Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Sister Act  Ensemble © Barbara Pálffy

SISTER ACT das ungewöhnliche Geschenk des Himmels

Tertia Botha, Daniela Dett © Barbara Pálffy

„Musica Sacra“, die sogar den Frömmsten von seinem Sessel reißt

„Wie kriegt man eine Nonne rum?“ ist die große Frage, die den drei Ganoven Joey (David Arnsperger), TJ (Lukas Sandmann) und Pablo (Christian Fröhlich) Gelegenheit gibt, ihre Verführungskünste im Trockenschwimmen auszuprobieren. Es geht schließlich darum, die in einem Kloster versteckte Deloris Van Cartier (eine Wucht: Tertia Botha) für ihren Boss, den abgrundmiesen Curtis Jackson (Karsten Kenzel), von dort herauszuholen. Dabei geht es dem Obergangster nicht um ein Schäferstündchen mit seiner Geliebten, sondern um deren Beseitigung. Sie hat blöderweise zugesehen, als er einen Zund (Verräter bei der Polizei) aus den eigenen Reihen per Pistolenschuss erledigt hat. Der brave, aber patscherte Polizist Eddie Fritzinger (Gernot Romic), in der Unterwelt bekannt als Schwitzefritze, hat die Sängerin bei den Klosterfrauen in Sicherheit gebracht, um sie für den Prozess als Zeugin am Leben zu haben. Nachdem die drei Burschen tolle Komiker, aber nicht gerade talentierte Aufreißer sind, lässt sie ihr Chef in Nonnentracht stecken, um sie bei den geistlichen Schwestern einzuschleusen.

Tertia Botha, William Mason, Daniela Dett © Barbara Pálffy

Die Bräute Gottes sind aber längst nicht mehr g´schreckte Jungfrauen. Sie haben von Deloris mittlerweile einiges an Weltlichem gelernt, vor allem aber, wie man mutig und mit voller Stimme fröhlich singen kann. Die Damen haben also Selbstbewusstsein, zumal ihr Chor just an diesem Tag vor niemand Geringerem als dem Heiligen Vater persönlich auftreten soll. Sie jagen die Kerle in Nonnentracht frisch vor sich her, bis allerdings Curtis auftaucht und ihrer Chorleiterin Deloris die Krachen ansetzt. Dass alles gut ausgeht, ist der Gnade Gottes in Form eines Glückstreffers von Eddie zu verdanken und einem Ensemble, das mit dem Musical „Sister Act“ den gleichnamigen Film rasch vergessen lässt. Allein die vielen, vielen Songs sind ein wahrhaft himmlischer Genuss, der sogar den alten Monsignore O´Hara (William Mason) derart ausflippen lässt, dass er angetan mit Glitzerkasel die Messbesucher, pardon, das Publikum zum Mitschunkeln anfeuert.

Lukas Sandmann, Christian Fröhlich, Karsten Kenzel, David Arnsperger © Barbara Pálffy

Andreas Gergen hat dieses Meisterwerk von Alan Menken (Musik) auf die Bühne des Musiktheaters Linz im wahrsten Sinn des Wortes gedreht. Um das Skelett einer Kirche sind Polizeistation, Gangsterkarre, Klosterzelle und Wohnzimmer von Eddie so geschickt angeordnet, dass ein kurzer Schwenk genügt, um die jeweils passende Szene vor sich zu haben (Bühne: Walter Vogelweider). Im Zentrum steht klarerweise der Schauplatz, auf dem die Nonnen singen und tanzen was das Zeug hält.

Wenngleich Mutter Oberin (Daniela Dett) ihre persönlichen Probleme mit den Umtrieben der Nachtclubsängerin Deloris hat, bringt sie doch selbst eine stattliche Stimme mit, mit der sie ihre Skrupel eindrucksvoll zu Gehör bringt. Die anderen aber, Nonnen wie Mary Lazarus (Viktoria Schubert), Mary Patrick (Sanne Mieloo), Mary Olympia (Silke Braas-Wolter), Mary Honorata (Dawn Bullock), Mary Curata (Susanna Hirschler), Mary Theresa (Anja Karmanski), Mary Passionata (Isabella Prühs), Mary Pieta (Celina dos Santos), Mary Nirvana (Lynsey Thurgar), Mary vom göttlichen Herzen Jesu (Nina Weiß) und die reizende kleine Postulantin Mary Robert (Hanna Kastner) haben ihren Spaß an den Melodien und am Gospelrhythmus, wenn sie in der ausgezeichneten Choreographie von Kim Duddy durch die Kirche ihres Klösterchens fegen.

Den fetzigen Sound dazu liefert die mit Trompeten, Posaunen, Saxophonen, E- & Kontrabass, Drums, und Keybords besetzte „Sixtinische Kapelle“ unter „Regens Chori“ Tom Bitterlich. Für Andacht ist also gesorgt, wenn mit voller Röhre die Bitte „Zeig mir den Himmel“ an den darob gewiss amüsierten Allerhöchsten gerichtet wird, zumal auch durch die in Deutsch gesungenen Songtexte von Glenn Slater die ganze rührende Geschichte zu einem herzerwärmenden emotionalen Erlebnis wird.

Gernot Romic, Ensemble © Barbara Pálffy
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