Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Turandot, Ensemble © Reinhard Winkler

Turandot, Ensemble © Reinhard Winkler

TURANDOT Gräuliche Prinzessin im eisgrauen Reich

Elena Batoukova-Kerl, Carlos Cardoso © Reinhard Winkler

Elena Batoukova-Kerl, Carlos Cardoso © Reinhard Winkler

Großer Jubel für die musikalische Umsetzung von Puccinis letzter Oper

Das Thema von den geköpften Prinzen taucht schon in der orientalischen Sammlung „Tausendundein Tag“ auf. Eine Prinzessin will für den Femizid an einer ihrer Ahninnen Rache an den Männern nehmen. Wenn sich ein Königssohn um ihre Hand bewirbt, werden ihm drei Rätsel gestellt. Wenn er sie nicht lösen kann, heißt es Rübe ab! Was ist dran an dieser offenbar frigiden und blutdurstigen Frau, dass ein Bewerber nach dem anderen ihretwegen im wahrsten Sinn den Kopf verliert? Die Librettisten von Giacomo Puccini, Giuseppe Adami und Renato Simoni, waren gefordert, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Der Komponist selbst versuchte die Seelenlandschaften der Beteiligten mit seiner Musik offen zu legen. Im letzten Akt sollte sich die Wandlung von Turandot zur liebenden Braut vollziehen. Allein, Puccini konnte die Oper nicht mehr vollenden. Er starb am 29. November 1924. Von seinen Skizzen ausgehend wurde das Werk von Franco Alfano vollendet und am 25. April 1926 in Mailand uraufgeführt, von Luciano Berio allerdings später überarbeitet.

Turandot, Ensemble © Reinhard Winkler

Turandot, Ensemble © Reinhard Winkler

Carlos Cardoso, Ensemble © Reinhard Winkler

Carlos Cardoso, Ensemble © Reinhard Winkler

Zeit und Ort der Handlung sind das alte Kaiserreich China. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović dürfte aber von dessen legendärer Pracht wenig halten und hat das Geschehen in die schmucklose Zeit von Mao Zedong verlegt. Der Chor ist unisex in die schlichten grauen Anzüge gehüllt, wie sie ab 1949 in der Volksrepublik China als einheitlicher Look vorgeschrieben waren. Die Bühne wird von einem übergroßen Mond beherrscht, der über einer bedrückend mit Totenschädeln übersäten Szenerie ruht und sich erforderlichenfalls in einen überdimensionalen Gong verwandelt. Keine Spur von einem Palast oder der verbotenen Stadt. Auch von der Hektik ist nichts zu spüren, wenn dem Volk aufgetragen wird, bis Sonnenaufgang den Namen des Unbekannten zu finden. Obwohl bei Versagen die Todesstrafe angedroht ist, hängen die Untertanen recht müde herum und warten scheinbar auf eine höhere Eingebung. Grosso modo bleibt es wie bei einer konzertanten Aufführung der Fantasie des Publikums überlassen, sich den Kaiserhof im sagenhaften Reich der Mitte und das dort herrschende bunte Treiben vorzustellen.

Dominik Nekel, Erica Eloff © Reinhard Winkler

Dominik Nekel, Erica Eloff © Reinhard Winkler

Alexander York, Erica Eloff, Elena Batoukova-Kerl © Reinhard Winkler

Alexander York, Erica Eloff, Elena Batoukova-Kerl © Reinhard Winkler

Mit dem Bruckner Orchester Linz und dem Dirigenten Enrico Calesso wird die faszinierende Klangwelt Puccinis jedoch in grandioser Weise umgesetzt. Solisten wie Dominik Nekel als entthronter Tatarenkönig Timur oder sein noch im Amt befindlicher Kollege, Kaiser Altoum (Christian Drescher), kommen mit ihren dunklen Stimmen ebenso zu Geltung wie die drei Hofbeamten Ping, Pang, Pong. Alexander York, Jonathan Hartzendorf und Victor Campos Leal pendeln zwischen einem komischen, warnenden Trio und dem Dasein als unerbittliche Scharfrichter, deutlich gemacht mit blutigen Henkerbeilen und einem Brustpanzer, der frappant an eine Fleischhauerschürze erinnert. Carlos Cardoso gab bei der Premiere am 17. Jänner 2026 den Calaf.

