Kultur und Wein

das beschauliche Magazin



 

Die loieben Eltern, Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Die loieben Eltern, Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

DIE LIEBEN ELTERN haben mehr Geld als Einsehen mit der Brut

Die loieben Eltern, Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Die loieben Eltern, Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Sehenswert, wie das liebe Geld eine ganze Familie in das Chaos zu stürzen vermag.

Die Franzosen Armelle und Emmanuel Patron sind in erster Linie ein erfolgreiches Autorenpaar, aber sie sind auch Geschwister, die sich darüber Gedanken gemacht haben, wie sie reagieren würden, wenn ihre Erzeuger über Nacht zu sagenhaftem Reichtum gekommen wären und damit schockierend unkonventionell umgehen wollten. Das Ergebnis ist eine Komödie, die mit dem Titel „Die lieben Eltern“ ins Deutsche übersetzt von Kim Langner nun in der Komödie am Kai ihre österreichische Erstaufführung feiern durfte. Als deutsch-französische Schauspielerin und Autorin hat Kim von der Muttersprache her den Esprit français im Blut und lässt damit den Witz in den Dialogen zwischen Mama, Papa und drei erwachsenen Kindern entsprechend blitzen und damit dem von Pointen gespickten Text gerecht zu werden.

Wilhelm Prainsack, Robert Mohor, Doris Richter-Bieber © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Wilhelm Prainsack, Robert Mohor, Doris Richter-Bieber © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Wilhelm Prainsack, Lukas Meier, Viktoria Wais © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Wilhelm Prainsack, Lukas Meier, Viktoria Wais © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Die erfahrene Theaterfrau Doris Weiner hat dafür die Regie übernommen und das Stück mit einem tollen Ensemble umgesetzt. Das pensionierte Lehrerehepaar Vincent (Robert Mohor) und Johanna (Doris Richter-Bieber) hat die beiden Söhne und ihre Tochter mit bedenklicher Dringlichkeit zu sich beordert. Maximilian (Wilhelm Prainsack), Leon (Lukas Meier) und Luise (Viktoria Wais) sind deswegen von größter Sorge erfüllt. Was ist passiert oder noch schlimmer, was könnte geschehen, dass sie darüber auf der Stelle reden müssten? Von einer bisher unbekannten Krankheit, sogar vom gemeinsamen Freitod ist die Rede – ein Gedanke, der zu einer sehr heftigen Heulattacke führt. Damit aber haben sie nicht gerechnet! Eher aus Spaß haben Vater und Mutter einmal im Leben Lotto gespielt und, wie es ein wohlmeinender Zufall wollte, den Jackpot abgeräumt.

Statt den Geldsegen nun auf herkömmliche Art, z. B. mit Sportwagen und eigener Yacht zu genießen, haben Vincent und Johanna beschlossen, in Kambodscha ein Waisenhaus zu gründen. Was?! Wie?! Warum?! Fassungslosigkeit! Aus dieser eher seltsamen Vorgabe entwickelt sich eine Auseinandersetzung, in der alle Beteiligten kräftig Federn lassen müssen. Max ist Unternehmer, Golfspieler und selbst schon Familienvater, der sich von diesem Kuchen ganz gern ein größeres Stück abschneiden möchte. Sein Bruder rauft sich als Theaterkritiker so recht und schlecht durchs Dasein, ist aber in seinen Forderungen wesentlich bescheidener. Luise hätte noch gerne das verschleppte Studium zur Fachmedizinerin abgeschlossen und ist in finanziellen Angelegenheiten eher unbedarft. Alle drei hätten das Geld also durchaus gut gebrauchen können, das ihnen nun durch schier unbegreiflichen Idealismus auf Seiten der Besitzenden vorenthalten wird. Nach zähem Ringen im ersten Teil nimmt das Stück nach der Pause ordentlich Fahrt auf, um zwischen Komik und ernsthaften Argumenten pendelnd die durch den schnöden Mammon beinahe zerrüttete Familie in aller Liebe wieder zu vereinigen.

