Kultur und Weindas beschauliche MagazinChristoph Schlingensief, Ohne Titel, Installationsansicht © Stefan Altenburger Photography CHRISTOPH SCHLINGENSIEF „Es ist nicht mehr mein Problem!“
Christoph Schlingensief (1960-2010) war ein kreativer Unruhestifter. Unter dieser gewiss reißerischen Verkürzung steckt eine Persönlichkeit, die in ihrem Schaffen keine Gattungsgrenzen anerkannt hat. Man kennt ihn als Filmemacher und als politischen Aktivisten, man hat sich mit dem Boulevard über seine Regiearbeiten an Theater und Oper alteriert und sein Schaffen als Künstler kritisch diskutiert. Nebenbei war Schlingensief auch Autor von Bestsellern, die es dem Leser erlaubten, zumindest einen kleinen Schritt in seine Gedankenwelt einzudringen. Gemeinsam mit der „Freien Republik“ unter der Leitung ihres autoritären „Präsidenten“ Milo Rau wurde nun vom MAK eine anschauliche Möglichkeit geschaffen, das Universum „Christoph Schlingensief“ in einer umfangreichen Ausstellung zu durchwandern.
Seit der Zeit, in der Schlingensief aktiv war, hat sich offenbar nicht viel geändert. So bildet die Installation „Church of Fear“ den Auftakt. Erstmals präsentiert wurde die Kirche der Angst bei der Biennale von Venedig anno 2003 und war eine parodistische Antwort auf die weltweite Stimmung nach dem schrecklichen Vorfällen des 9/11. Kurator ist der Schweizer Kunsthistoriker Raphael Gygax, der mit Bühnen- und Kostümbildnerin Aino Laberenz, der langjährigen Weggefährtin von Schlingensief, einen wahrhaften Erlebnisparcours geschaffen hat. Zu bereisen ist er auf zwei Zeitschienen. Auf der einen fährt der Zug in die Vergangenheit, wo politische und performative Arbeiten der späten 1990er- und frühen 2000er Jahre versammelt sind.
Séance de Travail Défilé # Hiver 98/99 mit Daniel Küpper, Armbruster, Tatjana Patitz. MAK Helmut Lang Archiv. Courtesy of hl-art. HELMUT LANG Séance de Travail en Mode Minimaliste
Seit 2005 lebt und arbeitet Helmut Lang (1956 in Wien geboren) als bildender Künstler in New York City. Davor war sein Name ein Begriff für Mode, der die Gesellschaftsseiten von Zeitungen und Hochglanzmagazinen beherrschte. Lang verstand es, seinen Namen mit seinen Schöpfungen so zu verbinden, dass er als Marke unübersehbar wurde. Berühmt ist das Taxi Top mit seinem Namen auf den gelben Cabs in den Straßen Manhattens. Für Kreative und Intellektuelle war er der „Vater der Coolness“, gleichermaßen geschätzt von Frauen wie Männern. Sie konnten unter seinem Label ihr Erscheinungsbild, angefangen von den Schuhen über die Unterwäsche bis zum Duft, in ansprechender und doch nobel unauffälliger Weise stylen. Helmut Lang hatte die Codes der internationalen Modewelt neu geschrieben und ein unverwechselbares ästhetisches Vokabular entwickelt.
Das MAK zeigt nun bis 3. Mai 2026 im Erdgeschoss der Ausstellungshalle eine ungemein umfangreiche Auswahl aus seinem Archiv mit dem eleganten Titel „HELMUT LANG. Séance de Travail 1986-2005“, also eine Arbeitssitzung, kuratiert von der Expertin Marlies Wirth. Sie ist Kustodin der MAK Sammlung Design und damit die Verwalterin des größten und einzigen offiziellen öffentlichen Archivs, das seit 2011 Teil der MAK-Sammlung ist. In aufwändiger Architektur, maßstabsgerecht angelehnt an das Interieur des Helmut Lang Headquarters und der Flagship Stores, abwechselnd mit üblichen Vitrinen werden Details wie Probedrucke von Werbeanzeigen und Illustrationen in Modemagazinen, Seiten eines Lookbooks oder sogenannte Show Fitting Polaroids aus Papier mit handschriftlichen Look Beschreibungen präsentiert.
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