Sein Tenor ist ebenso selbstbewusst wie sein Auftreten als Brautwerber, der sich einer lebensgefährlichen Probe stellt. Er weiß die Antworten auf die ihm gestellten Fragen und besteht auch in der großen Arie im dritten Akt, wenn in „Nessun dorma“ auf dem Wort „vincerò“ die allseits bekannten und gefürchteten Spitzentöne zu schmettern sind. Auf der Strecke bleibt die Sklavin Liu, der Erica Eloff nicht nur in „Tu che di gel sei cinta“ eine jedes Eis auftauende Stimme verleiht. Sie hat sich in Calaf lediglich aufgrund eines freundlichen Blicks so intensiv verliebt, dass sie für ihn zu sterben bereit ist. Turandot, gesungen von Elena Batoukova-Kerl, ist diesbezüglich aus einem anderen Holz geschnitzt. Mit glänzendem Diadem, im Übrigen aber einfach in Rot und Weiß gewandet, prallt an ihr bis zum letzten Moment die Liebe ab. Man spürt nahezu körperlich ihre Abneigung gegenüber Männern. Sie brilliert mit mächtigem Sopran, der sich sogar über den ungemein druckvoll klingenden Chor mit klarer Höhe durchsetzt und damit die grausame Prinzessin als souveräne Hauptgestalt dieser märchenhaften Oper bestätigt.

Elena Batoukova-Kerl, Christian Drescher © Reinhard Winkler

Elena Batoukova-Kerl, Christian Drescher © Reinhard Winkler

Erica Eloff © Thilo Beu

Erica Eloff, Ensemble © Thilo Beu

DER ROSENKAVALIER Geht all´s so wie am Schnürl!

Fenja Lukas, Angela Simkin © Thilo Beu

Fenja Lukas, Angela Simkin © Thilo Beu

Ein in jeder Beziehung großer Abend mit Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal

Trotz der strengen Keuschheitskommission von Maria Theresia lebten ihre Untertanen, vor allem die Vertreter des Adels, ungeniert ihre Lustbarkeiten aus. Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg vergnügt sich während der Abwesenheit des Gatten mit ihrem Toyboy Quinquin. Bei ihr im Bett liegt der entfernte Vetter Octavian, ein siebzehnjähriger Bursch, mit dem sich noch großartig über Liebe reden und diese auch praktizieren lässt. Außerdem bleibt ja alles in der Familie. Ganz im Gegensatz zu diesen feinen Gefühlen steht ihr rüpelhafter Cousin Ochs von Lerchenau, ein Baron, der aufgrund seines Standes der Meinung ist, jedes junge weibliche Ding müsste ihm zu Willen sein. Als er überraschend beim fürstlichen Tête-à-Tête auftaucht, bleibt dem adoleszenten Lover nur die Verkleidung als Kammerzofe. Doch dieser Versuch geht schief, denn der Ochs geht dem vermeintlichen Mädchen sofort an die Wäsche. Er vergisst darüber beinahe, dass er mit einem besonderen Anliegen hereingeplumpst ist. Die Marschallin soll ihm einen Kavalier vorschlagen, der seiner blutjungen Braut die Silberne Rose überreicht...

