Kultur und Weindas beschauliche MagazinMAK Ausstellungsansicht, 2026 VALLY WIESELTHIER: Bild und Ton Zentraler Raum MAK Design Lab © MAK/Christian Mendez BILD UND TON Basis des Werks von Vally Wieselthier
Vally Wieselthier (1895-1945) entstammte dem begüterten Großbürgertum, das bis in die 1930er-Jahre das kulturelle Leben Wiens prägte und mit seinem Geld den erforderlichen finanziellen Hintergrund schuf. Ihre jüdische Familie war offen für die künstlerische Ambitionen, die Vally schon in früher Jugend an den Tag legte. Als Schülerin von Josef Hoffmann und Michael Powolny kam sie mit der Wiener Werkstätte in Verbindung. Aufgenommen wurde sie für Keramik, wo sie ab 1927 die Produktionsstätte leitete und eine neue Form der Skulptur entwickelte. „Jetzt weiß ich, dass Vally eine Bildhauerin ist!“, soll Hoffmann zu ihren ersten Arbeiten in Ton gesagt haben. Sie erwarb sich allerdings auch den Ruf eines Party-Girls, das ausgelassen ihr Leben feierte und es damit den männlichen Kollegen durchaus gleich tat. Eine Einladung zur Beteiligung an einer Ausstellung im Metropolitan Museum of Art führte dazu, dass sie ihr Schaffen mehr und mehr in die USA verlegte. Wieselthier verfügte über genügend Selbstbewusstsein, sich auch im neuen Umkreis Respekt zu verschaffen, was der legendäre Satz „Tell these people who I am“ belegt. Neben Skulpturen entstanden nun Modedesigns, Illustrationen und berühmt gewordene Schaufenster. In einem Nachruf anlässlich ihres Todes 1945 würdigte sie die New York Times mit „internationally known as a leader of the modern school of ceramic art.“
In Österreich war sie damals bereits vergessen. Da das MAK über das Archiv der Wiener Werkstätte verfügt und der Bestand zu Vally Wieselthier durch eine Schenkung des gesamten Papiernachlasses bereichert wurde, konnte das Kuratorduo Rainald Franz und Anne-Katrin Rossberg eine beeindruckende Schau ihres Wirkens gestalten. Der Titel „Bild und Ton“ meint dabei ihren Einsatz in zeichnerischer Weise und das Material ihrer dreidimensionalen keramischen Arbeiten.
Ausstellungsansicht © Marco Cappelletti e Giuseppe Miotto / Marco Cappelletti Studio TEXTILIEN UND TEPPICHE Neupräsentation der Schausammlung
Auf dem Gebiet Textilien und Teppichen darf sich das MAK rühmen, einer der weltweit wertvollsten und umfangreichsten musealen Sammlungen zu besitzen. Wie jedes Gewebe sind die hier verwahrten Stoffe äußerst heikel und eine konservatorische Herausforderung. Trotzdem dürfen diese Schätze nicht unsichtbar bleiben. Nach neuesten technischen Vorgaben und kunstvoll inszeniert vom Designstudio Formafantasma (Mailand) wurde im Geschoss oberhalb von “Wien 1900“ ein Saal mit herausragenden Objekten des textilen Bestandes gestaltet. Der Schwerpunkt sind unübersehbar die Teppiche, begleitet oder wie es im Kuratorenjargon heißt, kontextualisiert von Stoffarbeiten wie einer opulent mit Rosen bestickten Kasel, japanischen Meisen Kimonos oder einer Strickjacke aus dem 17. Jahrhundert.
Bereits beim Anstieg wird der Blick von einem riesigen seidenen Mamlukenteppich aus dem 16. Jahrhundert gefangen, allerdings als Spiegelbild des auf einem Podium aufgebreiteten Originals. Die Wände des Raumes sind in zarten Farbakzenten gehalten, das Licht ist eingezogen und die Vitrinen großformatig, um den Betrachtenden möglichste Nähe zu den Details zu ermöglichen. Seitens von Formafantasma heißt es dazu: „Wir haben das MAK und seine bemerkenswerte Textil- und Teppichsammlung, die zu den weltweit bedeutendsten zählt, schon lange bewundert.
WIEN 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk, Gustav Klimt, 9 Werkzeichnungen © kunst-dokumentation.com/MAK WIEN 1900 – ALLTAG Gesamtkunst-Handwerk neu gedacht
Zuerst muss eine kahle Wand überwunden, besser gesagt, umgangen werden, bis die Augen von einer glänzenden Fülle an Schaustücken beinahe erschlagen werden. Rechts strahlen Artefakte aus Messing und Glas. Ihnen gegenüber drängen sich an einem überdimensionalen Leporello hunderte bemalte Postkarten, deren Hersteller mit „Wiener Werkstätte“ angegeben ist. Schon dieser erste Eindruck will über die museale Präsentation hinaus auf seine darunter liegende Eben verweisen; auf das Gesamtkunstwerk, das wie eine Klammer die drei im ersten Stock damit eingerichteten Räume überspannt. „Wien 1900 – Alltag“ ist das Werk von Markus Schinwald. Der Österreicher ist Künstler und dazu Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Schinwald widmet sich den ständig wechselnden Bedingungen von Geschichtsschreibung, Autorschaft und Erinnerungskultur. Sein Ziel lautet Erkenntnisbildung, gewonnen aus dem Zusammenspiel von Wissen und Erfahrung, um an das öffentliche Interesse weitergegeben zu werden.
Was zugegebenermaßen kompliziert klingt, ist letztlich ungemein zugänglich und dank ausgezeichneter Beschriftung der einzelnen Objekte ein faszinierender Rundgang durch eine Periode unglaublicher Kreativität. Wer es sich leisten konnte, richtete seine Wohnung nach Plänen eines Koloman Moser ein, bewirtete seine Gäste in Gläsern und Geschirr im Design von Josef Hoffmann und trug nach dem Diner mit einer Keramik von Michael Powolny zur Konversation bei. Die Hausfrau trug gegebenenfalls als Hauskleid eine Kreation von Emilie Flöge und genoss den späten Abend im bequemen Armsessel aus dem Atelier Singer-Dicker. Für die gehobene Gesellschaftsschicht war es also Alltag, was heute im Museum bewundert wird.
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