sein. Rund 250 dieser Bildnisse befinden sich in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums, doch nur einige davon haben es geschafft, in der Schausammlung bewundernde Blicke auf sich zu ziehen. Wie muss es die „göttliche“ Julia in ihrer Eitelkeit gekränkt haben, ein Dasein unbemerkt von der Öffentlichkeit im Depot zu verbringen? Sie war schließlich Tochter von Kaiser Titus und Nichte von Kaiser Domitian aus dem edlen Geschlecht der Flavier. Ihr Leiden wurde beendet, ebenso das einer wohlhabenden älteren Frau auf einem Grabrelief, das sie als „Große Herkulanerin“ darstellt. Beide Skulpturen stehen nun im Zentrum der Sonderausstellung „Vitrine EXTRA #8“ (bis 20. September 2026), in der antike Frauenporträts über die Veränderungen im Zuge ihres Nachlebens dank intensiver Forschungsarbeit selbst zu Wort kommen.
Erstaunlicherweise ist es die Frisur, die sehr viel über deren Biografien verrät. So trägt die (vermutliche) Julia (61-89 n. Chr.) markante Stirnlocken, wie sie damals nur ihrem Rang zustanden. Der genaue Blick lässt jedoch eine raffinierte Montage aus antiken Fragmenten wie einem Kapitell und Bauornamenten erkennen. Es sind Ergänzungen aus dem 16. Jahrhundert.
Um all diese Geschichten freizulegen, waren moderne Methoden wie Materialanalysen und restauratorische Untersuchungen nötig. Hilfreich bei der Spurensuche waren übrigens auch Münzen.
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