Gotho Griesmeier, Adam Kim, Fenja Lukas, Dominik Nekel © Thilo Beu

Gotho Griesmeier, Adam Kim, Fenja Lukas, Dominik Nekel © Thilo Beu

Erica Eloff © Thilo Beu

Erica Eloff © Thilo Beu

Hugo von Hofmannsthal hat diese wunderbare Ansammlung von Affären in einem Libretto verpackt, das sich durch eine kunstvolle Art von Wienerisch auszeichnet, wie es im Rokoko möglicherweise in gehobenen Kreisen am Hof gesprochen wurde. Richard Strauss hat zu diesem heiteren Stoff die Musik geschaffen. Obwohl es im 18. Jahrhundert noch keinen Walzer gab, wird das Hauptmotiv vom schwungvollen Dreivierteltakt getragen. Aus den Rezitativen ist eine durchkomponierte Klangfläche mit überraschenden harmonischen Wendungen geworden, die nicht dem Text folgt, sondern ihn viel mehr untermalt. Die Klänge sind selbständiger Ausdruck der jeweiligen Emotionen. So betonen sie im ersten Akt subtil die Zweifel der Marschallin an ihrer weiblichen Anziehungskraft, wenn sie ahnt, dass ihr Bub sie über kurz oder lang sitzen lassen wird. Wenn der jugendliche Kavalier im zweiten Akt die Rose überreicht, ist es wieder das Orchester, das den Funken zwischen Octavio und Sophie, der Tochter des neureichen Herrn von Faninal, knisternd überspringen lässt.

Ensemble © Thilo Beu

Ensemble © Thilo Beu

Vaida Raginskytè, Dominik Nekel, Christian Drescher © Thilo Beu

Vaida Raginskytè, Dominik Nekel, Christian Drescher © Thilo Beu

Die Oper „Der Rosenkavalier“ braucht die große Besetzung im Graben, einen vielseitig einsetzbaren Chor aus Erwachsenen und Kindern, eine Sängerriege, die mit den gewaltigen Herausforderungen fertig wird, und einen Dirigenten, der die Farbenpracht der Partitur umzusetzen vermag. Das Musiktheater Linz hat bei der Premiere am 4. Oktober 2025 bewiesen, dass es in jedem der angesprochenen Punkte die besten Voraussetzungen dafür mitbringt. Am Pult des Bruckner Orchesters Linz steht ein souveräner Markus Poschner, dem vor allem die Dynamik der Komposition am Herzen zu liegen scheint. Sie kommt neben der Lebendigkeit der Musik vor allem dem Ensemble auf der Bühne zugute. Solistinnen wie Erica Eloff als Marschallin und Manuela Leonhartsberger in der Hosenrolle des Octavian dürfen ihre Bettszenen richtiggehend genießen. Aber auch der Ochs wird nicht von tiefem Blech und Trommeln erschlagen, sondern wuchtig charakterisiert. Dominik Nekel kann sich ganz auf seine Zudringlichkeiten, Hofmannsthal nennt das ungewollte Streicheln „kajolieren“, konzentrieren, während er sich respektabel in den Tiefen seiner Partie herumtreibt.

Als Herr von Faninal spielt Bariton Adam Kim glaubhaft die Verzweiflung eines Parvenüs, dessen neu erbautes Stadtpalais nach diesem Skandal von Seinesgleichen gemieden wird. Denn seine zarte Tochter Sophie (Morgane Heyse) ist ein „rechter Kaprizenschädel“, der sich der Heirat mit dem hochedlen, wenngleich brutalen Herrn von Ochs entzieht. Mit beachtlichen Stimmen sind auch die zahlreichen Nebenrollen besetzt, unter denen der „Sänger“ Simon Yang, der mit einer italienischen Arie in den Streit zwischen Baron und Notar (Gregorio Changhyun Yun) gerät, mit dem Schmelz seines Tenors aufhorchen lässt. Die Inszenierung von Hermann Schneider bewegt sich frei zwischen den Epochen. Über theresianischen Barock am Anfang, gefolgt von Jugendstil mit einem Gemälde von Gustav Klimt und einem mit Szenenapplaus bedachten Bühnenbild in der Diskothek „A Rose is a Rose“, in der ein Hai unter der Theke lauert, wird ein im Endeffekt logischer Bogen über diese viereinviertel Stunden lang grandios abgehandelte Lovestory gespannt.

