Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Erica Eloff, Rodrigo Porras Garulo, Ensemble © Barbara Pálffy

Erica Eloff, Rodrigo Porras Garulo, Ensemble © Barbara Pálffy

LA BOHÈME Puccinis schmerzliche süße Love Story

Rodrigo Porras Garulo, Erica Eloff © Barbara Pálffy

Rodrigo Porras Garulo, Erica Eloff © Barbara Pálffy

Feiern. Lachen und Weinen in einer Künstler-WG in Paris um 1890

Die vier Burschen stehen zu ihrer Berufung, das muss man ihnen neidlos lassen. Marcello ist Maler, Schaunard Musiker, Colline Philosoph und Rodolfo ein Poet. Allein, was sie verbindet, ist ihre Erfolglosigkeit. Der Ofen treibt Müßiggang, weil nichts zum Heizen da ist außer einem Manuskript des Dichters, was irgend wie von Wert war, liegt längst im Pfandhaus und die Mägen sind ebenso leer wie die Gläser, was natürlich Missmut erzeugt, besonders an einem Weihnachtsabend, den man eigentlich in einem Café im Quartier Latin verbringen sollte. In diese Malaise steigt die Oper „La Bohème“ ein. Vorbild war der Roman „Les scénes de la vie de bohème“ von Henri Murger, den Luigi Illica und Giuseppe Giacosa gemeinsam mit dem Komponisten Giacomo Puccini zum Libretto bearbeitet haben. Um die Handlung in Schwung zu bringen, hat Schaunard einen Auftrag und damit Geld erhalten. Nachdem der lästige Vermieter mit seinem Begehr um Zahlung der Miete trickreich abgewimmelt wurde, machen sich die Freunde auf, um den Geldsegen umgehend unter die Leute zu bringen. Einzig Rodolfo bleibt noch daheim um zu arbeiten, als die Flurnachbarin Mimi klopft und um Feuer für ihre Kerze ersucht. Die Liebesgeschichte ist perfekt, wenn Rodolfo ihr eiskaltes Händchen fühlt und besingt (Che gelida manina). Eine leidenschaftliche On-Off-Beziehung begleitet das unbeschwerte Leben dieser jungen Pariser, bis es zuletzt der Tod der jungen Frau in dunkle Schatten hüllt.

Ensemble © Barbara Pálffy

Ensemble © Barbara Pálffy

Rodrigo Porras Garulo, Martin Achrainer, Dominik Nekel © Barbara Pálffy

Rodrigo Porras Garulo, Martin Achrainer, Dominik Nekel © Barbara Pálffy

Puccini war, wie er selbst sagt, vom ersten Moment an davon begeistert und man hört es in der wundervoll durchkomponierten Musik, in die er traumhafte Arien eingebettet hat, die nach wie vor zum unverzichtbaren Repertoire großer Soprane und Tenöre zählen. Wenn sich nun ein Haus wie das Musiktheater Linz über diesen Edelschlager der Opernliteratur wagt, dann darf ein rundum gelungener Abend erwartet werden. Am Pult steht Markus Poschner. Er leitet immerhin das Bruckner Orchester Linz, einen Klangkörper internationalen Ranges. Chor, sowie Kinder- und Jugendchor sind bestens einstudiert von Elena Pierini bzw. Olga Bolgari und fühlen sich offensichtlich wohl auf der Bühne, die Sabine Mäder dem Stil des modernen Opernhauses mutig angepasst hat. Inszeniert hat Georg Schmiedleitner, sehr behutsam und mit viel Rücksicht auf die Sänger, aber ohne auf die Live-Kamera (Oliver Lasch) zu verzichten, die neugierig in die winzige Bleibe der vier Künstler eindringt und zerrissene Innenansichten auf einer weiten Wand daneben liefert, dabei aber mit Großaufnahmen der Mimik der Solisten gleichzeitig deren schauspielerisches Talent beweist.

Ensemble © Barbara Pálffy

Ensemble © Barbara Pálffy

Bariton Adam Kim ist Marcello, ein an sich fröhlicher Zeitgenosse, der aber mit der flatterhaften Musetta seine liebe Not hat. Der Sopran von Ilona Revolskaya lässt bei den ersten Tönen durch ein warmes, kräftiges Timbre aufhorchen, was aber durch ihr temperamentvolles Spiel in der Folge nicht mehr so ganz zur Geltung kommt. Martin Achrainer liefert als Schaunard eine anständige Partie, während Dominik Nekel, dessen Colline zuletzt sogar seinen Mantel verkauft, mit der kleinen Arie „Vecchia zimarra, senti“ seinen Bass groß in Szene setzen kann. Rodrigo Porras Garulo ist der strahlende Tenor, der Liebe und Schmerz mühelos in Spitzentöne wie das hohe C umsetzt und am Ende auch die anfängliche etwas raue Mittellage fein glättet. Seine große Liebe ist Mimi. Erica Eloff ist eine hübsche junge Frau, der das von Marina Lebert angepasste Kostüm so gar nicht stehen will. Ihre Erscheinung mit dem übers Knie reichenden Rock und den flachen Schuhen erinnert ein wenig an eine Oberlehrerin. Mit ihrem zarten, in den Höhen sicheren Sopran lässt sie diesen Mangel aber vergessen und schafft es, mit kleinen Gesten wie der kindlichen Freude am ersehnten Muff, dem Schwanengesang „Sono andati? Fingevo di dormire“ und ihrem herzzerreißenden Erlöschen das Publikum zu Tränen zu rühren, um zuletzt frenetischem Jubel zu ernten.

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