Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Elena Batoukova-Kerl bringt  den BÜhnenarbeitern (Chor) Brötchen © Herwig Prammer

Elena Batoukova-Kerl bringt den BÜhnenarbeitern (Chor) Brötchen © Herwig Prammer

AIDA Kostümprobe mit großen Stimmen

Sonja Šarić, Ensemble © Herwig Prammer

Sonja Šarić, Ensemble © Herwig Prammer

Sänger spielen Sänger, die großartig Verdi-Arien singen

Sind wir uns ehrlich, die Erwartungen eines guten Teils des Publikums konzentrieren sich auf den „Triumphmarsch“. Diese strahlende, von schmetternden Fanfaren aufgeputzte Festmusik ist tatsächlich ein Geniestreich von Giuseppe Verdi. Sie war die würdige Untermalung, als man es geschafft hatte, die schmale Landbrücke zwischen Afrika und der Sinai-Halbinsel mit einem Kanal zu durchstoßen und damit Grund für die Hoffnung gegeben hatte, der Schifffahrt eine gewaltige Verkürzung des Seeweges eröffnet zu haben. Verdi hatte es zwar eine Zeit lang ablehnt, Anlassmusik zu schreiben, ließ sich dank entsprechenden Honorars denn doch überreden, eine „Hymne“ auf die Eröffnung des Suezkanals zu komponieren. Es sollte nach dem Willen des regierenden (und zahlenden) Ismail Pascha eine Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ sein, die im jüngst in Betrieb genommenen Opernhaus in Kairo Uraufführung erleben sollte. Das Libretto dazu wird gemeinhin dem französischen Ägyptologen Auguste Mariette zugeschrieben. Bis der grobe Handlungsbogen jedoch opertauglich war, waren noch der Theatermann Camille du Locle als Prosadichter und der italienische Verseschmied Antonio Ghislanzoni vonnöten. Am 24. Dezember 1871 trat „Aida“ ihren Siegeszug durch die Opernhäuser dieser Welt an und zählt bis heute zu den meistgespielten Werken Verdis. Der Rest ist Musikgeschichte.

Sonja Šarić, Adam Kim © Herwig Prammer

Sonja Šarić, Adam Kim © Herwig Prammer

Elena Batoukova-Kerl, Sung-Kyu Park © Herwig Prammer

Elena Batoukova-Kerl, Sung-Kyu Park © Herwig Prammer

Wenn sich nun ein Haus wie das Musiktheater Linz über einen solchen Fünftausender der Opernliteratur wagt, dann darf man natürlich nicht den Cinemaskope-Schinken erwarten, der keine Kosten scheut, um das Alte Ägypten mit seinen Säulenwäldern, Pharaonenstatuen und Obelisken, dazu unendlich viel Volk in Lendenschurz samt Priesterschaft in goldprangenden Roben aufzubieten. Mit Sabine Hartmannshenn wurde eine Regisseurin engagiert, die den Mut hat, einzig auf die Wirkung der Musik und die Stimmkraft der Solisten zu setzen. Sie lässt ihr Publikum an einer Probe teilnehmen. Kostüme werden anprobiert, Kulissen hin und her geschoben und auf einfachen Sesseln von manchen noch die Rolle studiert. Das Ganze irritiert freilich, aber nur so lange, bis Sung-Kyu Park als Radames in Jeans mit „Celeste Aida“ anhebt. Der Schmelz, die Sicherheit in den Höhen und die Kraft dieses Tenors sind beeindruckend. Begleitet wird er dabei vom verlässlich wohl klingenden Bruckner Orchester Linz, das von der italienischen Leidenschaft Enrico Calessos am Pult mitgerissen wird und gemeinsam mit Chor und Solisten erstaunlichen Druck im Zuschauerraum erzeugt. Ein reizvolles Extra: Die jeweiligen Seelenzustände der handelnden Personen machen zwei Tanzpaare (Anna Bárbara Bonatto, Katharina Glas, Urko Fernandez Marzana, Lukas Ruziczka) geheimnisvoll sichtbar.

Solisten und Ensemble © Herwig Prammer

Solisten und Ensemble © Herwig Prammer

Der Mentor des jungen Helden ist sowohl in der Nebenhandlung als auch im Stück Dominik Nekel, der seinem Oberpriester Ramfis mit mächtigem Bass die entsprechende Würde verleiht. Der Pharao (Bassist Michael Wagner) hat als Prämie für den Sieg über die Äthiopier die Hand seiner Tochter ausgelobt. Amneris wird vom Mezzosopran Elena Batoukova-Kerl nicht nur virtuos gesungen, sondern auch ausdrucksstark gespielt. Schließlich ist sie die einzige, die eine Wandlung durchmacht, von der eifersüchtigen Prinzessin zur selbstlosen Frau, die schmerzlich auf ihren Geliebten verzichtet. Ihre Rivalin, die äthiopische Sklavin Aida (Sonja Šarić), hat bekanntlich das Herz von Radames erobert. In der Probe fällt sie als Neue auf, nicht vertraut mit den Usancen dieses Ensembles, beseitigt aber schon mit den ersten Tönen jeden Zweifel, wer die ideale Kandidatin für die Titelrolle ist. In ihr sitzt aber noch tief die Sehnsucht für ihr Heimatland, dem sie in „O patria mia“ nachtrauert. Wäre nicht ihr schlitzohriger Vater, könnte durchaus alles gut ausgehen. Doch Adam Kim ist ein unerbittlicher König Amonasro, der seinen möglichen Schwiegersohn zum Verrat verleitet. Er hat nicht damit gerechnet, dass Radames standhaft bleibt und freiwillig in den Tod geht, noch weniger aber damit, dass diesem seine Tochter folgt und mit ihm stirbt. Aus dem Duett von Radames und Aida wird ein ergreifendes Terzett, wenn die geläuterte Amneris auf der nun dunklen Bühne zuletzt mit „Pace, Pace, Pace!“, also Friede, Tränen in die Augen der Zuschauer treibt.

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