Angela Simkin © Thilo Beu

Angela Simkin © Thilo Beu

Ensemble © Herwig Prammer

Ensemble © Herwig Prammer

GUILLAUME TELL Grand opéra zur Schweizer Geschichte

Adam Kim © Herwig Prammer

Adam Kim (Guillaume Tell) © Herwig Prammer

Der Beweis, dass Rossinis letzte Oper mehr ist als eine grandiose Ouvertüre

Am Pult des Bruckner Orchesters Linz steht Enrico Calesso, ein Italiener, der erfreulicherweise zu den ständigen Gastdirigenten des Musiktheaters zählt. Wenn dann noch ein Opus magnum seines Landmannes Gioacchino Rossini auf dem Programm steht, darf ein hervorragendes Hörerlebnis erwartet werden. „Guillaume Tell“ unterscheidet sich in der Ernsthaftigkeit des Inhalts wesentlich von den anderen Bühnenwerken, die der Meister des Belcantos in einer erstaunlich kurzen Schaffensphase komponiert hat. Zugrunde liegt das deutsche Drama „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller, das in klassischer Akribie den Kampf der jungen Eidgenossenschaft gegen die Herrschaft der Habsburger beschreibt. Die französischen Librettisten Étienne de Jouy und Hippolyte Bis waren jedoch angehalten, die Handlung für Musik aufzubereiten und großen Gesangseinlagen Raum zu verschaffen. Damit entstand Rossinis einzige vollständig durchkomponierte Grand opéra, die zugleich auch seine letzte Arbeit für die Bühne sein sollte. Maestro Calesso hat nun über die bekannte Ouvertüre hinaus die Genialität dieses Werks bis in die Details der Orchestrierung und die Tempi für die Soli als Empfehlung für das Ganze überzeugend herausgearbeitet.

Ensemble © Herwig Prammer

Ensemble © Herwig Prammer

Ensemble © Herwig Prammer

Ensemble © Herwig Prammer

Dass die Premiere ein Erfolg wurde, ist jedoch einzig und allein ihm und dem Ensemble zu verdanken. Es geht zu Herzen, wenn Erica Eloff als Prinzessin Mathilde ihre unerfüllbare Liebe zum Rebellen Arnold Melcthal beklagt. Der junge Mann hat sie aus einer Lawine gerettet und aus Dankbarkeit ist tiefe Zuneigung entstanden. Der strahlende Tenor Seunglick Kim hadert mit Standesunterschied und der politischen Unmöglichkeit, mit einer Vertreterin der Gegner liiert zu sein. Seine Landsleute gehen deswegen ruppig mit ihm um. Vor allem von Walter Furst (Bassist Dominik Nekel) und dem Protagonisten muss er Verachtung und Hiebe einstecken. Adam Kim ist ein kraftvoller Guillaume Tell, dem man auf der Stelle abnimmt, dass er den Häschern auf dem stürmischen See entkommen konnte. Skrupel setzen erst ein, als er von Landvogt Gesler verurteilt wird, seinem Sohn Jemmy den Apfel vom Kopf zu schießen.

Fenja Lukas macht es ihm mit dem Mut eines lebhaften Knaben jedoch leicht, auf sie zu zielen. Gregorio Changhyun Yun mit schlanker Stimme ist der Bösewicht, der sich in den um ihre Freihielt kämpfenden Schweizern verrechnet hat. Aber statt in der hohlen Gasse vom Pfeil aus der Armbrust getroffen zu werden, ersticht ihn Tell recht unprätentiös und führt damit die Helvetier zum Sieg. Was dabei die von Regisseur Georg Schmiedleitner eingesetzten Herrschaften ganz in Weiß zu suchen hatten, blieb bis zuletzt ein Geheimnis. Handelt es sich um das hygienisch gewandete Team eines OP-Saales, das anstelle von heilend mörderisch in den sturen schweizer Köpfen operiert? Sind sie symbolische Vertreter der Herrschaft, die mit kreischender Motorsäge einen kultischen Mammutbaum fällen? Aber was haben solche Gestalten oder das männliche Brautpaar bei der dreifachen Hochzeit im 14. Jahrhundert verloren? Die Folge: Ratlosigkeit! Eines wurde durch derlei Irritationen nicht verhindert: Souveräne Gewinner des Abends waren die Musik und eine der selten gespielten Opern Rossinis.

