Kultur und Weindas beschauliche MagazinAusstellungsansicht © Marco Cappelletti e Giuseppe Miotto / Marco Cappelletti Studio TEXTILIEN UND TEPPICHE Neupräsentation der Schausammlung
Auf dem Gebiet Textilien und Teppichen darf sich das MAK rühmen, einer der weltweit wertvollsten und umfangreichsten musealen Sammlungen zu besitzen. Wie jedes Gewebe sind die hier verwahrten Stoffe äußerst heikel und eine konservatorische Herausforderung. Trotzdem dürfen diese Schätze nicht unsichtbar bleiben. Nach neuesten technischen Vorgaben und kunstvoll inszeniert vom Designstudio Formafantasma (Mailand) wurde im Geschoss oberhalb von “Wien 1900“ ein Saal mit herausragenden Objekten des textilen Bestandes gestaltet. Der Schwerpunkt sind unübersehbar die Teppiche, begleitet oder wie es im Kuratorenjargon heißt, kontextualisiert von Stoffarbeiten wie einer opulent mit Rosen bestickten Kasel, japanischen Meisen Kimonos oder einer Strickjacke aus dem 17. Jahrhundert.
Bereits beim Anstieg wird der Blick von einem riesigen seidenen Mamlukenteppich aus dem 16. Jahrhundert gefangen, allerdings als Spiegelbild des auf einem Podium aufgebreiteten Originals. Die Wände des Raumes sind in zarten Farbakzenten gehalten, das Licht ist eingezogen und die Vitrinen großformatig, um den Betrachtenden möglichste Nähe zu den Details zu ermöglichen. Seitens von Formafantasma heißt es dazu: „Wir haben das MAK und seine bemerkenswerte Textil- und Teppichsammlung, die zu den weltweit bedeutendsten zählt, schon lange bewundert.
WIEN 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk, Gustav Klimt, 9 Werkzeichnungen © kunst-dokumentation.com/MAK WIEN 1900 – ALLTAG Gesamtkunst-Handwerk neu gedacht
Zuerst muss eine kahle Wand überwunden, besser gesagt, umgangen werden, bis die Augen von einer glänzenden Fülle an Schaustücken beinahe erschlagen werden. Rechts strahlen Artefakte aus Messing und Glas. Ihnen gegenüber drängen sich an einem überdimensionalen Leporello hunderte bemalte Postkarten, deren Hersteller mit „Wiener Werkstätte“ angegeben ist. Schon dieser erste Eindruck will über die museale Präsentation hinaus auf seine darunter liegende Eben verweisen; auf das Gesamtkunstwerk, das wie eine Klammer die drei im ersten Stock damit eingerichteten Räume überspannt. „Wien 1900 – Alltag“ ist das Werk von Markus Schinwald. Der Österreicher ist Künstler und dazu Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Schinwald widmet sich den ständig wechselnden Bedingungen von Geschichtsschreibung, Autorschaft und Erinnerungskultur. Sein Ziel lautet Erkenntnisbildung, gewonnen aus dem Zusammenspiel von Wissen und Erfahrung, um an das öffentliche Interesse weitergegeben zu werden.
Was zugegebenermaßen kompliziert klingt, ist letztlich ungemein zugänglich und dank ausgezeichneter Beschriftung der einzelnen Objekte ein faszinierender Rundgang durch eine Periode unglaublicher Kreativität. Wer es sich leisten konnte, richtete seine Wohnung nach Plänen eines Koloman Moser ein, bewirtete seine Gäste in Gläsern und Geschirr im Design von Josef Hoffmann und trug nach dem Diner mit einer Keramik von Michael Powolny zur Konversation bei. Die Hausfrau trug gegebenenfalls als Hauskleid eine Kreation von Emilie Flöge und genoss den späten Abend im bequemen Armsessel aus dem Atelier Singer-Dicker. Für die gehobene Gesellschaftsschicht war es also Alltag, was heute im Museum bewundert wird.
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