Kultur und Weindas beschauliche MagazinAusstellungsansicht Cnaletto & Bellotto © KHM-Museumsverband, Foto: Jakob Gsöllpointner CANALETTO & BELLOTTO Kunstvolle Städtereisen aus dem 18. Jh.
Es gehört bis heute zum guten Ton, von einem Besuch in der Serenissima ein Kunstwerk mit nachhause zu bringen. An jeder Ecke stehen ambitionierte Talente, von denen die Rialto-Brücke, der Markusplatz oder eine grandiose Aussicht über den Canal Grande als Aquarell und damit als Original zu erschwinglichen Preisen feilgeboten werden. Kultivierte Touristen setzen damit eine Tradition fort, die schon im 18. Jahrhundert von der europäischen Aristokratie gepflegt wurde. Wer es sich leisten konnte, schickte seinen Stammhalter auf die „Grand Tour“ nach Italien, die in Venedig ihren Höhe- und Schlusspunkt fand. Unter den noblen Besuchern hatte sich herumgesprochen, dass es Stars auf dem Gebiete der Vedutenmalerei gab. Antonio Canal (1697-1768) sowie sein Neffe und Schüler Bernardo Bellotto (1722-1780) verstanden es wie keine anderen, ihre Stadt in idealisierenden Bühnenbildern zu inszenieren. Es war ein Marketinggag, dass beide unter „Canaletto“ firmierten. Als aufgrund diverser Kriege die zahlungskräftige Kundschaft aus dem Norden ausblieb, begaben sich die Künstler mit einer Camera Obscura im Gepäck auf Reisen, um die Klientel vor Ort in deren Heimat mit Ansichten ihrer Städte zu begeistern.
Das Kunsthistorische Museum unterscheidet nun penibel zwischen Canaletto Canal und Canaletto Bellotto, indem es ihre Wege durch Europa in der Ausstellung „Canaletto & Bellotto“ (bis 6. Dezember 2026, kuratiert von Mateusz Mayer) mit deren Werken opulent illustriert. Ein guter Teil davon stammt aus dem Haus selbst, den anderen stellen Leihgaben wie aus der Wallace Collection, der Albertina, dem Museo Correr in Venedig, dem Königlichen Schloss Warschau oder „The Princely Collections“ in Vaduz (Liechtenstein). Der Vorrang wurde in der Schau dabei dem Älteren gegeben. Antonio Canal kam 1746 in London an und blieb dort neun Jahre. Erstmals sind faszinierende Werke aus dieser Schaffensperiode in Österreich zu sehen. Sie beweisen, dass sich die Metropole an der Themse als neues Rom inszenierte, als Zentrum eines Weltreiches in der Nachfolge des Imperium Romanum. Anziehungspunkte des Malers waren auch die englischen Schlösser und nicht zuletzt deren finanzkräftige Besitzer. Schwer zu verstehen, aber dem Meister ging trotzdem das Geld aus, er kehrte nach Venedig zurück, um dort verarmt zu sterben. London: Die Themse am Lord Mayor’s Day, Canaletto (1697–1768) um 1748 © The Lobkowicz Collections, Prague; Foto: Jon P. Stokes Sein Neffe, ein Meister mit Licht und Schatten, wandte sich 1747 nach Dresden, wo er als Hofmaler bei August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, eine wohl dotierte Anstellung fand. Die während dieser Zeit entstandenen Stadtansichten sind legendär und können dank einer glücklichen Planung beim Wiederaufbau nach den verheerenden Bombardements 1944/45 beim Blick durch strategisch aufgestellte Rahmen in natura bewundert werden. Als 1756 die Preußen einmarschierten, brach Bellotto nach Wien auf, wo er zwei Jahre lang neben Schönbrunn als Residenz von Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia prächtige Parks wie den des Gartenpalais´ Liechtenstein malte.
Michaelina Wautier, Die fünf Sinne © KHM-Museumsverband MICHAELINA WAUTIER Späte Ehre für eine Barockkünstlerin
Kunsthistoriker konnten sich über Jahrhunderte lang nicht vorstellen, dass ein Kolossalwerk wie „Der Triumph des Bacchus“ von zarter Frauenhand gemalt worden sein könnte. Bis weit in das 20. Jahrhundert wurden mögliche männliche Schöpfer vermutet, unter anderem Schüler von Rubens. Im 17. Jahrhundert hatten an sich nur Männer die Möglichkeit, Geschlechtskollegen als nackte Modelle zu studieren. Es gab auch begabte Damen, die sich jedoch eher mit dem Stillleben oder der Genremalerei beschäftigten. Aber Historienmalerei, in der sich mit Muskeln bepackte Götter und Helden herumtrieben, war doch ein Metier, das vom Künstler selbst gewaltige Kraft erforderte. Dennoch wurde entdeckt, wenn auch sehr spät, dass hinter etlichen dieser Gemälde eine Frau steckte. Ein erster Hinweis war die Signatur „Michaelina Wautier“ mit dem selbstbewussten Schriftzug „invenit et fecit“ (erdacht und ausgeführt), von dem aus die Urheberschaft einer Reihe anderer Werke sicher zugeordnet werden konnte.
Aufgrund einer mangelhaften Quellenlage war es für die Forschung alles andere als einfach, einigermaßen erschöpfend ihr Leben nachzuvollziehen. Aber das Vorhaben ist dank penibler Detektivarbeit gelungen und hat –in Kooperation mit der Royal Academy of Arts in London – eine sensationelle Ausstellung zu Michaelina Wautier und Zeitgenossen ermöglicht. Im KHM befanden sich bereits etliche ihrer Bilder, da seinerzeit der in Brüssel herrschende Habsburger Statthalter Erzherzog Leopold Wilhelm auch ihre Werke gesammelt hat, ohne jedoch dazu entsprechende Aufzeichnungen zu führen. Als einigermaßen gesichert gilt: Geboren wurde Michelle Wautier um 1614 in Brüssel und lebte dort bis 1689. Die flämische Künstlerin war die Schwester von Charles Wautier, ebenfalls Maler, der vermutlich mit ihr seine Werkstatt teilte und ihr den Zugang zu den Kreisen am habsburgischen Hof ermöglichte. Er war verheiratet, im Gegensatz zu Michaelina, wie sie sich als Malerin latinisiert nannte, die ihr Dasein zölibatär der Kunst widmete.
In der bislang umfangreichsten Schau „Michaelina Wautier, Malerin“ (bis 22. Februar 2026) sind nicht zuletzt aufgrund großzügiger Leihgaben u. a. der Österreichischen Nationalbibliothek, The Phoebus Foundation, der Königlichen Kunstmuseen Belgiens in Brüssel der dem Rijksmuseum Amsterdam 80 hochkarätige Werke und Realia in stimmungsvoller Präsentation zu bewundern.
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