Adam Kim, Fenja Lukas © Herwig Prammer

Adam Kim, Fenja Lukas © Herwig Prammer

Ensemble und Bühne © Petra Moser

Ensemble und Bühne bei Il Viaggio © Petra Moser

IL VIAGGIO Mit Musik vertieftes Geschichtenerzählen

Génesis Beatriz López Da Silva, Christoph Gerhardus © Petra Moser

Génesis Beatriz López Da Silva, Christoph Gerhardus © Petra Moser

Zwei ergreifende Opern-Einakter über Reisen ohne Rückkehr

Novellen von Luigi Pirandello boten dem deutschen Opernkomponisten Alois Bröder den inspirierenden Stoff für zwei Opern-Einakter, die im Grund ein gesamtes abendfüllendes Werk ergeben. „Das Licht vom anderen Haus“ und „Die Reise“ sind nicht zu trennen. Die eine Geschichte erzählt über den vereinsamten Tullio Buti, der vergessen möchte. Ihn plagen die Erinnerungen an eine raue Kindheit mit einem brutalen Vater. Er mietet sich ein finsteres Zimmer, von dem aus er in die warm beleuchtete Wohnung der Familie Masci blicken kann, in ein Idyll mit Vater, Mutter Margherita und drei Kindern. Er verliebt sich in die Frau. Das Gefühl wird überraschend von ihr erwidert. Sie verlässt die Familie und geht mit Tullio. In der Sehnsucht nach ihren Kindern versucht sie eine Rückkehr, doch es bleibt beim schmerzlichen Blick aus dem Fenster in die ehemalige Wohnung. In „Die Reise“ wird die nach kurzer, unglücklicher Ehe verwitwete Adriana nach 13 Jahren aus dem eintönigen Alltag eines sizilianischen Dorfes gerissen. Der Grund ist allerdings eine schwere, zum baldigen Tod führende Krankheit. Mit ihrem Schwager Cesare führt sie der Weg über Ärzte in Palermo und Neapel weiter durch Italien und nach eingestandener Liebe zu Cesare bis zur Endstation Venedig.

Lily Belle Czartorski, Sophie Bareis, © Petra Moser

Lily Belle Czartorski, Sophie Bareis © Petra Moser

Christoph Gerhardus © Petra Moser

Christoph Gerhardus © Petra Moser

Die Intimität der Blackbox des Musiktheaters Linz erweist sich als der ideale Ort für eine Aufführung dieser beiden Werke. In der Mitte der Bühne erhebt sich ein Gerüst aus Fensterrahmen, das zuerst den Tisch von Familie Masci und später ein Bett für die verstorbene Mutter von Adriana enthält (Bühne: Mariangela Mazzeo). Das opulent besetzte Bruckner Orchester Linz, geleitet von der Koreanerin Jinie Ka, bildet den Abschluss nach hinten. Der Chor, einmal sind es sechs Herren, dann sechs Damen, wirkt unsichtbar hinter den schwarzen Wänden. Er wird damit Teil des Klangbildes, in dem Alois Bröder in einer faszinierenden Vielfalt an Farben Emotionen malt und zwischen Tonspritzern weite Flächen zum Sinnieren bietet. Auch die Texte wurden von ihm aufbereitet, großteils in Deutsch, lediglich zu Beginn quasi als Einführung in den Schauplatz in Italienisch.

Die Prosa-Sätze werden teils in einer kunstvoll überhöhten Melodie des gesprochenen Wortes gesungen. Das Ensemble bewältigt diese Herausforderung durchwegs grandios, nicht nur stimmlich, sondern auch in der Art und Weise des Schauspiels. Christoph Gerhardus ist mit Tullio Buto ein geheimnisvoller Fremder, den die Vermieterinnen Clotildina Nini (Saskia Sophie Maas) und Frau Nini (Lily Belle Czartorski) gerne bei sich aufnehmen und frivol lachend feststellen, dass er sich in Margherita Masci (Génesis Beatrix López) verliebt hat. Die Sopranistin Saskia Sophie Maas wird im zweiten Teil zu Adriana, bei der Bassist Felix Lodel in der Funktion mehrerer Ärzte einen bösartigen Tumor diagnostiziert. Mit dem elegant feschen Schwager Cesare Braggi (Martin Enger Holm) verlässt sie die öde Umgebung und die beiden halbwüchsigen Söhne (Fernando: Sophie Bareis, Paolo: Lily Belle Czartorski) mit der Gewissheit, nach diesem von hellen Akkorden getragenen Rausch in einem herzergreifend verlöschenden Pianissimo ihr Leben zu beenden.

Felix Lodel © Petra Moser

Felix Lodel © Petra Moser

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