Robert Mohor, Doris Richter-Bieber © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Robert Mohor, Doris Richter-Bieber © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Victoria Kirchner, Jonas Zeiler, Xiting Shan, Angela Schneider © Komödie am Kai

Victoria Kirchner, Jonas Zeiler, Xiting Shan, Angela Schneider © Komödie am Kai

HAROLD & MAUDE Hinreißendes Date bei einer Beerdigung

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler © Komödie am Kai

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler © Komödie am Kai

Wenn die Liebe Grenzen zwischen jung und alt nachvollziehbar verschwinden lässt

Maude saust mit ihrem Rollstuhl wie nix auf den Friedhof, klaut auf dem Weg dorthin Bäume, verstreut im Aufbahrungsraum Nüsse und bewirtet daheim ihren neuen Freund mit Tee, bevor sie sich von ihm zur Melodie von „Lippen schweigen, s´flüstern Geigen“ im Walzertakt drehen lässt. Was wie eine originelle Idee des Regisseurs Boris von Poser aussieht, ist, man möchte es nicht glauben, eine Notlösung. Die prominente Schauspielerin Daniela Ziegler hat tatsächlich einen Gips am Bein; ein blöder Unfall während der Probenzeit für „Harold & Maude“ in der Komödie am Kai. Nur ein wahrer Profi lässt sich davon nicht von dieser Traumrolle abhalten, mehr noch, Ziegler integriert die fahrbare Gehhilfe wie selbstverständlich in die Inszenierung dieser berührenden Komödie und hat damit das ursprüngliche Anliegen von Autor Colin Higgins um einen reizvollen Akzent bereichert.

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler, Robert Mohor, Rafael Wittak © Komödie am Kai

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler, Robert Mohor, Rafael Wittak © Komödie am Kai

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler © Komödie am Kai

Jonas Zeiler, Daniela Ziegler © Komödie am Kai

Es geht um den 20jährigen Sohn der Witwe Mrs. Chasen, die Angela Schneider von anfänglicher Gelassenheit allmählich an den seltsamen Ideen dieses Burschen verzweifeln lässt. Harold probt mit ausgefeilten Techniken den Selbstmord. Jonas Zeiler ist der junge Mann, der mit seiner Show nicht nur beim Hausmädchen Marie (Xiting Shan) Schrecken verursacht und offenbar kein Verständnis für die von ihm verursachte Panik aufbringt. Nachdem eine Sitzung beim befreundeten Therapeuten Dr. Matthews (Robert Mohor) nichts gebracht hat, wird eine Heirat angedacht. Ein Institut schickt drei Kandidatinnen (Victoria Kirchner als Sylvie Gazel, Nancy Mersch und die dem Brautwerber wider Willen gewachsene Schauspielerin Sunshine Doré). Was alle nicht wissen:

Herold hat als passionierter Besucher von Begräbnissen die gerade einmal 60 Jahre ältere Maude getroffen; eine Frau, die wie er das Leben auf höchst ungewöhnliche Weise betrachtet und ihn sanft in ihre im Grund sehr weise Denkungsart einführt. Dass damit Pfarrer Finnigan (Rafael Wittak), der Friedhofsgärtner und ein Polizeiinspektor (beide wieder Robert Mohor) ihre Probleme haben, sind die feinen Zutaten, die dem Stück eine freundliche Portion Komik verleihen. Dank der von Martin Gesslbauer praktisch angelegten Ausstattung lassen sich die diversen Schauplätze im Handumdrehen herstellen. Richtig gemütlich ist es in Maudes Wohnung als Ort der Lebenskunde für Harold – und schließlich auch der Liebe zwischen den beiden, die damit gängige Vorstellungen über den Haufen wirft. Zeit der Entstehung dieses Stücks anno 1971 war eine solche Liaison bestimmt schockierender als heute. Why not? Was aber gleich geblieben ist: die bittere Traurigkeit Harolds, wenn Maude beschlossen hat, zum 80. Geburtstag ihr Leben zu beenden, mit einem gründlich durchdachten Suizid, der ihm letztlich den Unsinn seiner kindischen Versuche vor Augen führt und einen gereiften Mann in sein weiteres Leben entlässt.

Angela Schneider, Victoria Kirchner © Komödie am Kai

Angela Schneider, Victoria Kirchner © Komödie am Kai

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